Wirt­schaft for­dert Woh­nungs­gip­fel

Kanz­le­rin soll sich um das The­ma küm­mern

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft -

Die Im­mo­bi­li­en­wirt­schaft for­dert von der Kanz­le­rin ei­nen Woh­nungs­gip­fel. „Woh­nen muss Chef­sa­che wer­den. Wir brau­chen ei­ne na­tio­na­le Stra­te­gie, um den Woh­nungs­man­gel zu be­kämp­fen“, sag­te der Prä­si­dent des Im­mo­bi­li­en­ver­ban­des IVD, Jür­gen Micha­el Schick.

BERLIN. Mer­kel sol­le al­le Be­tei­lig­ten ein­la­den, ne­ben der Im­mo­bi­li­en­wirt­schaft auch Mie­ter­bund und Ex­per­ten, mahn­te der Ver­bands­chef. Im IVD sind Im­mo­bi­li­en­be­ra­ter, Mak­ler, Ver­wal­ter und Sach­ver­stän­di­ge or­ga­ni­siert.

Ein Im­mo­bi­li­en­gip­fel be­deu­te „die Ab­kehr von ei­ner rei­nen Mie­ten­po­li­tik, wie sie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren prak­ti­ziert wur­de“, sag­te Schick der „Bild“-Zei­tung wei­ter. Nö­tig sei­en 400 000 neue Woh­nun­gen pro Jahr in Deutsch­land. Die­se Zahl hält auch der Mie­ter­bund für er­for­der­lich.

Im ver­gan­ge­nen Jahr wur­den zwar so vie­le Woh­nun­gen ge­baut wie zu­letzt 2004, es wa­ren aber nur knapp 278 000. Bau­mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Hend­ricks (SPD) gab das Ziel von min­des­tens 350000 neu­en Woh­nun­gen aus. Ein Grund für das Hin­ter­her­hin­ken ist, dass Woh­nun­gen seit Jah­ren schnel­ler ge­neh­migt als er­rich­tet wur­den. So war das Plus bei den Er­laub­nis­sen 2016 mit knapp 20 Pro­zent auf über 374000 Woh­nun­gen er­neut grö­ßer als je­nes der Fer­tig­stel­lun­gen. Das führ­te laut Sta­tis­ti­schem Bun­des­amt zu ei­nem Über­hang von gut 605 000 ge­neh­mig­ten, aber nicht fer­tig­ge­stell­ten Woh­nun­gen. Ur­sa­che sei ins­be­son­de­re der Man­gel an Bau­land, ho­he Auf­la­gen beim Bau und bü­ro­kra­ti­sche Hemm­nis­se, kri­ti­sier­te der Bun­des­ver­band Frei­er Im­mo­bi­li­en- und Woh­nungs­un­ter­neh­men. Auch die Bau­bran­che klagt über zu vie­le Re­gu­lie­run­gen, die das Bau­en teu­rer mach­ten und in im­mer kür­ze­ren Ab­stän­den er­las­sen wür­den.

In ei­nem Drit­tel al­ler deut­schen Krei­se und kreis­frei­en Städ­te fehlt in­zwi­schen Wohn­raum, wie das Gut­ach­ter­in­sti­tut Pro­gnos un­längst er­mit­telt hat. Dem­nach ist die Si­tua­ti­on in 138 von 402 Städ­ten und Krei­sen pro­ble­ma­tisch. Selbst für Haus­hal­te mit mitt­le­ren Ein­kom­men wer­de es im­mer schwie­ri­ger, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen zu fin­den, heißt es in der Ana­ly­se. Die Woh­nungs­bran­che spricht von ei­ner Ge­fahr für den so­zia­len Frie­den, da Men­schen mit klei­ne­ren Ein­kom­men an die Stadt­rän­der ver­drängt wür­den.

Vor wirt­schaft­li­chen Fol­gen warn­te Hans-Ge­org Leuck von der Deut­schen Ge­sell­schaft für Mau­er­werks­und Woh­nungs­bau. „Wenn sich Ein­kom­men und Mie­ten im­mer wei­ter aus­ein­an­der­ent­wi­ckeln, bleibt we­ni­ger Geld für Kon­sum“, sag­te er.

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