Wel­cher Sta­tus quo?

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Dialog -

Zum Ar­ti­kel „Un­ru­hen we­gen Tem­pel­berg-Kri­se es­ka­lie­ren“und dem Kom­men­tar von Ma­ri­on Trim­born „Ver­trau­tes Pul­ver­fass“(Aus­ga­be vom 22. Ju­li).

„In den Sieb­zi­ger­jah­ren, die Bil­der des Sechs­ta­ge­krie­ges vor Augen, war ich erst­ma­lig mit ei­ner Aus­wahl­mann­schaft des Vol­ley­ball­ver­ban­des im Land der Bi­bel. Die deutsch-is­rae­li­sche Ju­gend­be­we­gung soll­te mit Le­ben ge­füllt wer­den. Auf der West­bank und in Ost-Je­ru­sa­lem leb­ten da­mals ei­ne über­schau­ba­re An­zahl jü­di­scher Sied­ler. [...] Heute le­ben mehr als 450 000 Sied­ler il­le­gal auf der West­bank, auf pa­läs­ti­nen­si­schem Ter­ri­to­ri­um und über 150000 im be­setz­ten Ost-Je­ru­sa­lem. Oh­ne Bür­ger­krieg sind die­se Men­schen nicht um­zu­sie­deln. Auch ein Tausch Land ge­gen Land wird schei­tern. Die Zwei-Staa­ten-Lö­sung ist tot. Es geht nur mit­ein­an­der.

In die­sen Ta­gen er­fährt die Welt wie­der ein­mal, wie Is­ra­el den An­spruch auf ganz Je­ru­sa­lem zu le­gi­ti­mie­ren ver­sucht und da­durch be­wusst und mit vol­ler Ab­sicht die drit­te In­ti­fa­da (Mes­ser­in­ti­fa­da) her­aus­for­dert. Al­les er­in­nert mich an den 28. Sep­tem­ber 2000, als Ari­el Scha­ron auf dem Tem­pel­berg her­um­tram­pel­te und be­wusst die zwei­te In­ti­fa­da (Al-Ak­sa) aus­lös­te. Es folg­ten blu­ti­ge Jah­re der Aus­ein­an­der­set­zung.

Im Schat­ten der Welt­kri­sen er­le­ben wir nun ein im­mer dreis­te­res Vor­ge­hen der is­rae­li­schen Re­gie­rung, das, wie so oft, na­he­zu un­ge­ahn­det blei­ben wird.

Der Ha­ram esh-Scha­rif ge­stat­tet nur Mus­li­men, dort zu be­ten, al­len an­de­ren Be­su­chern nur ein­ge­schränk­te Auf­ent­hal­te. Wenn Ne­tan­ja­hu, Lie­ber­man und Ben­net in die­sen Ta­gen vom Sta­tus quo spre­chen, dann muss ein­fach die Fra­ge er­laubt sein, wel­chen Sta­tus sie mei­nen – den des mus­li­mi­schen Rechts auf Ha­ram esh-Scha­rif oder den des jü­di­schen Un­rechts auf dem Tem­pel­berg?“

Frie­del Wal­len­horst Os­na­brück

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