Se­ri­en-Ab­stei­ger grüßt von oben

Dank Trai­ner Baum­gart ist Pa­der­born das Team der St­un­de – Jetzt zwei Po­kal-Knül­ler

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport Regional -

Vor knapp drei Mo­na­ten war der SC Pa­der­born ab­ge­stie­gen – durch­ge­reicht aus der Bun­des­li­ga bis in die Re­gio­nal­li­ga. Jetzt grüßt der SCP von Platz eins. Ein Blick zur Mann­schaft der St­un­de.

Von Mat­thi­as Reich­stein

PA­DER­BORN. Trai­ner Steffen Baum­gart wirkt nach au­ßen mehr hart als herz­lich. Als sei­ne Mann­schaft mit dem 5:0 ge­gen die SG Son­nen­hof Groß­as­pach auf Platz eins der 3. Li­ga ge­stürmt war, woll­te der 45-Jäh­ri­ge über den SCP als die Mann­schaft der St­un­de nicht spre­chen. Er über­nahm lie­ber die Rol­le des Mah­ners: „Wie gut wir wirk­lich sind, sieht man erst, wenn schwie­ri­ge Si­tua­tio­nen kom­men und wir ein Tal durch­schrei­ten müs­sen.“

Da­bei hät­te Baum­gart ge­nug Grün­de ge­habt, sich in die Grup­pe der fei­ern­den Fans ein­zu­rei­hen: Seit er am 16. April 2017 das Amt des Chef­trai­ners über­nom­men hat, hat der SCP kein Pflicht­spiel ver­lo­ren. Sai­son­über­grei­fend war das 5:0 die elf­te Be­geg­nung in Fol­ge oh­ne Nie­der­la­ge. Ei­ne stol­ze Serie, ge­spickt mit viel Spek­ta­kel: 14 ge­schos­se­ne To­re in 360 Spiel­mi­nu­ten der Sai­son 2017/2018 – auf ei­ne sol­che Aus­beu­te ist seit 2008 noch kein Dritt­li­gist in den ers­ten vier Spie­len ge­kom­men.

Das mö­gen Mo­ment­auf­nah­men sein, die Ge­samt­ent­wick­lung ist kein Zu­fall. Ma­na­ger Mar­kus Krö­sche hat bei den Neu­ver­pflich­tun­gen sei­nen Plan kon­se­quent um­ge­setzt: jung, ent­wick­lungs­fä­hig, schnell und er­folgs­hung­rig – da wur­de in je­dem Mann­schafts­teil an den rich­ti­gen Schrau­ben ge­dreht.

Den Pa­der­bor­nern scheint Es darf wie­der ge­ju­belt wer­den in der Ben­te­ler Are­na in Pa­der­born: So freu­ten sich Marc Vu­ci­no­vic, Chris­ti­an Stroh­diek, Mas­sih Was­sey, Sven Mi­chel, Chris­to­pher Ant­wi-Ad­jei über das 5:0 ge­gen die SG Son­nen­hof Groß­as­pach.

das Ver­trau­en in die neue Elf al­ler­dings noch zu feh­len. Am Sams­tag war nur ein gutes Drit­tel der 15 000 Plät­ze in der Ben­te­ler-Are­na be­setzt. „Ich hat­te nach den jüngs­ten Er­fol­gen mit 7000 Be­su­chern ge­rech­net“, nahm Prä­si­dent Wil­fried Fin­ke die Re­so­nanz zer­knirscht zur Kennt­nis: „Ich ha­be kei­ne Er­klä­rung. Viel­leicht reicht un­se­re Leis­tung noch nicht. Aber in ei­ni­gen Wo­chen wer­den wir die letz­ten Zweif­ler über­zeugt ha­ben.“Baum­gart dreh­te den Spieß um: „Die, die heute nicht ge­kom­men sind, wer­den sich rich­tig är­gern.“

Der Fuß­ball­leh­rer hat den­noch Ver­ständ­nis – auch er

hat in sei­ner kur­zen Amts­zeit schon die an­de­re Sei­te ken­nen­ge­lernt. Sei­ne klei­ne Serie reich­te in der ver­gan­ge­nen Sai­son nicht. Das Klas­sen­ziel wur­de mit dem 0:0 am 20. Mai beim VfL Os­na­brück ver­fehlt. Der drit­te Ab­stieg in Fol­ge schien per­fekt. Dem bei­spiel­lo­sen Ab­sturz in­ner­halb von drei Jah­ren von Li­ga eins in Li­ga vier ent­gin­gen die Ost­west­fa­len nur, weil 1860 Mün­chen nach dem Ab­stieg aus der 2. Bun­des­li­ga kei­ne Li­zenz für die dritt­höchs­te Klas­se er­hielt.

Stichwort Mün­chen. Li­gaP­ri­mus SC Pa­der­born – das gab’ s zum letz­ten Mal am 20. Sep­tem­ber 2014. Da­mals fuhr Pa­der­born als Ta­bel­len­füh­rer zum Re­kord­meis­ter nach Bay­ern, ver­lor 0:4 und stürz­te in den fol­gen­den drei Mo­na­ten ins Bo­den­lo­se – um­so über­ra­schen­der kommt nun das Tem­po der Ent­wick­lung beim Dritt­li­ga-Nach­rü­cker.

Wo­bei die Mann­schaft schnell lernt. Das 4:4 am ers­ten Spiel­tag in Hal­le nach ei­ner 4:1-Füh­rung se­hen die SCP-Pro­fis im Rück­blick als „Warn­schuss zum rich­ti­gen Zeit­punkt“. Vier, zwei, eins, keins – die An­zahl der Ge­gen­to­re hat nun das Mi­ni­mum er­reicht. Die Ba­lan­ce zwi­schen Of­fen­si­ve der Ex­t­ra­klas­se

und Sta­bi­li­tät in der De­fen­si­ve passt. Die Schieß­bu­de ist ge­schlos­sen, ge­blie­ben ist das Schüt­zen­fest.

Der über­ra­gen­de Sven Mi­chel be­rei­te­te ge­gen Groß­as­pach drei Tref­fer vor, traf ein­mal selbst und war der Spie­ler des Spiels, sei­ne Ga­la hat­te das Prä­di­kat „gro­ße Klas­se“ver­dient – auch wenn er in der Schluss­pha­se oft ei­nen Ha­ken zu viel mach­te und den bes­ser pos­tier­ten Mit­spie­ler über­sah. Das mo­nier­te Baum­gart noch auf

dem Ra­sen, Mi­chel ge­fällt die­se di­rek­te Art: „Der Trai­ner haut uns im­mer wie­der auf die Fin­ger und spricht sol­che Din­ge so­fort an. Genau das brau­chen wir.“

Club-Boss Wil­fried Fin­ke er­war­tet ei­ne sor­gen­freie Sai­son: „Baum­gart lässt der Mann­schaft nur we­nig Spiel­raum. Sie kann nichts schlei­fen las­sen, und des­halb sind für mich Nie­der­la­gen­se­ri­en, wie wir sie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren er­lebt ha­ben, gar nicht mehr vor­stell­bar.“

Der Punkt­spiel­be­trieb ruht bis zum 19. Au­gust, dann geht es zu Rot-Weiß Erfurt, da­nach kommt am 25. Au­gust der SV Mep­pen zum ers­ten Flut­licht­spiel nach Pa­der­born. Vor­her war­ten zwei Po­kal­knül­ler: Am Mitt­woch (18.30 Uhr) hat der Ti­tel­ver­tei­di­ger im West­fa­len­po­kal Preu­ßen Müns­ter zu Gast, am Mon­tag (18.30 Uhr) kommt Zweit­li­gist FC St. Pau­li. Das Erst­run­den­spiel im DFB-Po­kal hat ei­ne be­son­de­re No­te: Bei den Ham­bur­gern sitzt der ehe­ma­li­ge Pa­der­bor­ner Chef­coach Mar­kus Gell­haus als Ko-Trai­ner auf der Bank. Ziel­stre­big, lauf­freu­dig, zwei­kampf­stark, so be­schreibt Gell­haus sei­nen Ex-Club – die Mann­schaft der St­un­de in 3. Li­ga.

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