„In mei­nem Kopf ist nichts mehr“

Klaas schon nach drei Wür­fen ge­schei­tert – Bit­te­res Aus für Heß – Giersch wird Fünf­te

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport - Von Micha­el Jo­nas

Top­fa­vo­ri­tin Ani­ta Wlo­darc­zyk aus Po­len hat ih­ren Ti­tel im Ham­mer­wer­fen bei der Leicht­ath­le­tik-WM in Lon­don er­folg­reich ver­tei­digt. Kath­rin Klaas war ent­täuscht nach Platz elf. Drei­sprin­ger Max Heß konn­te erst gar nicht an­tre­ten.

Kath­rin Klaas putz­te mit ih­ren Hand­tuch erst ein­mal den Ring sau­ber. Al­les war ge­rich­tet für den gro­ßen Wurf. Die Ak­ti­on reich­te aber le­dig­lich zu 67,83 Me­ter im ers­ten Durch­gang. 68,91 Me­ter und ein Fehl­ver­such folg­ten – ei­ne völ­lig in­dis­ku­ta­ble Leis­tung, die am Mon­tag­abend nicht mehr als Platz elf ein­brach­te. Die Frank­fur­te­rin, die im­mer im Schat­ten von Bet­ty Heid­ler stand, schaff­te es nicht un­ter die ers­ten Acht, die da­nach die Me­dail­len­rän­ge un­ter sich aus­mach­ten.

Ihr Blick schweif­te noch ein­mal durchs Sta­di­on, dann muss­te die 33-Jäh­ri­ge die Wett­kampf­stät­te ver­las­sen. „In mei­nem Kopf ist nichts mehr“, sag­te die Ham­mer­wer­fe­rin. „Es war schwie­rig, auf den Punkt zu tref­fen“, be­grün­de­te sie ih­re ganz schwa­che Wei­te. Den Ti­tel hol­te sich die Po­lin Ani­ta Wlo­darc­zyk, die sich nach ih­rem 77,90-Me­ter-Ham­mer beim Pu­bli­kum be­dank­te. „Das war ei­ne groß­ar­ti­ge At­mo­sphä­re“, ju­bel­te die zwei­fa­che Olym­pia­sie­ge­rin und jetzt drei­fa­che Welt­meis­te­rin. Zwei­te wur­de die Chi­ne­sin Zheng Wang mit 75,98 Me­ter vor der Po­lin Mal­wi­na Ko­pron (74,76).

Das Fee­ling da drau­ßen spor­ne sie an, woll­te Klaas die At­mo­sphä­re im Olym­pia­sta­di­on ge­nie­ßen. Als es ernst wur­de, ver­sag­ten ihr die Ner­ven. Ih­re sieb­te Welt­meis­ter­schaft wur­de zu ei­nem De­sas­ter. Seit 2005 Welt­klas­se, stets über 70 Me­ter und noch nie auf dem Trepp­chen. Klaas, zu­neh­mend von Ver­let­zungs­pro­ble­men ge­plagt, hat­tes es nur mit Ach und Krach ins Fi­na­le ge­schafft. Da war schon nach drei Wür­fen Schluss. „Ich ma­che das hier nicht für ei­nen elf­ten Platz. Das ist nicht das, was ich will“, kom­men­tier­te Klaas trot­zig. „Es war mehr drin, ich konn­te auch schon 74 Me­ter wer­fen. Aber nicht heute.“

Zu­letzt muss­te sich Klaas ei­ner Leis­ten­ope­ra­ti­on un­ter­zie­hen, nach Dau­er­be­schwer­den und lan­gem me­di­zi­ni­schem Rät­sel­ra­ten. „Es gab Mo­men­te, da saß ich in der Ecke und ha­be di­cke Trä­nen ge­weint, weil ich ein­fach nicht mehr wei­ter wuss­te. Kei­ner konn­te mir hel­fen“, war die Po­li­zei­kom­mis­sa­rin im Früh­jahr ziem­lich down. Wahr­schein­lich auch des­halb sprach sie mit ei­ner Psy­cho­lo­gin: „Schau mal zu­rück, was du schon al­les ge­wor­fen hast!“, lau­te­te der Rat. 22 Jah­re Ham­mer­wer­fen. Der ganz gro­ße Durch­bruch ge­lang nie. Im Ge­gen­teil: Lon­don ist zum Tief­punkt ge­wor­den.

Bes­ser mach­te es Hal­lenEu­ro­pa­meis­te­rin Kris­tin Gie­risch. Die Chem­nit­ze­rin be­leg­te mit 14,30 Me­ter im Drei­sprung Platz fünf. Bron­ze ver­pass­te sie um deut­li­che 45 Zen­ti­me­ter. Welt­meis­te­rin wur­de Yuli­mar Ro­jas aus Ve­ne­zue­la. Sie kam auf 14,91 Me­ter und er­ober­te das ers­te Gold über­haupt in der WMGe­schich­te für ihr kri­sen­ge­beu­tel­tes Land.

Han­na Klein (Schorn­dorf ) wur­de im 1500-Me­ter-Fi­na­le der Frau­en in 4:06,22 Mi­nu­ten Elf­te. Die Ke­nia­ne­rin Chepn­ge­tich Ki­py­e­gon hol­te sich den Ti­tel. Kon­stan­ze Klos­ter­hal­fen war im Halb­fi­na­le aus­ge­schie­den.

Gar nicht erst an­ge­tre­ten war Max Heß. Der Drei­sprung-Eu­ro­pa­meis­ter aus Chem­nitz sag­te sei­nen Start we­gen Mus­kel­pro­ble­men kurz­fris­tig ab. Der 21-Jäh­ri­ge hat­te sich beim Auf­wär­men für die Qua­li­fi­ka­ti­on am Ober­schen­kel­beu­ger ver­letzt. Heß war mit Me­dail­len­hoff­nun­gen an­ge­reist, nach­dem er zu­letzt im­mer bes­ser in Form ge­kom­men war.

400-Me­ter-Hür­den­läu­fe­rin Ja­ckie Bau­mann ver­pass­te ihr ers­tes Halb­fi­na­le bei in­ter­na­tio­na­len Ti­tel­kämp­fen. Die Toch­ter von Olym­pia­sie­ger Die­ter Bau­mann kam als Sieb­te ih­res Vor­laufs ins Ziel.

Fo­to: AFP

Zu schwach: Ham­mer­wer­fe­rin Kath­rin Klaas wird in Lon­don nur Elf­te.

Fo­to: dpa

Eins, zwei, drei, hop: Kris­tin Gie­risch.

Fo­to: dpa

Ent­täuscht: Ja­ckie Bau­mann.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.