Jetzt geht es erst mal gut es­sen

Sil­ber für Schä­fer ist auch ein Dank an den Trai­ner

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport - Von Micha­el Jo­nas

LON­DON. Über­wäl­tigt von ih­ren Ge­füh­len, wein­te Ca­ro­lin Schä­fer hem­mungs­los. All ih­re Energie, all ih­re kör­per­li­che und men­ta­le Kraft hat­te sie auf den Hö­he­punkt in Lon­don fi­xiert. Als die Qua­len ein En­de hat­ten nach den mör­de­ri­schen 800 Me­tern und die Sil­ber­me­dail­le ge­won­nen war, fiel ei­ne zent­ner­schwe­re Last von der Sie­ben­kämp­fe­rin nach dem gro­ßen Wett­kampf und dem ers­ten deut­schen Me­dail­len­ge­winn ab.

„Ich bin ein­fach glück­lich. Es ist mei­ne ers­te Me­dail­le bei den Frau­en. Da­für ha­be ich viel ent­behrt und auf mich ge­nom­men“, konn­te sie ihr Glück im Mo­ment des Tri­um­phes kaum fas­sen. Dass die bel­gi­sche Olym­pia­sie­ge­rin Na­fis­sa­tou Thi­am ihr 88 Punk­te vor­aus war, spiel­te kei­ne Rol­le. Sie war Vi­ze­welt­meis­te­rin mit dem Top-Re­sul­tat von 6696 Punk­ten. Die Hol­län­de­rin Anouk Vet­ter war ihr mit nur drei Punk­ten Rück­stand vor der fi­na­len dop­pel­ten Sta­di­on­run­de dicht auf den Fer­sen. Doch sie be­hielt ih­re Ner­ven und die Kon­kur­ren­tin um Sil­ber auf Dis­tanz.

Die Emo­tio­nen der 25-Jäh­ri­gen sind ver­bun­den mit ei­nem tra­gi­schen Schick­sal. Ihr Freund, der Vol­ley­bal­ler Den­nis Hef­ter, war im Fe­bru­ar 2015 beim Über­que­ren von Glei­sen von ei­nem Zug töd­lich er­fasst wor­den. Dar­über möch­te Ca­ro­lin Schä­fer nicht re­den. Der Sport half ihr bei der Über­win­dung der Trau­er,

elf Ta­ge nach dem töd­li­chen Un­fall trat sie schon wie­der bei der Hal­len-EM an, Hel­fers Fa­mi­lie stand ihr bei, be­glei­te­te sie auf Wett­kämp­fe. „Das hat mir an­ge­sichts der Um­stän­de viel Mo­ti­va­ti­on und Si­cher­heit ge­ge­ben“, äu­ßer­te sich Schä­fer da­mals.

Bei Olym­pia in Rio hat­te sie als Fünf­te an­ge­deu­tet, dass mit ihr zu rech­nen ist. Im Früh­jahr beim Mee­ting in Göt­zis ließ sie mit 6836 Punk­ten auf­hor­chen, nur vier Deut­sche wa­ren schon mal bes­ser. „Da wuss­te ich, dass ich in Lon­don ernst­haft um die Me­dail­len mit­kämp­fen kann.“Was Schä­fer von der ers­ten Dis­zi­plin an tat. Nach der Ein­stel­lung ih­rer Best­leis­tung im Hoch­sprung (1,86 m) und ei­ner neu­en Best­mar­ke mit der Ku­gel (14,84 m) hat­te sie den ers­ten Tag so­gar als Füh­ren­de be­en­det. Dass sie die­se Po­si­ti­on nicht hal­ten wür­de, war ihr klar. Da­für ist Thi­am noch zu stark. „Bis zu ihr fehlt mir schon noch ein biss­chen“, schätzt die eins­ti­ge Ju­nio­ren-Welt­meis­te­rin nach dem ers­ten Wett­kampf­tag rea­lis­tisch ein.

Sil­ber in Lon­don ist auch ein Dan­ke­schön an ih­ren Trai­ner Jür­gen Sam­mert, der we­gen aku­ter Herz­rhyth­mus­stö­run­gen vor den Ti­tel­kämp­fen kür­zer­tre­ten muss­te. „Mei­ne ge­sund­heit­li­chen Pro­ble­me ha­ben wir zu­sam­men durch­ge­stan­den. Ca­ro hat na­tür­lich auch für mich ge­kämpft“, war Sam­mert stolz. An dem zwei­ten Platz hat­te er selbst gro­ßen An­teil. „Wir ha­ben lan­ge dar­auf hin­ge­ar­bei­tet. Ca­ro ist im Trai­ning un­glaub­lich kon­se­quent und ver­langt al­les von sich ab.“7000 Punk­te sei­en durch­aus mach­bar, „denn Ca­ro kann sich noch in al­len Be­rei­chen stei­gern“, ist für den Trai­ner der Er­folgs­weg sei­nes Schütz­lings noch lan­ge nicht be­en­det. Doch jetzt ist erst ein­mal Pau­se an­ge­sagt für die Po­li­zei­kom­mis­sa­rin. Shop­ping, gut es­sen und chil­len. Es sei ihr ge­gönnt.

Emo­tio­na­ler Mo­ment für Ca­ro­lin Schä­fer. Fo­to: im­a­go/Co­lor­sport

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