Zum Ver­ges­sen

Ku­gel­sto­ßer Storl sau­er auf sich selbst

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport - Von Micha­el Jo­nas

LON­DON. Ku­gel­sto­ßer Da­vid Storl hat­te die Schnau­ze ge­stri­chen voll. Sei­ne Wort­wahl beim Fra­ge- und Ant­wort­spiel in der Mi­xed-Zo­ne pass­te zu ei­nem völ­lig ver­korks­ten Abend. „Das war tech­nisch ei­ne Ka­ta­stro­phe und ins­ge­samt ein Scheiß­Wett­kampf“, ent­fuhr es dem Sach­sen, der es nicht mal in den End­kampf der bes­ten acht schaff­te.

Beim über­ra­schen­den Tri­umph des Neu­see­län­ders To­mas Walsh ver­sag­te der zwei­ma­li­ge Welt­meis­ter wie sel­ten zu­vor. In der Qua­li­fi­ka­ti­on hat­te er mit dem zweit­bes­ten Er­geb­nis von 21,41 Me­tern hin­ter Walsh ge­le­gen, der mit 22,03 Me­tern die Kon­kur­renz in Schach hielt. Sil­ber hol­te sich Joe Ko­vacs (USA) mit 21,66 Me­tern vor dem Kroa­ten Sti­pe Zu­nic (21,46).

Die Ner­ven wa­ren es nicht, die ihm ei­nen Streich spiel­ten. Da­für hat der 27-Jäh­ri­ge schon zu vie­le span­nen­de Wett­kämp­fe er­lebt. Es war ein­fach nicht sein Wett­be­werb. Nach zwei Fehl­ver­su­chen schaff­te er nur 20,80 Me­ter. Sel­ten hat der Sach­se so schlecht ge­sto­ßen. „Es war kein men­ta­les, son­dern ein tech­ni­sches Pro­blem – es war mein dritt­schlech­tes­ter Wett­kampf in die­sem Jahr“, är­ger­te sich Storl, der weit von sei­ner Sai­son­best­leis­tung von 21,87 Me­tern ent­fernt war.

Storl hat­te nach ei­nem holp­ri­gen Sai­son­start vor den Ti­tel­kämp­fen in Lon­don Op­ti­mis­mus ver­brei­tet. Trai­ning und Vor­be­rei­tung sei­en

in Ord­nung ge­we­sen, ver­si­cher­te er vor der WM. Um sei­ne Zie­le zu ver­wirk­li­chen, hat­te er die Zu­sam­men­ar­beit mit ei­nem Men­tal­trai­ner for­ciert. Mat­thi­as Gro­ße, der Le­bens­ge­fähr­te von Eis­schnell­lauf-Olym­pia­sie­ge­rin Clau­dia Pech­stein und nicht un­um­strit­ten, war als Mo­ti­va­tor ge­fragt. Ge­hol­fen hat es an der Them­se nichts.

Der 125-Ki­lo-Hü­ne blieb erst­mals seit sei­nem De­büt 2009 in Berlin oh­ne WM-Me­dail­le, da­mals war er in der Qua­li­fi­ka­ti­on aus­ge­schie­den. 2011 in Süd­ko­rea war er im Al­ter von 21 Jah­ren und 37 Ta­gen der jüngs­te Ku­gel­stoß-Welt­meis­ter der Ge­schich­te ge­wor­den und hat­te sei­nen Ti­tel zwei Jah­re spä­ter in Moskau er­folg­reich ver­tei­digt. 2015 hol­te der Sach­se in Pe­king Sil­ber. Jetzt der kom­plet­te Ab­sturz. Doch der Fas­sungs­lo­sig­keit folg­te der Trotz. Der Leip­zi­ger will sich jetzt auf Olym­pia 2020 in Tokio kon­zen­trie­ren.

Da­vid Storl. Fo­to: dpa

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