Ein Le­ben in zwei Wel­ten

Bun­des­tags­kan­di­dat der CDU: Ma­thi­as Mid­del­berg will zum drit­ten Mal ins Par­la­ment

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

In ge­wis­ser Wei­se lebt Ma­thi­as Mid­del­berg in zwei Wel­ten: Hier das be­schau­li­che Os­na­brück, dort die Welt­stadt Berlin, wo er seit acht Jah­ren für die CDU im Bun­des­tag sitzt. Geht es nach dem 52-Jäh­ri­gen, sol­len bei der Bun­des­tags­wahl vier wei­te­re her­aus­sprin­gen.

Von Se­bas­ti­an Phil­ipp

Wenn Ma­thi­as Mid­del­berg mit dem Zug in den Os­na­brü­cker Haupt­bahn­hof ein­fährt, dann fühlt sich der 52-Jäh­ri­ge schlag­ar­tig „sehr wohl“, sagt er. „Nach Hau­se kom­men be­deu­tet für mich auch, ein we­nig zur Ru­he zu kom­men“, so Mid­del­berg. Der CDU-Po­li­ti­ker ge­nießt die im Ver­gleich zu Berlin bis­wei­len et­was we­ni­ger ar­beits­rei­chen Pha­sen in sei­ner Hei­mat­stadt – auch wenn er in Os­na­brück nach ei­ge­nem Be­kun­den häu­fig auf der Stra­ße er­kannt und an­ge­spro­chen wird.

Et­wa die Hälf­te der Zeit ver­bringt Mid­del­berg hier, die an­de­re Hälf­te in Berlin. Das Hin und Her zwi­schen Pro­vinz und Welt­stadt schätzt der Ma­thi­as Mid­del­berg will bei der Bun­des­tags­wahl 2017 für die Os­na­brü­cker CDU zum drit­ten Mal in Fol­ge ins Par­la­ment ein­zie­hen. Der 52-Jäh­ri­ge ist in Os­na­brück ver­wur­zelt, mag aber die in­ter­na­tio­na­le At­mo­sphä­re in Berlin.

Ju­rist durch­aus: „Ich füh­le mich nach wie vor in Os­na­brück zu Hau­se, aber Berlin ist sehr in­ter­na­tio­nal und un­heim­lich fa­cet­ten­reich.“

Auch wenn Mid­del­berg tief in Os­na­brück ver­wur­zelt ist, hat­te er nie Be­rüh­rungs­ängs­te mit an­de­ren Städ­ten und Re­gio­nen: Hannover, Bre­men und Leip­zig ste­hen als Sta­tio­nen un­ter an­de­rem in der Vi­ta des Christ­de­mo­kra­ten, der sein be­ruf­li­ches Glück auch au­ßer­halb der Po­li­tik such­te. Mid­del­berg sind die Er­fah­run­gen aus sei­ner Zeit in der frei­en Wirt­schaft zum Bei­spiel beim mit­tel­deut­schen Flug­ha­fend­rei­eck in Leip­zig oder in der Ener­gie­bran­che

wich­tig. Bis heute liegt dem Ju­ris­ten ei­ne ge­wis­se be­ruf­li­che Un­ab­hän­gig­keit am Her­zen, Mid­del­berg möch­te kein „Nur-Po­li­ti­ker“sein. „Ich bin kein Ho­mo po­li­ti­cus und will mir im­mer die Of­fen­heit be­wah­ren, be­ruf­lich auch noch et­was an­de­res als Po­li­tik zu ma­chen.“

Da­bei ist der 52-Jäh­ri­ge durch­aus als Kind der Par­tei zu be­zeich­nen, zu der er schon als Schü­ler Kon­takt knüpf­te. Mehr­mals kreuz­ten sich sei­ne We­ge un­ter an­de­rem mit Chris­ti­an Wul­ff, der Mid­del­berg wäh­rend sei­ner Zeit als nie­der­säch­si­scher Mi­nis­ter­prä­si­dent zu Be­ginn des Jahr­tau­sends in die Staats­kanz­lei

nach Hannover hol­te. „Das war mit die in­ter­es­san­tes­te be­ruf­li­che Auf­ga­be, die ich bis­her er­le­ben durf­te“, sagt Mid­del­berg. Sou­ve­rän zog er nach dem En­ga­ge­ment in Hannover zwei­mal hin­ter­ein­an­der in den Bun­des­tag ein, ist dort Vor­sit­zen­der der nie­der­säch­si­schen CDU-Lan­des­grup­pe und Mit­glied des Fi­nanz­aus­schus­ses. Mitt­ler­wei­le hat sich Mid­del­berg in Berlin den Ruf des en­ga­gier­ten Ar­bei­ters er­wor­ben, auch wenn er in der Re­gel nicht in al­ler­ers­ter Rei­he zu se­hen ist.

Wer sich Mid­del­bergs Wer­de­gang an­schaut, kommt auf den Na­men Hans Cal­mey­er. Der Os­na­brü­cker Ju­rist ret­te­te

im Zwei­ten Welt­krieg Tau­sen­den Ju­den das Le­ben, Mid­del­berg un­ter­such­te sein Wir­ken akri­bisch und pro­mo­vier­te zu The­ma und Per­son. Sein Fa­zit: „Er war ein hoch­in­tel­li­gen­ter Mann, der sehr cle­ver agier­te. Er hat es durch­aus ver­dient, dass die Stadt ihm ein ad­äqua­tes An­den­ken zu­teil­wer­den lässt.“

Mid­del­berg will sich, soll­te er es wie­der in den Bun­des­tag schaf­fen, vor al­lem für ei­ne bes­se­re ver­kehr­li­che An­bin­dung sei­ner Hei­mat­re­gi­on stark­ma­chen. „Der ge­sam­te Nord­wes­ten fin­det lei­der bei der Deut­schen Bahn nur sehr we­nig Be­rück­sich­ti­gung. Dass die Zü­ge im­mer noch zur glei­chen Zeit fah­ren wie zu den Zei­ten, als ich in der Schü­ler­uni­on war, hat zwar ei­ne ge­wis­se Ro­man­tik. Auch die Wag­gons sind im Kern die glei­chen. Aber das geht so ein­fach nicht mehr wei­ter.“Au­ßer­dem müs­se die A33-Nord end­lich kom­men, da­mit die Os­na­brü­cker In­nen­stadt ent­las­tet wer­de. Bei al­lem Lo­kal­pa­trio­tis­mus will sich Mid­del­berg je­doch nicht nur auf den ei­ge­nen Wahl­kreis fo­kus­sie­ren: „Es ist ei­ne Fehl­vor­stel­lung, dass Ab­ge­ord­ne­te nur da­für da sind, För­der­mit­tel in den ei­ge­nen Wahl­kreis zu trans­por­tie­ren. Viel­mehr ist die Auf­ga­be, gu­te Po­li­tik für ganz Deutsch­land zu ma­chen.“Ein An­lie­gen ist dem CDU-Po­li­ti­ker da­bei die Ent­las­tung des Mit­tel­stands von bü­ro­kra­ti­schen Hür­den.

Apro­pos Ent­las­tung: Ent­span­nen kann Mid­del­berg am bes­ten auf dem Ten­nis­platz. Hat denn der Ten­nis­spie­ler Mid­del­berg mit dem Po­li­ti­ker Mid­del­berg et­was ge­mein­sam? „Ich bin re­la­tiv un­ge­dul­dig, das drückt sich auch in mei­nem Spiel aus. Frü­her war ich der klas­si­sche Ser­ve-an­dVol­ley-Spie­ler, der die schnel­le Ent­schei­dung ge­sucht hat. Lei­der bin ich auf dem Platz heute et­was lang­sa­mer ge­wor­den und spie­le da­her ge­dul­di­ger“, gibt er zu. Im po­li­ti­schen Tun ist sei­ne Un­ge­duld je­doch nicht ge­wi­chen, „aber oh­ne Aus­dau­er er­rei­chen sie trotz­dem nichts“, sagt Mid­del­berg. We­der in Berlin noch in Os­na­brück.

Morgen le­sen Sie an die­ser Stel­le das Kan­di­da­ten­por­trät von Ant­je Schul­te-Sch­oh (SPD)

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