Ko­ka­in­schmug­gel nimmt dras­tisch zu

Zoll stellt neun­mal mehr von dem Rausch­gift si­cher – Ge­werk­schaft for­dert mehr Fahn­der

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrücker Land - Von Je­an-Charles Fays

Der Ko­ka­in­schmug­gel in den Be­zirk des Haupt­zoll­amts Os­na­brück hat dras­tisch zu­ge­nom­men. Al­lein im ver­gan­ge­nen Jahr stell­te der Zoll neun­mal mehr von dem wei­ßen Pul­ver si­cher als im Vor­jahr. Die Zoll­ge­werk­schaft BDZ for­dert we­gen der star­ken Ko­ka­in­wel­le auch mehr Per­so­nal.

Wäh­rend der Zoll 2015 im Be­zirk des Haupt­zoll­amts Os­na­brück nur 7,7 Ki­lo­gramm ent­deck­te, wa­ren es 2016 be­reits 68,2 Ki­lo­gramm Ko­ka­in. Zum Be­zirk des Haupt­zoll­amts ge­hö­ren Stadt und Land­kreis Os­na­brück so­wie die Land­krei­se Ems­land, Die­p­holz, Clop­pen­burg, Vech­ta und die Graf­schaft Bent­heim. Zu den Fun­den in die­sem Jahr kann der Zoll noch kei­ne An­ga­ben ma­chen.

Die Po­li­zei­di­rek­ti­on Os­na­brück gibt für das ers­te Halb­jahr 2017 aber auf An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on be­reits be­kannt, dass die Fall­zah­len bei den De­lik­ten im Zu­sam­men­hang mit Ko­ka­in im Ver­gleich zum ers­ten Halb­jahr 2016 an­ge­stie­gen sind. Der kom­mis­sa­ri­sche Lei­ter des Haupt­zoll­amts Os­na­brück, Tho­mas Möl­ler, stell­te in die­sem Jahr im Zu­sam­men­hang mit dem Rausch­gift­schmug­gel be­reits fest: „Das ist si­cher­lich nur die Spit­ze des Eis­bergs. Es wird ein­kal­ku­liert, dass ge­wis­se Men­gen ver­lo­ren ge­hen.“

Die Ko­ka­in­schwem­me in un­se­rer Re­gi­on hängt mut­maß­lich mit dem Boom beim Ko­ka-An­bau in Ko­lum­bi­en zu­sam­men, wo­her 90 Pro­zent des Rausch­gifts stam­men. Ei­ner Ein­schät­zung der Ver­ein­ten Na­tio­nen zu­fol­ge hat sich der An­bau von Sträu­chern, die zur Ko­ka­in-Pro­duk­ti­on ge­nutzt wer­den, na­he­zu ver­dop­pelt.

Die Fra­ge nach den Kon­se­quen­zen für die Rausch­gif­ter­mitt­ler wird un­ter­schied­lich be­ant­wor­tet. Der Spre­cher des Haupt­zoll­amts, Chris­ti­an Hey­er, sagt: „Die Er­mitt­lungs­er­fol­ge des Haupt­zoll­amts Os­na­brück be­le­gen ein­mal mehr, dass un­se­re Be­kämp­fungs­stra­te­gie mit ei­ner Kom­bi­na­ti­on aus in­tel­li­gen­ter Ri­si­ko­ana­ly­se, Ein­satz mo­der­ner Tech­nik und aus­ge­zeich­net ar­bei­ten­den Zöll­ne­rin­nen und Zöll­nern auf­geht.“Laut Hey­er ist das Haupt­zoll­amt in die­sem Be­reich per­so­nell gut auf­ge­stellt. Ei­ne hö­he­re An­zahl an Be­schäf­tig­ten sei nicht gleich­zu­set­zen mit mehr Fun­den. Die Qua­li­tät ste­he vor der Quan­ti­tät.

An­de­rer An­sicht ist Holger Scho­ne­veld aus dem Haupt­zoll­amt Os­na­brück. Als stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der der Zoll­ge­werk­schaft BDZ für Nie­der­sach­sen, Bre­men und Sach­sen-An­halt hält er es für sinn­voll, „den Zoll­fahn­dungs­dienst und die Kon­troll­ein­hei­ten Ver­kehrs­we­ge der Haupt­zoll­äm­ter auf­zu­sto­cken“, um mehr Ko­ka­in vom Markt ab­zu­schöp­fen. Er geht fest da­von aus, dass nach per­so­nel­ler Auf­sto­ckung die An­zahl der Dro­gen­fun­de und die da­mit ver­bun­de­nen Er­mitt­lungs­er­fol­ge wei­ter stei­gen wür­den. Zu­dem müs­se die Zu­sam­men­ar­beit der Zöll­ner, die für die Kon­trol­le der Ver­kehrs­we­ge zu­stän­dig sind, mit an­de­ren Si­cher­heits­be­hör­den wei­ter aus­ge­baut wer­den. „Ins­be­son­de­re der ge­gen­sei­ti­ge Da­ten­aus­tausch so­wie die län­der­über­grei­fen­de Zu­sam­men­ar­beit der Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den der ein­zel­nen Bun­des­län­der muss wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den“, prä­zi­siert Scho­ne­veld. Auch der Ein­satz von Rausch­gift­spür­hun­den füh­re nach­weis­lich zu schnel­le­ren Auf­grif­fen und ef­fek­ti­ve­ren An­sät­zen bei der Be­kämp­fung des Dro­gen­schmug­gels. „Auch hier gilt es, die An­zahl der Di­enst­hun­de­füh­rer zu er­hö­hen“, schluss­fol­gert Scho­ne­veld.

Er zeigt sich über­zeugt, dass den Ent­wick­lun­gen des Rausch­gift­schmug­gels „vor­ran­gig mit ei­nem er­höh­ten Ver­fol­gungs­druck und da­her nur mit ei­ner an­ge­mes­se­nen Per­so­nal- und Sach­mit­tel­aus­stat­tung ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den“kön­ne. Gera­de bei der Er­mitt­lungs­ar­beit ge­be es Ver­stär­kungs­be­darf.

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Symbolfoto: dpa

Ei­ne Ko­ka­in­wel­le er­reicht un­se­re Re­gi­on: Die Zoll­ge­werk­schaft BDZ for­dert mehr Per­so­nal, um mehr Ko­ka­in vom Markt ab­schöp­fen zu kön­nen.

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