Ko­ka­in­süch­ti­ge müs­sen Ge­fühls­emp­fin­den neu er­ler­nen

Ex­per­tin er­klärt, wie das Rausch­gift wirkt – Fol­gen: De­pres­si­on, Ess- und Schlaf­stö­run­gen – Dro­gen­be­schaf­fung „nicht schwer“

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrücker Land -

Die Lei­te­rin des Ca­ri­tas­ver­bands für Stadt und Land­kreis Os­na­brück, Mo­ni­ka Schnell­ham­mer, warnt vor psy­chi­scher Ab­hän­gig­keit als Fol­ge von Ko­ka­in­kon­sum: „Die Süch­ti­gen müs­sen das Ge­fühls­emp­fin­den völ­lig neu er­ler­nen.“Der po­si­ti­ve Ef­fekt nach dem Kon­sum schla­ge spä­ter ins Ge­gen­teil um.

Schnell­ham­mer, die zu­vor die Fach­am­bu­lanz Sucht­prä­ven­ti­on bei der Ca­ri­tas ge­lei­tet hat, weiß: „Das Pro­blem an Ko­ka­in ist, dass man sehr schnell psy­chisch ab­hän­gig wird, da die Psy­che sehr stark sti­mu­liert wird.“Die Wir­kung sei un­mit­tel­bar po­si­tiv, der Reiz sehr stark, die Auf­merk­sam­keit groß, und man sei hoch­mo­to­risch ak­tiv. „Da­durch schafft man mög­li­cher­wei­se Er­geb­nis­se, die sonst nicht mög­lich ge­we­sen wä­ren. Des­halb ist die Dro­ge bei Par­ty­gän­gern, Pro­mi­nen­ten, Ma­na­gern und Künst­lern sehr be­liebt.“

Hin­zu kom­me, dass die Dro­gen­be­schaf­fung nicht schwer sei. „Wenn sich her­um­spricht, dass ich et­was brau­che und das nö­ti­ge Geld da­für ha­be, dann muss man sich nicht weit be­we­gen“, weiß Schnell­ham­mer aus der Sucht­be­ra­tung. Sie mahnt: „Nicht nur die kon­ti­nu­ier­li­che, auch schon die epi­so­di­sche Nut­zung kann ab­hän­gig ma­chen.“

Al­les, was sich nach dem un­mit­tel­ba­ren Kon­sum po­si­tiv an­ge­fühlt ha­ben mag, schla­ge spä­ter je­doch ins Ne­ga­ti­ve um. Mit­tel- und lang­fris­ti­ge Fol­gen sei­en Kon­zen­tra­ti­ons­schwie­rig­kei­ten, De­pres­si­on, Schwä­chung der kör­per­li­chen Wi­der­stands­fä­hig­keit, ge­rin­ge Be­last­bar­keit, schnel­le Reiz­bar­keit so­wie Ess- und Schlaf­stö­run­gen.

Hin­zu kom­me die fi­nan­zi­el­le Ab­hän­gig­keit. Sie hat im Rah­men der Be­ra­tung von Ko­ka­in­süch­ti­gen nicht we­ni­ge er­lebt, die al­les ver­lo­ren ha­ben: Haus, Fa­mi­lie, Au­to und Job.

In der Sucht­prä­ven­ti­on setzt sie auf Be­trof­fe­ne. „Es wirkt, wenn man sich selbst mit den Er­fah­run­gen der Be­trof­fe­nen in Be­zug setzt“, er­läu­tert sie. Wenn Be­trof­fe­ne, die selbst ei­nen Ent­zug hin­ter sich ha­ben, be­schrei­ben, wie schnell man süch­tig wird, wie be­schwer­lich die Sucht ist und über Fol­gen, Schä­den und Ri­si­ken in­for­mie­ren, dann ist die Chan­ce laut Schnell­ham­mer sehr groß, dass et­was bei den Zu­hö­rern hän­gen bleibt.

In der Ar­beit mit den Süch­ti­gen wer­de das Nein­sa­gen ein­ge­übt. „In ei­ner Übung soll et­wa die Fra­ge be­ant­wor­tet wer­den: War­um grei­fe ich zu Dro­gen? Was su­che ich? War­um brau­che ich die Grenz­über­schrei­tung oder war­um flie­he ich vor Ängs­ten?“Die Re­fle­xi­on der ei­ge­nen Per­sön­lich­keit tra­ge da­zu bei, aus der Sucht her­aus­zu­fin­den.

Ca­ri­tasver­band. Fo­to: Ca­ri­tas

Mo­ni­ka Schnell­ham­mer,

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