Mi­ni-Kreb­se fres­sen aus­tra­li­schen Schü­ler an

Rät­sel um ag­gres­si­ve Mee­res­tie­re – Bio­lo­gin ist sich si­cher: Es wa­ren Am­phi­po­den

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Weltspiegel -

Von Bar­ba­ra Bark­hau­sen

Die Bil­der se­hen gru­se­lig aus: Sam Ka­ni­zays Fü­ße, die Knö­chel bis hin zur Wa­de und dem Schien­bein trie­fen ge­ra­de­zu vor Blut. Auch ei­nen Tag spä­ter – 18 St­un­den nach dem Bad im Meer – blu­te­ten die Wun­den noch im­mer.

Sam Ka­ni­zays Alb­traum be­gann mit ei­nem harm­lo­sen Bad im Meer. Der 16-Jäh­ri­ge woll­te nach ei­nem Fuß­ball­spiel sei­ne Bei­ne ab­küh­len und wa­te­te am Sams­tag­abend bis zur Hüf­te in den kal­ten Pa­zi­fik am Mel­bour­ner Strand­vor­ort Brigh­ton. Sei­ne Bei­ne hät­ten sich ein we­nig taub an­ge­fühlt und er ha­be ein Kit­zeln ver­spürt, er­in­ner­te er sich im Ge­spräch mit der lo­ka­len Ta­ges­zei­tung „The Age“. Er schrieb dies dem Mus­kel­ka­ter vom Fuß­ball zu und der Käl­te des Was­sers.

„Ich ha­be aber nicht wirk­lich dar­über nach­ge­dacht, dass ich gera­de auf­ge­ges­sen wer­de“, sag­te der Te­enager. Erst als er aus dem Was­ser kam, be­merk­te der jun­ge Aus­tra­li­er, dass der un­te­re Teil sei­ner Bei­ne blut­über­strömt war.

Als sein Va­ter und sei­ne Schwes­ter den Blut­strom aus den un­zäh­li­gen, win­zi­gen Lö­chern in der Haut zu Hau­se nicht stop­pen konn­ten, brach­ten sie den 16-Jäh­ri­gen ins Kran­ken­haus. Ärz­te ver­sorg­ten sei­ne Wun­den. Trotz der schnel­len Hil­fe konn­ten die Blu­tun­gen je­doch erst im Lau­fe des Sonn­tags voll­kom­men ge­stoppt wer­den. Aus Si­cher­heits­grün­den war der Jun­ge auch am Mon­tag noch im Kran­ken­haus, da­mit die Ärz­te aus­schlie­ßen konn­ten, dass Tie­re in den Kör­per des Jun­gen ein­ge­drun­gen wa­ren.

Wäh­rend sein Sohn sich noch im Kran­ken­haus von dem Schre­cken er­hol­te, fuhr der Va­ter des ver­letz­ten Te­enagers zu­rück zum Strand. Dort fing Jar­rod Ka­ni­zay mit ei­nem Netz die Tier­chen ein, die sei­nen Sohn al­ler Wahr­schein­lich­keit nach an­ge­fres­sen ha­ben. In ei­nem Vi­deo, das der Va­ter auf Youtube lud, ist ein Schwarm win­zi­ger Mee­res­tie­re zu se­hen, die al­le nur bis zu ei­nem Zen­ti­me­ter lang sind und die sich gie­rig in klei­ne Fleisch­stück­chen ver­bei­ßen, die der Aus­tra­li­er ih­nen füt­ter­te.

Am Mon­tag­nach­mit­tag ge­lang es der Mee­res­bio­lo­gin von Mu­se­ums Vic­to­ria schließ­lich, die Tie­re zu iden­ti­fi­zie­ren, nach­dem die Fa­mi­lie des Op­fers ein Ex­em­plar ins Mu­se­um ge­bracht hat­te. Ge­ne­for Wal­ker-Smith sag­te, die Mee­res­be­woh­ner sei­en na­tür­lich vor­kom­men­de Aas­fres­ser, so­ge­nann­te Am­phi­po­den oder Floh­kreb­se. „Es war ein­fach Pech“, sag­te die For­sche­rin. „Es ist mög­lich, dass er ei­ne Grup­pe ge­stört hat­te, die gera­de am Fres­sen war, denn üb­li­cher­wei­se lau­ern sie nicht da drau­ßen, um wie Pi­ran­has an­zu­grei­fen.“

Laut der Mee­res­bio­lo­gin sind die Floh­kreb­se nicht gif­tig und soll­ten kei­nen blei­ben­den Scha­den hin­ter­las­sen. Die Tie­re sei­en wich­ti­ge Be­stand­tei­le der Mee­res­fau­na. „Wenn wir sie nicht hät­ten, wä­re das Meer mit to­ten und ver­we­sen­den Fi­schen ge­füllt“.

Hält ei­ne paar Ex­em­pla­re sei­ner An­grei­fer in den Hän­den: Sam Ka­ni­zay wur­de beim Baden von Floh­kreb­sen an­ge­nagt. Fo­tos: dpa

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