Blut spen­den: Schwu­le nicht mehr au­ßen vor

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Gut Zu Wissen -

Ho­mo­se­xu­el­le Män­ner kön­nen künf­tig un­ter be­stimm­ten Be­din­gun­gen Blut spen­den. Die Bun­des­ärz­te­kam­mer (BÄK) über­ar­bei­te­te die ent­spre­chen­den Richt­li­ni­en zur Blut­ge­win­nung und zur Ver­wen­dung von Blut­pro­duk­ten und lo­cker­te bis­he­ri­ge Ver­bo­te, wie die BÄK am Mon­tag in Berlin mit­teil­te. Zwölf Mo­na­te nach Be­en­di­gung „se­xu­el­len Ri­si­ko­ver­hal­tens“dür­fen Schwu­le dem­nach künf­tig Blut spen­den, weil dies „nicht zu ei­ner Er­hö­hung des Ri­si­kos für die Emp­fän­ger von Blut und Blut­pro­duk­ten führt“.

Bis­lang sind nicht nur Men­schen mit be­stimm­ten chro­ni­schen Er­kran­kun­gen, son­dern auch Ho­mo­se­xu­el­le, Dro­gen­kon­su­men­ten, Pro­sti­tu­ier­te und Men­schen mit häu­fig wech­seln­den Part­nern le­bens­lang von Blut­spen­den aus­ge­schlos­sen. Be­grün­det wur­de dies mit der er­höh­ten An­ste­ckungs­ge­fahr et­wa durch HIV oder He­pa­ti­tis.

Für schwu­le Män­ner, Men­schen mit häu­fi­gen Sex­kon­tak­ten, Pro­sti­tu­ier­te und Trans­se­xu­el­le mit „se­xu­el­lem Ri­si­ko­ver­hal­ten“gilt dem­nach künf­tig die Zwölf­mo­nats­frist, die sie bis zu ei­ner mög­li­chen Blut­spen­de ab­war­ten müs­sen. Die An­ga­ben zum Le­bens­stil wer­den wie bis­her per Fra­ge­bo­gen er­ho­ben.

Ver­bän­de üben Kri­tik

Der Deut­schen Aids­hil­fe geht die neue Richt­li­nie nicht weit ge­nug. „Ei­ne HIV-In­fek­ti­on kann man heute sechs Wo­chen nach dem letz­ten Ri­si­ko si­cher aus­schlie­ßen“, er­klär­te Vor­stands­mit­glied Björn Beck. Ei­ne Frist von ei­nem Jahr schlie­ße hin­ge­gen die meis­ten schwu­len und bi­se­xu­el­len Män­ner wei­ter­hin von der Blut­spen­de aus.

Auch Axel Hoch­rein, Spre­cher des Les­ben- und Schwu­len­ver­bands in Deutsch­land, kri­ti­sier­te die Richt­li­nie als „wis­sen­schaft­lich nicht halt­bar“. So wer­de nicht be­rück­sich­tigt, dass bei ge­schütz­tem Sex ein weit­aus ge­rin­ge­res Über­tra­gungs­ri­si­ko be­ste­he. Nicht zu­letzt sei da­von aus­zu­ge­hen, „dass ein ge­sun­der ho­mo­se­xu­el­ler Mann nie­mals ein Jahr lang zö­li­batär le­ben kann und wird, um end­lich Blut spen­den zu dür­fen“.

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