We­der Bü­cher­wurm noch Zap­pel­phil­ipp

Kin­der le­sen laut Stu­die nach wie vor ger­ne auf Pa­pier – Jun­gen be­kom­men mehr Ta­schen­geld

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Einblicke -

Be­druck­tes Pa­pier statt Smart­pho­ne: Nach ei­ner Ver­lags­stu­die steht die Lek­tü­re von Bü­chern und Zeit­schrif­ten bei Kin­der noch im­mer hoch im Kurs.

Von Esteban En­gel

Von we­gen Dau­er­sur­fer und Stu­ben­ho­cker: Kin­der le­sen nach wie vor ger­ne Bü­cher und Zeit­schrif­ten und spie­len mit Gleich­alt­ri­gen, oft so­gar lie­ber, als di­gi­tal zu spie­len oder mit Freun­den zu chat­ten. Das geht je­den­falls aus ei­ner Um­fra­ge im Auf­trag von sechs Ver­la­gen her­vor, die Zeit­schrif­ten und Ma­ga­zi­ne für Kin­der und Ju­gend­li­che ver­öf­fent­li­chen und mit der Stu­die auch auf die Be­deu­tung ih­rer Titel für die Wer­bung auf­merk­sam ma­chen wol­len.

Dem­nach er­rei­chen die 39 Kin­der- und Ju­gend­ti­tel der Ver­la­ge, dar­un­ter Klas­si­ker wie „Dis­neys lus­ti­ges Ta­schen­buch“, das Fuß­ball-Ma­ga­zin „Just kick it“oder das Pfer­de­ma­ga­zin „Wen­dy“, 71,5 Pro­zent der rund 7,17 Mil­lio­nen Jun­gen und Mäd­chen im Al­ter von vier bis 13 Jah­ren.

Die Ver­la­ge sto­ßen da­mit auf of­fe­ne Ohren und Au­gen. Fast drei Vier­tel (72 Pro­zent) der Kin­der im Al­ter von vier bis 13 Jah­ren ga­ben an, mehr­mals pro Wo­che zum Buch oder ei­ner Zeit­schrift zu grei­fen. Da­nach fol­gen Game­boy, Spiel­kon­so­le oder Ta­blet: 57 Pro­zent spie­len da­mit mehr­mals in der Wo­che. In der Grup­pe der Sechs- bis 13-Jäh­ri­gen liegt das klassische Le­sen so­gar weit vor di­gi­ta­len Un­ter­hal­tungs­an­ge­bo­ten wie Youtu­be, Spiel­kon­so­len oder DVDs und Blu-Rays.

Smart­pho­ne ge­hört da­zu

Die Er­geb­nis­se dürf­ten der Ver­lags­bran­che ge­fal­len. Smart­pho­ne, Kopf­hö­rer und Co­mic – al­les gleich­zei­tig: Kin­der sei­en in der La­ge, mul­ti­me­di­al ver­schie­de­ne In­hal­te par­al­lel zu nut­zen, sag­te Gerd Brü­ne, Ver­lags­ge­schäfts­füh­rer bei Gru­ner+ Jahr und ei­ner der Auf­trag­ge­ber bei der Prä­sen­ta­ti­on der Stu­die am Di­ens­tag in Ber­lin. Bei den 13-Jäh­ri­gen et­wa sei­en Smart­pho­nes selbst­ver­ständ­lich. Je­des drit­te Kind (37 Pro­zent) im Al­ter von sechs bis neun Jah­ren be­sitzt ein Smart­pho­ne oder ein Han­dy, bei den Zehn- bis 13Jäh­ri­gen

sind es so­gar 84 Pro­zent.

Je­der drit­te Be­frag­te (29 Pro­zent) in die­ser Al­ters­grup­pe gab an, Face­book zu nut­zen. Auch Whatsapp und SMS spie­len in dem Al­ter ei­ne gro­ße Rol­le: 68 Pro­zent nut­zen ihr Han­dy re­gel­mä­ßig für Whatsapp, 61 Pro­zent schreiben SMS. Al­ler­dings steht bei der Kom­mu­ni­ka­ti­on das Te­le­fo­nie­ren mit mehr als 80 Pro­zent bei den Be­frag­ten zwi­schen sechs bis 13 Jah­ren an ers­ter Stel­le.

Doch was löst die Ver­net­zung bei den Kin­dern aus? Noch vor Kur­zem hat­te die

Dro­gen­be­auf­trag­te des Bun­des, Mar­le­ne Mort­ler (CSU), El­tern auf­ge­ru­fen, mehr auf die Me­di­en­nut­zung ih­rer Kin­der zu ach­ten. Durch täg­li­che Smart­pho­ne-Nut­zung setz­ten sich Kin­der ver­stärkt Ri­si­ken wie Kon­zen­tra­ti­ons­schwä­che, Sprach­stö­run­gen oder Hy­per­ak­ti­vi­tät aus. Mort­ler stütz­te sich auf ei­ne Stu­die, bei der mehr als 5500 Kin­der und El­tern zum The­ma be­fragt wor­den wa­ren. Kin­der soll­ten nicht vor dem zwölf­ten Geburtstag ein Smart­pho­ne be­kom­men.

Für die Un­ter­su­chung „Young Di­gi­tal Na­ti­ves“wur­den

rund 2000 Kin­der und Er­zie­hungs­be­rech­tig­te im Auf­trag der Ver­la­ge Blue Oce­an En­ter­tain­ment, Eg­mont Eha­pa, Gru­ner + Jahr, Pa­ni­ni, Spie­gel-Ver­lag und Zeit-Ver­lag be­fragt. Ob sich al­le Be­frag­ten auch so ver­hiel­ten, wie es die Ant­wor­ten sug­ge­rier­ten, ließ Brü­ne of­fen. Das wür­de das Aus­maß ei­ner sol­chen Un­ter­su­chung spren­gen.

Un­ter­sucht wur­de auch das Kon­sum­ver­hal­ten. Dem­nach er­hal­ten die Kin­der in Deutsch­land im Durch­schnitt meh­re­re Hun­dert Eu­ro Ta­schen­geld und Geld­ge­schen­ke im Jahr. Die zehn­bis 13-jäh­ri­gen Jun­gen kom­men auf et­wa 654 Eu­ro pro Jahr. Über­haupt krie­gen die Jun­gen im Schnitt mehr Geld als die Mäd­chen.

So be­kom­men Mäd­chen im Vor­schul­al­ter mo­nat­lich knapp 17 Eu­ro, bei Jun­gen sind es da­ge­gen 20 Eu­ro. Die­ser Un­ter­schied bleibt auch in der Al­ters­grup­pe von sechs bis 13 Jah­ren er­hal­ten: Mäd­chen be­kom­men dann pro Mo­nat im Schnitt 41 Eu­ro, Jun­gen hin­ge­gen fast 44 Eu­ro. Das Geld ge­ben die Kin­der vor al­lem für Kekse, Sü­ßig­kei­ten und Kau­gum­mi aus, aber auch für Zeit­schrif­ten, Co­mics und für Eis.

Fern­se­hen und di­gi­ta­le Ge­rä­te sind bei Kin­dern be­liebt – sie le­sen aber nach wie vor ger­ne in Bü­chern und Zei­tun­gen. Fo­tos: dpa

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