SPD hat Fra­gen zu Twes­ten

CDU nimmt Ab­ge­ord­ne­te auf – Par­tei­en im Wahl­kampf­mo­dus

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest -

Nach der Fest­le­gung auf vor­ge­zo­ge­ne Neu­wah­len am 15. Ok­to­ber be­fin­det sich Nie­der­sach­sen plötz­lich im hei­ßen Wahl­kampf. Der wird bis­her von den Themen Twes­ten und VW be­stimmt – und von or­ga­ni­sa­to­ri­schen Pro­ble­men.

Von Klaus Wie­sche­mey­er

Es ist ein sü­ßer Emp­fang für die Neue: Im Frak­ti­ons­saal der CDU er­war­ten El­ke Twes­ten an die­sem Di­ens­tag nicht nur 68 neue Par­tei­kol­le­gen und ein gro­ßer Pulk Jour­na­lis­ten – auf den Ti­schen sind Pra­li­nen dra­piert. Die ha­ben aber aus­nahms­wei­se mal nichts mit Twes­ten zu tun – der Ab­ge­ord­ne­te Uwe Schü­ne­mann hat Geburtstag. An­sons­ten geht es bei der Sit­zung auch um Pos­ten: Durch den Stim­men­zu­wachs be­kommt die CDU für die letz­ten neun Land­tags­wo­chen noch zu­sätz­li­che Aus­schuss­sit­ze. Auch für Twes­ten, die ih­ren grü­nen Land­tags­prä­si­di­ums­platz räu­men muss, da­für aber in die Aus­schüs­se für Wirtschaft, Um­welt und Hä­fen ein­rückt. „Ich ha­be die letz­ten Ta­ge in ent­spann­ter At­mo­sphä­re ver­bracht. Es war die rich­ti­ge Ent­schei­dung“, sagt Twes­ten noch zu Sit­zungs­be­ginn, dann wer­den die Jour­na­lis­ten aus dem Saal kom­pli­men­tiert. Es gibt viel zu tun.

Der Streit um die Hin­ter­grün­de des Wech­sels geht un­ter­des­sen mun­ter wei­ter: SPD und Grü­ne ver­mu­ten ein „un­mo­ra­li­sches An­ge­bot“der CDU hin­ter dem Über­tritt. Es ge­be ei­ne „gan­ze Rei­he von Fra­gen“, die nun dis­ku­tiert wer­den müss­ten, sagt Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil. Und wäh­rend sich im Land­tag die CDU-Ab­ge­ord­ne­ten fin­den, steht SPD-Ge­ne­ral­se­kre­tär Det­lef Tan­ke vor dem Ge­bäu­de und über­gibt Jour­na­lis­ten ei­nen of­fe­nen Brief an die CDU: Auf den zwei Sei­ten for­dert Tan­ke Ant­wor­ten ein, wann wer wo mit Twes­ten in Kon­takt ge­tre­ten sei und wel­che Per­spek­ti­ven der spä­te­ren Wechs­le­rin auf­ge­zeigt wor­den sei­en.

Ei­ne aus­führ­li­che Ant­wort dürf­te der SPD-Ge­ne­ral nicht be­kom­men „Herr Tan­ke soll Zei­tung le­sen“, sagt CDUFrak­ti­ons­chef Björn Thüm­ler. Dass Twes­ten seit Jah­ren bei den Grü­nen un­zu­frie­den war, sei lan­ge be­kannt ge­we­sen. Da­zu ha­be sie nicht nur Ge­sprä­che mit der CDU, son­dern auch mit SPD und Grü­nen ge­führt. Bei den Grü­nen er­zählt man sich, Twes­ten ha­be seit 2013 im­mer wie­der mit ei­nem Wech­sel ko­ket­tiert.

Der CDU-Spit­zen­kan­di­dat Bernd Al­t­hus­mann de­men­tiert, spricht von „bös­ar­ti­gen Un­ter­stel­lun­gen“und ruft

die Re­gie­rungs­par­tei­en auf, sich zu mä­ßi­gen. SPD und Grü­ne müss­ten zu Maß und Mit­te zu­rück­keh­ren. Das geht auch an Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil, der Al­t­hus­mann zu­vor für ei­ne Zu­spit­zung in der nie­der­säch­si­schen Lan­des­po­li­tik ver­ant­wort­lich ge­macht hat­te.

Die Lan­des­po­li­tik stellt un­ter­des­sen auf Wahl­kampf­mo­dus um: Bis­her wa­ren die Par­tei­stra­te­gen da­von aus­ge­gan­gen, dass die Aus­ein­an­der­set­zun­gen erst nach der Bun­des­tags­wahl hef­tig wer­den. Nun sorgt ne­ben Twes­ten die von VW re­di­gier­te Re­gie­rungs­er­klä­rung von Ste­phan Weil für hel­le Auf­re­gung. Neue Wen­de: CDU und FDP müs­sen ein­räu­men, be­reits 2016 von dem Fall ge­wusst und an­fangs kei­ne Ein­wän­de ge­habt zu ha­ben.

Auch or­ga­ni­sa­to­risch gibt es Pro­ble­me: Die SPD woll­te bei ei­nem Par­tei­tag im Ok­to­ber öf­fent­lich­keits­wirk­sam ih­re Lan­des­lis­te und ihr Wahl­pro­gramm be­stim­men, die CDU im No­vem­ber zu­sam­men mit Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel ihr Pro­gramm fest­zur­ren. Bei­de Par­tei­ta­ge müs­sen nun vor­ver­legt wer­den: Die SPD sucht für An­fang Sep­tem­ber ei­ne Hal­le in Hannover, die CDU will aus dem gro­ßen ei­nen vor­ge­zo­ge­nen klei­nen Par­tei­tag ma­chen. Ort und Zeit stan­den Di­ens­tag noch nicht fest.

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„Ich ha­be die letz­ten Ta­ge in ent­spann­ter At­mo­sphä­re ver­bracht.“El­ke Twes­ten beim ers­ten Auf­tritt als CDU-Mit­glied

Will­kom­men bei der Uni­on: El­ke Twes­ten (links) wird im Sit­zungs­raum der CDU-Frak­ti­on von ih­rer neu­en Kol­le­gin Hei­de­ma­rie Mund­los be­grüßt. Der Wech­sel, der den Sturz der Re­gie­rung Weil aus­lös­te, er­regt wei­ter die Lan­des­po­li­tik. Fo­to: dpa

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