Der Hö­hen­jä­ger stürzt gna­den­los ab

Holz­dep­pes De­ba­kel – Auch Speer­wer­fe­rin Mo­li­tor ver­sagt in Lon­don

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport - (Frank­reich) 1:44,67 Min. (Po­len) 1:44,95 (Ke­nia) 1:45,21 (Ke­nia) 8:14,12 Mi­nu­ten (Ma­rok­ko) 8:14,49 (USA) 8:15,53

Zwei Welt­meis­ter, zwei rie­si­ge Ent­täu­schun­gen. So­wohl der St­ab­hoch­sprung­cham­pi­on von 2013, Ra­pha­el Holz­dep­pe, der mit drei Fehl­ver­su­chen ging, als auch Speer­wer­fe­rin Kat­ha­ri­na Mo­li­tor als Ti­tel­ver­tei­di­ge­rin ver­sag­ten bei der Leicht­ath­le­tik-Welt­meis­ter­schaft in Lon­don auf der gan­zen Li­nie.

Von Micha­el Jo­nas

LON­DON. Das war nicht ihr Abend. Nach ih­rer Sai­son­best­leis­tung von 65,37 Me­ter in der Qua­li­fi­ka­ti­on galt die Le­ver­ku­se­ne­rin Mo­li­tor als Me­dail­len­an­wär­te­rin. Im Fi­na­le war ihr Speer meist auf Sturz­flug. 63,75 Me­ter war ih­re bes­te Wei­te, fünf­mal blieb sie un­ter der 60-Me­ter-Mar­ke. Platz sie­ben war der bit­te­re Ab­schluss ei­nes Wett­be­werbs, den sie am liebst ver­ges­sen wür­de. Das hat­te sich die 33-jäh­ri­ge Ti­tel­ver­tei­di­ge­rin an­ders vor­stellt.

Die Form­schwä­che vor der WM schien am Sonn­tag ver­ges­sen. „Wir ha­ben die Trai­nings­plä­ne et­was ge­än­dert, ich ha­be ge­hofft, dass ich so weit wer­fen kann, aber das fühlt sich ein­fach nur wun­der­bar an“, sag­te Mo­li­tor nach der über­ra­gen­den Qua­li.

Am Di­ens­tag­abend zeig­te die gro­ße, al­te Da­me des Speer­wurfs, wie es geht. Die Tsche­chin Bar­bo­ra Spo­ta­ko­va ge­wann mit 66,76 Me­tern. „Dan­ke für die Un­ter­stüt­zung. Es war fan­tas­tisch. Dar­an wer­de ich mich mein gan­ze Le­ben lang er­in­nern“, strahl­te die 36 Jah­re al­te Dop­pel­olym­pia­sie­ge­rin und Welt­re­kord­le­rin (72,28). Zwei­te wur­de die Chi­ne­sin Ling­wei Li (66,25) vor ih­rer Lands­frau Hui­hui Lyu (65,26). Rio-Olym­pia­sie­ge­rin Sa­ra Kolak (Kroa­ti­en) kam nur auf Rang vier (64,95).

„Bei den letz­ten drei Ver­su­chen war der Schwung raus, Ein­deu­tig frus­triert: da kam nichts mehr. Ir­gend­wie ist das ge­nau falsch her­um ge­lau­fen – 63 Me­ter in der Qua­li­fi­ka­ti­on und 65 Me­ter heu­te im Fi­na­le wä­ren mir lie­ber ge­we­sen“, sag­te Mo­li­tor in den Ka­ta­kom­ben des Olym­pia­sta­di­ons. „Aber ich bin jetzt we­der glück­lich noch un­glück­lich und ei­gent­lich ganz zu­frie­den.“

Bei der WM 2015 war sie mit ih­rer nach wie vor ak­tu­el­len per­sön­li­chen Best­leis­tung von 67,69 m Welt­meis­te­rin ge­wor­den. In Rio durf­te sie nicht star­ten. Die in­zwi­schen zu­rück­ge­tre­te­ne Chris­ti­na Obergföll hat­te den Vor­zug er­hal­ten. Mo­li­tor ver­such­te ihr Start­recht mit ei­ner einst­wei­li­gen Ver­fü­gung durch­zu­set­zen, schei­ter­te aber. Freun­de hat­te sie sich da­mit nicht ge­macht. Und Freu­de hat sich am Di­ens­tag­abend schon gar nicht ver­brei­tet.

Holz­dep­pe, ei­ne der we­ni­gen deut­schen Me­dail­len­hoff­nun­gen, war to­tal eu­pho­ri­siert in den Wett­kampf ge­gan­gen. „Ei­nen guten Wett­kampf in Lon­don zu ma­chen, reicht mir nicht. Ich will ei­ne Me­dail­le“, hat­te er selbstbewusst an­ge­kün­digt. Aber schon in der Qua­li­fi­ka­ti­on war der 27-jäh­ri­ge ge­bür­ti­ge Kai­sers­lau­te­rer schwer in die Gän­ge ge­kom­men. Für 5,70 Me­ter brauch­te er ei­nen drit­ten Ver­such, um den End­kampf zu er­rei­chen. Das war nichts für schwa­che Ner­ven. Im Fi­na­le ver­lor er dann selbst den Fa­den. Nach drei We­der glück­lich Fehl­ver­su­chen über 5,50 Me­ter ver­ließ er mit ge­senk­tem Kopf das Sta­di­on. „Ich hat­te mich bes­ser ge­fühlt, als in der Qua­li­fi­ka­ti­on. Jetzt müs­sen wir erst ein­mal al­les ana­ly­sie­ren. Ich wer­de jetzt ei­ne Pause ma­chen“, kün­dig­te Holz­dep­pe nach dem De­ba­kel an.

St­ab­hoch­sprung zählt zu den ner­ven­auf­rei­bends­ten Dis­zi­pli­nen. Kei­ne an­de­re ist tech­nisch so an­spruchs­voll, kei­ne an­de­re wird so sehr be­ein­flusst von so vie­len ex­ter­nen Fak­to­ren wie dem Wet­ter, dem Un­ter­grund oder der Ab­sprung­ram­pe. Das al­les aber hät­te am Abend kein Hin­der­nis dar­stel­len dür­fen für Holz­dep­pe, der ei­gent­lich als kal­ter Hund gilt. Das sind Ath­le­ten, die be­son­ders ner­ven­stark sind. Dies­mal war er eher ein Angst­ha­se. Viel zu zag­haft nahm er die Hö­hen in An­griff – und stürz­te ab. „Ich ha­be gu­te Sprün­ge ge­zeigt. Im Fi­na­le ist al­les mög­lich“, hat­te der Hö­hen­jä­ger ge­sagt. Jetzt fiel er aus al­len Wol­ken.

Bei 5,94 Me­tern steht sei­ne Best­leis­tung. Die­se stammt aus dem Jahr 2015; vor Olym­pia ver­letz­te sich Holz­dep­pe am Sprung­ge­lenk und wur­de nicht mehr rich­tig fit.

In Lon­don reich­te es für den Fran­zo­sen Ren­aud La­vil­le­nie er­neut nur zu Bron­ze. Noch nie konn­te er WM-Gold gewinnen. Dies­mal si­cher­te es sich der 24-jäh­ri­ge Ame­ri­ka­ner Sam Kend­ricks mit 5,95 m. Holz­dep­pe konn­te da nur noch zu­schau­en. 800 m, Män­ner 1. Pier­re-Am­broi­se Bos­se

2. Adam Ksz­cz­ot 3. Ki­py­e­gon Bett 3000 m Hin­der­nis, Män­ner 1. Con­ses­lus Ki­p­ru­to

2. Sou­fia­ne El­bak­ka­li 3. Evan Ja­ger

noch un­glück­lich: Kat­ha­ri­na Mo­li­tor. Fo­to: dpa

Ra­pha­el Holz­dep­pe. Fo­to: AFP

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