Leh­rer­puz­zle sorgt für Cha­os an Schu­len

Schul­lei­ter sind ver­är­gert über Ab­ord­nun­gen und sam­meln sich zum Wi­der­stand

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück - Noz.de/bil­dung

Es bro­delt in den Schu­len. Um den Lehrer­man­gel an Grund-, Haupt-, Re­al- und Ober­schu­len zu lin­dern, sol­len die Gym­na­si­en Lehr­kräf­te ab­ge­ben. Die ent­spre­chen­de Ab­ord­nungs­an­ord­nung hat die Schul­lei­ter am Frei­tag, al­so am zwei­ten Schul­tag, er­reicht. Ei­ne Fol­ge: Die St­un­den­plä­ne sind Ma­ku­la­tur.

Von Diet­mar Kröger

Die Lei­ter der Gym­na­si­en in Stadt und Land­kreis Os­na­brück wer­den sich am Mitt­woch im Rats­gym­na­si­um tref­fen, um die Si­tua­ti­on zu be­spre­chen. Wenn­gleich sich si­cher­lich auch über die Un­ter­richts­ver­sor­gung an Gym­na­si­en schon treff­lich strei­ten lie­ße, stellt sich die Si­tua­ti­on an den an­de­ren Schul­for­men zum Teil noch er­heb­lich schlech­ter dar. Des­halb sol­len die Gym­na­si­en bis zum 17. August laut Wei­sung klä­ren, mit wel­chen Leh­rern sie die von der Lan­des­schul­be­hör­de er­rech­ne­ten ab­zu­ord­nen­den St­un­den er­fül­len wol­len. Das Da­tum ist nicht zu­fäl­lig ge­wählt. Der 17. August ist der Stich­tag für die Be­rech­nung der Un­ter­richts­ver­sor­gung in den ein­zel­nen Schu­len.

Die jetzt pu­blik ge­wor­de­ne Ab­ord­nungs­wel­le führt laut Schul­lei­tern so­wohl an den ab­ge­ben­den als auch an den an­neh­men­den Schu­len zu ei­nem er­heb­li­chen Ar­beits­auf­wand. Denn die St­un­den­pla­ner müs­sen den Weg­fall oder Zu­ge­winn ein­bau­en.

Die Schul­lei­tun­gen fra­gen sich, war­um denn der Be­darf erst nach den Fe­ri­en be­kannt ge­wor­den ist. Das ist um­so er­staun­li­cher, als da al­le Lei­ter von Grund-, Haupt-, Rea­lo­der Ober­schu­len ih­re Be­dar­fe vor Be­ginn der Som­mer­fe­ri­en an­ge­mel­det hat­ten. Man ha­be die Be­dar­fe in den vier Re­gio­nal­ab­tei­lun­gen der Lan­des­schul­be­hör­de nicht eher er­mit­teln kön­nen, so ei­ne Spre­che­rin der Be­hör­de. Die Gym­na­si­en hät­ten mit mög­lichst ge­nau­en Zah­len ver­sorgt wer­den sol­len.

Wert­schät­zung?

Die aber hät­ten erst sehr spät fest­ge­stan­den. In die­sem Jahr ge­be es ei­nen be­son­ders gro­ßen Man­gel an Lehr­kräf­ten in den be­trof­fe­nen Schu­len. „Die Schu­len müss­ten jetzt aber al­le Be­scheid wis­sen“, so die Spre­che­rin wei­ter. Al­ler­dings kön­ne es noch zu klei­ne­ren Ab­wei­chun­gen kom­men, da der­zeit un­ter an­de­rem auch noch Ein­stel­lungs­ver­fah­ren lie­fen. Wel­che kon­kre­ten an vie­len nie­der­säch­si­schen Schu­len sind seit Frei­tag Ma­ku­la­tur.

Zah­len zu wel­chem Zeit­punkt vor­la­gen, war von der Lan­des­schul­be­hör­de nicht zu er­fah­ren.

„Das sagt auch et­was über die Wert­schät­zung un­se­rer Ar­beit aus“, sagt der Lei­ter des Gym­na­si­ums Oe­se­de, Ul­rich Schim­ke. Er und sei­ne Kol­le­gen müss­ten jetzt für die „Pla­nungs­in­kom­pe­tenz“in der Lan­des­schul­be­hör­de und im Kul­tus­mi­nis­te­ri­um ge­ra­de­ste­hen. Wo­bei Schim­ke wie auch sei­ne Kol­le­gen kei­nen Zwei­fel dar­an auf­kom­men las­sen, dass sie be­reit sind zu hel­fen, wo es

geht. Al­ler­dings stel­len sie auch die Fra­ge nach der Sinn­haf­tig­keit der Ab­ord­nungs­ver­fü­gung und de­ren Hin­ter­ge­dan­ken. Schim­ke weist dar­auf hin, dass die Ab­ord­nun­gen nur für ein hal­bes Jahr aus­ge­spro­chen wer­den sol­len. „Ei­ne Ab­ord­nung von ei­nem hal­ben Jahr kann der Schul­lei­ter aus­spre­chen. Die Be­tei­li­gung des Per­so­nal­ra­tes ist in die­sem Fall nicht not­wen­dig“, so Schim­ke. Päd­ago­gisch hin­ge­gen ma­che die Über­nah­me ei­ner Lern­grup­pe für ein hal­bes Jahr mit ei­nem wei­te­ren Leh­rer­wech­sel

da­nach aber kei­nen Sinn. Mit der halb­jäh­ri­gen Ab­ord­nung geht al­so zum Halb­jahr im Fe­bru­ar wie­der das gro­ße Wür­feln los. Denn al­le Leh­rer, die zu ih­rer Schu­le zu­rück­wol­len, ha­ben dann das gu­te Recht da­zu. Neue Kräf­te für die Ab­ord­nung müs­sen ge­fun­den wer­den.

Pas­sen die Fä­cher?

Lothar Weh­leit und Ute Ha­ehnel wer­den sich in den kom­men­den Ta­gen wahr­schein­lich auch noch ein biss­chen nä­her ken­nen­ler­nen. Die Lei­te­rin der Jo­han­nes-Vincke-Ober­schu­le in Belm be­kommt näm­lich von ih­rem Kol­le­gen des Rats­gym­na­si­ums Ver­stär­kung über­wie­sen. Dann wird es auch dar­um ge­hen, in wel­chen Fä­chern die Gym­na­si­al­leh­rer denn in Belm un­ter­rich­ten sol­len. Ei­nes al­ler­dings steht da­bei heu­te schon fest: Die Fä­cher Haus­wirt­schaft und Tex­ti­les Gestal­ten wer­den nicht da­bei sein, die gibt es an Gym­na­si­en näm­lich nicht. Dumm nur, das Ute Ha­ehnel ge­nau hier Be­darf hat. „Si­cher hel­fen uns die Ab­ord­nun­gen“, sagt Ha­ehnel. Al­ler­dings sieht auch sie das Pro­blem, die neu­en Lehr­kräf­te in den St­un­den­plan ein­zu­ar­bei­ten.

Sinn und Zweck der Leh­rer­ver­schi­ckung ist ei­ne mög­lichst ho­he Un­ter­richts­ver­sor­gung. Die­se in Pro­zent an­ge­ge­be­ne Zahl liegt an man­chen Gym­na­si­en bei 104 bei man­chen Grund­schu­len durch­aus auch schon mal bei 80 oder 90 Pro­zent. Al­ler­dings sind in die­se Zahl nicht ein­ge­rech­net Krank­heits­fäl­le, Er­zie­hungs­zei­ten oder auch feh­len­de St­un­den in ein­zel­nen Fä­chern, wenn die­se Fehl­zah­len durch Über­hän­ge in an­de­ren Fä­chern aus­ge­gli­chen wer­den. So kann es al­so sein, dass an ei­ner Schu­le mit ei­ner 100-pro­zen­ti­gen Un­ter­richts­ver­sor­gung gleich­wohl in ei­nem Fach der Un­ter­richt nicht er­teilt wer­den kann, weil es in eben­die­sem Fach nicht ge­nü­gend Lehr­kräf­te gibt.

Es kneift übe­r­all

So kämpft zum Bei­spiel der Schul­lei­ter des Ernst-Mo­ritz-Arndt-Gym­na­si­ums um die Aus­brin­gung des Pflicht­un­ter­richts. Ka­tho­li­sche Re­li­gi­on und Sport sind im Mo­ment Man­gel­wa­re am EMA. „Wir ha­ben ei­ne Ab­ord­nung für Sport vom Rats­gym­na­si­um be­kom­men“, so Schul­lei­ter Hart­mut Bruns. Und für den ka­tho­li­schen Re­li­gi­ons­un­ter­richt woll­te ei­gent­lich das Bis­tum je­man­den zum EMA schi­cken. Der Kan­di­dat ist aber un­be­fris­tet krank­ge­schrie­ben. Es kneift al­so wei­ter in Bruns’ St­un­den­plan.

Des­we­gen hat­te er ja oh­ne­hin schon 20 Ab­ord­nungs­stun­den zu­ge­spro­chen be­kom­men. Am Frei­tag nun er­eil­te ihn die Nach­richt, dass sei­ne Schu­le 35 St­un­den an die Fe­lix-Nuss­baum-Haupt­schu­le ab­ge­ben soll. „Ich se­he mich der­zeit nicht in der La­ge, die­se un­sin­ni­ge An­ord­nung um­zu­set­zen“, sagt Bruns. Es sei nicht mehr si­cher­ge­stellt, dass er so noch den Pflicht­un­ter­richt aus­brin­gen kön­ne. Bruns wei­ter: „Wir sol­len die Qua­li­tät un­se­rer Schu­le fes­ti­gen und wei­ter aus­bau­en.“Er fra­ge sich nun, wie das noch ge­hen sol­le. Das EMA sei Ganz­tags­schu­le, un­ter­lie­ge da­mit noch ein­mal im Er­lass fest­ge­hal­te­nen er­wei­ter­ten An­for­de­run­gen. So müs­sen zum Bei­spiel 60 Pro­zent der Ar­beits­ge­mein­schaf­ten von Leh­rern ge­lei­tet wer­den. Nur 40 Pro­zent dür­fen von au­ßer­schu­li­schen Kräf­ten über­nom­men wer­den. Bruns fragt sich, an wel­cher Stel­le er was strei­chen soll, oh­ne ge­gen ei­nen Er­lass zu ver­sto­ßen.

Schu­le und Bil­dung:

Die St­un­den­plä­ne Fo­to: Micha­el Grün­del

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