Streit um Straf­hö­he sorgt im Ge­richts­saal fast für ei­nen Eklat

Ver­tei­di­ger wirft Staats­an­walt­schaft ras­sis­ti­sche Mo­ti­ve vor, ent­schul­digt sich aber so­fort

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Ein Jahr und sechs Mo­na­te Frei­heits­ent­zug auf Be­wäh­rung – so lau­tet die Stra­fe für ei­nen 30-jäh­ri­gen Rausch­gift­händ­ler, der sich jetzt vor dem Amts­ge­richt Os­na­brück ver­ant­wor­ten muss­te. Da­bei kam es im Ge­richts­saal fast zum Eklat.

Es war be­reits das zwei­te Mal, dass in die­sem Fall Recht ge­spro­chen wur­de. Ein ers­tes Ur­teil hat­te das Ober­lan­des­ge­richt Ol­den­burg auf An­trag der Ver­tei­di­gung teil­wei­se auf­ge­ho­ben. Im Fe­bru­ar war der An­ge­klag­te vom Amts­ge­richt zu ei­ner Frei­heits­stra­fe von zwei Jah­ren und drei Mo­na­ten ver­ur­teilt wor­den. Da­mit wähl­te das Amts­ge­richt ei­ne Straf­hö­he, die kei­ne Be­wäh­rungs­chan­ce mehr zu­ließ. Grund­la­ge für das von der Ver­tei­di­gung als deut­lich zu hart emp­fun­de­ne Ur­teils war ei­ne Ver­ur­tei­lung we­gen ge­werbs­mä­ßi­gen Han­del­trei­bens mit Be­täu­bungs­mit­teln in nicht ge­rin­ger Men­ge.

Das woll­te das Ober­lan­des­ge­richt Ol­den­burg so nicht ste­hen las­sen und be­män­gel­te an dem Ur­teil vor al­lem ei­ne feh­ler­haf­te Wür­di­gung und Ab­wä­gung der ver­schie­de­nen Punk­te, die für und ge­gen den An­ge­klag­ten spre­chen.

Die Schuld­fra­ge stand bei der neu­er­li­chen Ver­hand­lung vor dem Amts­ge­richt nun nicht mehr zur De­bat­te – be­reits in der ers­ten Ver­hand­lung hat­te der Be­schul­dig­te den Han­del mit Ko­ka­in zu­ge­ge­ben. Er ha­be mit den Ein­künf­ten sei­ne Fa­mi­lie in Gui­nea un­ter­stüt­zen wol­len, hat­te er da­mals an­ge­ge­ben. Bei ei­ner Durch­su­chung sei­ner Woh­nung fand die Po­li­zei 79 Gramm Ko­ka­in, et­was Ma­ri­hua­na und gut 14 000 Eu­ro in bar.

Das Geld stamm­te al­ler­dings nur zum Teil aus dem Rausch­gift­han­del, gab der An­ge­klag­te da­mals zu Pro­to­koll. Den größ­ten Teil ha­be er von sei­ner Ver­wandt­schaft be­kom­men, um da­von Au­tos zu kau­fen und die­se nach Afri­ka zu ver­schi­cken.

Im Ge­gen­satz zur ers­ten Ver­hand­lung konn­te die Ver­tei­di­gung nun so­gar Be­le­ge für den Au­to­ex­port vor­le­gen. Die­se sei­en in der Woh­nung ge­we­sen, von der Po­li­zei bei der Durch­su­chung aber nicht mit­ge­nom­men wor­den, wie der Ver­tei­di­ger be­män­gel­te.

Ein Jahr Frei­heits­stra­fe auf Be­wäh­rung lau­te­te schließ­lich der Straf­an­trag der Ver­tei­di­gung, die le­dig­lich ei­nen min­der­schwe­ren Fall des Dro­gen­han­dels er­füllt sah. Sein Man­dant sei ge­stän­dig, nicht vor­be­straft und ha­be be­reits fast sie­ben Mo­na­te in Un­ter­su­chungs­haft ge­ses­sen, führ­te der Ver­tei­di­ger aus. Zu­dem ent­spre­che die ge­fun­de­ne Men­ge Rausch­gift le­dig­lich dem Acht­fa­chen des­sen, was der Ge­setz­ge­ber als „ge­rin­ge Men­ge“an­sieht. Des Wei­te­ren ha­be sein Man­dant be­reits im ers­ten Pro­zess auf die Rück­ga­be der bei ihm ge­fun­de­nen 14 000 Eu­ro ver­zich­tet, ob­wohl die­se doch zu­min­dest teil­wei­se gar nichts mit den Dro­gen­ge­schäf­ten zu tun ge­habt hät­ten. Dies al­les sprach aus Sicht des Rechts­an­walts für ei­ne mil­de Stra­fe.

Ganz an­ders sah das die Staats­an­walt­schaft, die in ih­rem Plä­doy­er wei­ter­hin ei­ne Frei­heits­stra­fe von min­des­tens zwei Jah­ren for­der­te, was ei­ne Be­wäh­rung aus­ge­schlos­sen hät­te.

Die­ser Straf­an­trag sorg­te beim Ver­tei­di­ger für Fas­sungs­lo­sig­keit und Ver­är­ge­rung. In ver­gleich­ba­ren Fäl­len sei zu­letzt stets auf min­der­schwe­re Fäl­le plä­diert wor­den, er­ei­fer­te er sich und warf der Po­li­zei und der Staats­an­walt­schaft gar ras­sis­ti­sche Mo­ti­ve vor, sei­nen Man­dan­ten be­son­ders hart an­zu­pa­cken. Für die­se Ent­glei­sung bat er je­doch so­fort um Ver­zei­hung. Er sei hier über das Ziel hin­aus­ge­schos­sen, räum­te er ein.

Nach­dem sich die Wo­gen ge­glät­tet hat­ten, ver­kün­de­te das Ge­richt sein Ur­teil. Ein Jahr und sechs Mo­na­te Frei­heits­ent­zug, für drei Jah­re zur Be­wäh­rung aus­ge­setzt, lau­tet nun die Ent­schei­dung. Grund­la­ge der deut­lich nied­ri­ge­ren Stra­fe war ei­ne Neu­be­wer­tung als „min­der­schwe­rer Fall“. Das Ge­richt wer­te­te den Ver­zicht des An­ge­klag­ten auf das si­cher­ge­stell­te Geld und sei­ne bis­lang ta­del­lo­se Le­bens­füh­rung als straf­mil­dernd. Auch ha­be die Un­ter­su­chungs­haft si­cher ei­nen war­nen­den Ef­fekt ge­habt. Eben­falls po­si­tiv wur­de be­wer­tet, sich der 30-Jäh­ri­ge so­fort nach sei­ner Ent­las­sung aus der Un­ter­su­chungs­haft selbst­stän­dig ei­ne Ar­beit bei ei­ner Zeit­ar­beits­fir­ma ge­sucht ha­be.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.