Aus At­ter in die Bun­des­po­li­tik

SPD-Kan­di­da­tin Ant­je Schul­te-Sch­oh will sich in Ber­lin für ein bes­se­res Pfle­ge­ge­setz ein­set­zen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Politik kann et­was be­we­gen – das ist die Lek­ti­on, die Ant­je Schul­te-Sch­oh ge­lernt hat. Zum ers­ten Mal, als sie sich für ei­nen Hort in At­ter en­ga­gier­te, und dann im­mer wie­der. Jetzt will die 53-jäh­ri­ge Al­ten­pfle­ge­rin in die gro­ße Politik. Als SPD-Kan­di­da­tin tritt sie bei der Bun­des­tags­wahl an.

Von Rai­ner Lah­mann-Lam­mert

„Zu mir nach Hau­se?“Die SPD-Frau ist em­pört: „Was mei­nen Sie, wie es hier aussieht? Ich ar­bei­te Voll­zeit und ha­be kei­ne Putz­frau!“Ein paar Ta­ge spä­ter hat sie es sich an­ders über­legt. „Wir ha­ben ja nichts zu ver­ber­gen“, be­kun­det sie fröh­lich, als sie das Re­dak­ti­ons­team in der tipp­topp auf­ge­räum­ten Woh­nung emp­fängt.

Im­mer­grü­ner Gar­ten

Da­für er­weckt der Gar­ten um das 50er-Jah­re-Haus den An­schein, als sei der Kampf ge­gen den Giersch für im­mer ver­lo­ren. „Ich sa­ge, das ist Im­mer­grün“, trös­tet sich die Kan­di­da­tin und ge­steht, sie hät­te lie­ber ei­nen Gärt­ner als Mit Politik im Klei­nen hat­te sie schon Er­folgs­er­leb­nis­se. Jetzt will Ant­je Schul­te-Sch­oh in den Bun­des­tag.

ei­ne Putz­frau. Ant­je Schul­teSch­oh und ihr Mann Harald le­ben mit ih­rer Ber­ner-Sen­nen-Gol­den-Re­trie­ver-Mi­schung Lot­te in der Stro­theSied­lung in At­ter, die 20-jäh­ri­ge Toch­ter ist schon aus­ge­zo­gen. Im Ober­ge­schoss wohnt ei­ne Flücht­lings­fa­mi­lie aus So­ma­lia.

At­ter ist für die ge­bo­re­ne Det­mol­de­rin das Bio­top, in dem sie Wur­zeln ge­schla­gen hat. Als die klei­ne Fa­mi­lie 1999 ein Haus such­te, wur­de sie dort fün­dig, oh­ne lan­ge zu su­chen. Dass die da­ma­li­ge Grund­schul­lei­te­rin ei­nen

Hort für über­flüs­sig hielt, mach­te die Neu-At­te­ra­ne­rin Ant­je Schul­te-Sch­oh zur Kämp­fe­rin. Sie fand in Orts­bür­ger­meis­te­rin An­ne Fit­schen ei­ne Bünd­nis­part­ne­rin und hat­te Er­folg: Recht­zei­tig zur Ein­schu­lung ih­rer Toch­ter nahm der Hort sei­ne Ar­beit auf.

Pfle­ge-Not­stand

Et­was spä­ter, als der Bü­cher­bus ka­putt­ge­spart zu wer­den droh­te, leg­te sich die en­ga­gier­te Mut­ter aber­mals ins Zeug. Und der Bü­cher­bus blieb. Ant­je Schul­te-Sch­oh

trat der SPD bei – ei­ne Ent­schei­dung, die ihr in der Fa­mi­lie aus dem „ro­ten Det­mold“vi­el­leicht schon in die Wie­ge ge­legt wur­de, wie sie be­merkt. Seit zwei Jah­ren ist sie Un­ter­be­zirks­vor­sit­zen­de in Os­na­brück.

Als Lei­te­rin ei­ner Se­nio­ren­wohn­an­la­ge lie­gen ihr die so­zia­len Themen am Her­zen, schon al­lein, weil sie je­den Tag mit den Un­zu­läng­lich­kei­ten des Pfle­ge­sys­tems in Be­rüh­rung kommt. „Für Pfle­gen­de und Pfle­ge­be­dürf­ti­ge wird zu we­nig ge­tan“, sagt Ant­je Schul­te-Sch­oh, da­zu

kom­me noch der Fach­kräf­te­man­gel. Falls sie den Sprung in den Bun­des­tag schafft, will sie sich mit ih­ren Er­fah­run­gen für ein bes­se­res Pfle­ge­stär­kungs­ge­setz ein­set­zen.

Mit Platz 26 auf der Lan­des­lis­te sind ih­re Chan­cen auf ein Man­dat al­ler­dings nicht ge­ra­de ver­hei­ßungs­voll. Ent­we­der müss­te sie ih­rem CDU-Mit­be­wer­ber Ma­thi­as Mid­del­berg das Di­rekt­man­dat im Wahl­kreis 39 ab­ja­gen, oder die SPD müss­te lan­des­weit ein bes­se­res Er­geb­nis ein­fah­ren als vor vier Jah­ren. Doch da­von lässt sich Ant­je Schul­te-Sch­oh nicht Ban­ge ma­chen. Sie hat schon öf­ter er­lebt, dass En­ga­ge­ment Wun­der be­wir­ken kann und dass sich manch­mal auch das not­wen­di­ge Quänt­chen Glück da­zu­ge­sellt.

Neu­er Job für den Mann

Da­zu ge­hört die Er­fah­rung, dass sich selbst in schwie­ri­gen Zei­ten ge­le­gent­lich ein Weg fin­det, wenn der gu­te Wil­le da ist. Die SPD-Po­li­ti­ke­rin hat auch pri­vat schon ei­ni­ges ein­ste­cken müs­sen: „Mein Mann war fast an­dert­halb Jah­re ar­beits­los“, er­zählt sie, und be­schreibt, was das für ihn be­deu­tet hat: „Wenn man über 50 ist, kann man Be­wer­bun­gen schreiben, so viel man will, aber man wird nicht mal zum Vor­stel­lungs­ge­spräch ein­ge­la­den.“Harald Schul­teSch­oh hat­te sei­ne si­cher ge­glaub­te An­stel­lung als Tech­ni­ker bei der Te­le­kom ver­lo­ren, als die Ab­tei­lung von ei­nem pri­va­ten In­ves­tor über­nom­men wur­de.

Für die Fa­mi­lie aus At­ter wur­de es eng, schließ­lich muss­te das Häu­schen ab­be­zahlt wer­den. Ehe­frau Ant­je, die bis zu dem Zeit­punkt 30 St­un­den ge­ar­bei­tet hat­te, stock­te auf 40 St­un­den auf. Und schließ­lich konn­te sie ih­rem Mann durch ih­re Kon­tak­te zu ei­nem neu­en Job ver­hel­fen – als Ret­tungs­sa­ni­tä­ter bei den Jo­han­ni­tern. Bei ih­ren 40 St­un­den ist sie ge­blie­ben.

Mor­gen le­sen Sie an die­ser Stel­le das Kan­di­da­ten­por­trät von Gün­ther Wes­ter­mann (Die Grü­nen)

Fo­to: David Ebe­ner

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.