Wie klingt der Mit­tel­land­ka­nal?

Da­ni­el Ott hat den Nie­der­säch­si­schen Mu­sik­ta­gen 2017 ein Stück für acht Blä­ser­grup­pen kom­po­niert

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional - Von Ralf Dö­ring Nie­der­säch­si­sche Mu­sik­ta­ge:

Am ers­ten Sep­tem­ber­wo­chen­en­de star­ten die Nie­der­säch­si­schen Mu­sik­ta­ge in und um Os­na­brück. Ein zen­tra­ler Baustein ist die Land­schafts­mu­sik „Mit­tel­land ist ab­ge­brannt“von Da­ni­el Ott.

Es war ein Wink aus der Rea­li­tät, hin­ein in die Kunst­welt des Mu­se­ums­parks Va­rus­schlacht. Über die­ses Ge­län­de soll­te Kom­po­nist Da­ni­el Ott ein Stück für die Er­öff­nung der Nie­der­säch­si­schen Mu­sik­ta­ge schreiben. Al­so fuhr er aus Ber­lin nach Kal­k­rie­se, nahm die Land­schaft in Au­gen­schein. Da­bei muss der Blick wohl von Os­ten nach Nor­den oder um­ge­kehrt ge­schweift sein. Auf je­den Fall sah Ott et­was, das ihn, den er­fah­re­nen Thea­ter­mann, an ei­nen Büh­nen­pro­spekt er­in­nert hat. Doch in Wirk­lich­keit sah er kei­ne Thea­ter­ku­lis­se, son­dern ein Schiff, das den Mit­tel­land­ka­nal lang fuhr. Aber für ihn war klar: „Das will ich be­spie­len.“Und er hat sich durch­ge­setzt: Die Idee vom Pro­jekt „Mit­tel­land ist ab­ge­brannt – Ei­ne Ost-West-Passage“war ge­bo­ren.

Die­ses Jahr er­öff­nen die Nie­der­säch­si­schen Mu­sik­ta­ge in Os­na­brück. Los geht es am Sams­tag im Fe­lix-Nuss­baum-Haus mit dem Sa­xo­fon­quar­tett Clair-Ob­scur, be­vor im Dom das Chor­werk Ruhr, das Os­na­brü­cker Sym­pho­nie­or­ches­ter und der Pia­nist Se­bas­ti­an Breu­ing un­ter dem Di­ri­gen­ten Paul Hil­lier

Mu­sik aus Re­nais­sance und Ba­rock mit zeit­ge­nös­si­scher Mu­sik kom­bi­nie­ren. Nach ei­nem Got­tes­dienst am Sonn­tag­mor­gen in St. Kat­ha­ri­nen geht es dann zum Mit­tel­land­ka­nal. Ein Kon­zert in Mel­le mit Jörg Wid­mann und Mu­si­kern der Jun­gen Deut­schen Phil­har­mo­nie be­schließt dann das Er­öff­nungs­wo­chen­en­de.

Otts Kom­po­si­ti­on sticht da­bei her­aus: weil es von acht Blä­ser­grup­pen aus Ber­sen­brück, Mel­le und Os­na­brück auf­ge­führt wird. Und weil es am Ufer des Mit­tel­land­ka­nals er­klin­gen wird, un­ter frei­em Him­mel al­so. „Ich ha­be in letz­ter Zeit viel Land­schafts­mu­sik kom­po­niert“, sagt Ott – des­halb sind die Nie­der­säch­si­schen Mu­sik­ta­ge of­fen­bar an ihn her­an­ge­tre­ten.

Jetzt sitzt Ott in ei­nem Zim­mer in der Mu­sik- und Kunst­schu­le an ei­nem der bei­den St­ein­way-Flü­gel und kom­po­niert. We­sent­li­che Tei­le sei­ner „Mit­tel­land“-Mu­sik sind aber längst fer­tig; seit Mit­te Ju­ni pro­ben die Blä­ser. Um die En­sem­bles auf­zu­su­chen, ist er jetzt in Os­na­brück. Neue Mu­sik und Lai­en­mu­si­ker, kann das funk­tio­nie­ren? „Drei Grup­pen ha­be ich jetzt be­sucht“, sagt Ott, „und da ha­be ich po­si­ti­ve Er­fah­run­gen ge­macht“, sagt er. „Die Leu­te sind neugierig, wol­len al­les sehr ge­nau wis­sen.“Gut mög­lich, dass der Schwei­zer Ak­zent des ge­bür­ti­gen Ba­se­lers die nord­deut­schen Mu­si­ke­rin­nen und Mu­si­ker ein­nimmt. Es könn­te aber auch die ru­hi­ge, freund­li­che Art sein, mit der er spricht: Da schwingt im­mer ein Lä­cheln mit.

Kei­nes­wegs zu­fäl­lig er­in­nert die Zei­le „Mit­tel­land ist ab­ge­brannt“an das „Mai­kä­fer, flieg“-Lied: Dort heißt es, „Pom­mer­land ist ab­ge­brannt“. Auch stellt der Un­ter­ti­tel „Ost-West-Passage“die Ver­bin­dung zu Flücht­lings­be­we­gun­gen nach dem Zwei­ten Welt­krieg her. „Die Land­schaft ist his­to­risch ko­no­tiert“, sagt Ott. Ver­mut­lich seit mehr als 2000 Jah­ren. Die­se Land­schaft möch­te Ott zum Klin­gen brin­gen. „Ich woll­te et­was kom­po­nie­ren, das Luft lässt für das, was da ist“: Was­ser, Wind, Schif­fe. Da­zu wer­den die Blä­ser­grup­pen das Ka­nalu­fer lang­mar­schie­ren – ih­re Bühne misst ei­nen Ki­lo­me­ter Brei­te.

All das hat ei­nen aus­ge­prägt thea­tra­li­schen Cha­rak­ter. Tat­säch­lich hat Ott sein „Mit­tel­land“zu­sam­men mit dem Re­gis­seur En­ri­co Stol­zen­burg und dem Dra­ma­tur­gen Mal­te Uben­auf ent­wi­ckelt. Da­bei haf­tet dem gan­zen Pro­jekt noch der Charme des „Work in Pro­gress“an. Denn die Kom­po­si­tio­nen für die Blä­ser­en­sem­bles sind zwar längst fer­tig. Ge­mein­sa­me Pro­ben im Ge­län­de gibt es al­ler­dings nur zwei. Gut mög­lich, dass da man­ches De­tail noch neu de­fi­niert wird.

Er­öff­nung am 2. und 3. Sep­tem­ber in Os­na­brück, Kal­k­rie­se und Mel­le. Wei­te­re In­fos und On­li­ne­ti­ckets: www.mu­sik­ta­ge.de

Hat Mu­sik für den Mit­tel­land­ka­nal ge­schrie­ben: Kom­po­nist Da­ni­el Ott. Fo­to: Swa­ant­je Heh­mann

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