Dia­log mit der Na­tur

Skulp­tu­ren­bi­en­na­le „Blick­ach­sen 11“zeigt Bild­hau­er­kunst in Bad Homburg und an wei­te­ren sie­ben Or­ten

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur -

Von Chris­ti­an Hu­ther

Übe­r­all Bän­ke, nichts als Sitz­bän­ke. Als gin­ge es in ei­nem Park nur ums Aus­ru­hen. Doch wer sich im Bad Hom­bur­ger Kur­park nicht vor­sieht, lan­det auf ei­nem ver­track­ten Sitz­mö­bel. Jep­pe Hein hat dort drei wei­ße Bän­ke auf­ge­stellt, die es in sich ha­ben. Die ers­te ragt steil auf und lädt zum Blick in den Him­mel ein, die zwei­te ist auf den Bo­den ge­rutscht und lädt zum Sit­zen im Gras ein, die drit­te ist in der Mit­te un­ter­bro­chen und lädt zum in­ti­men Dia­log ein.

Jep­pe Hein ist ei­ner von 34 Künst­lern, die in der Tau­nus­stadt den Kur- und den Schlosspark mit 42 Skulp­tu­ren be­spie­len. Al­lein im Kur­park grei­fen drei wei­te­re Künst­ler das Sit­zen iro­nisch, äs­the­tisch oder spie­le­risch auf. Frei­lich gibt es au­ßer Kunst für das Kör­per­er­leb­nis noch an­de­re Wer­ke zu se­hen bei der Skulp­tu­ren­bi­en­na­le, die vor 20 Jah­ren vom Bad Hom­bur­ger Ga­le­ris­ten Chris­ti­an K. Schef­fel ge­grün­det wur­de und längst von ei­ner Stif­tung be­trie­ben wird.

An­fangs wa­ren neun Künst­ler von Ant­ho­ny Ca­ro bis Ber­nar Ve­net be­tei­ligt. Auch heu­te liest sich die Teil­neh­mer­lis­te wie ein Who’ s who der in­ter­na­tio­na­len Bild­hau­er­sze­ne, nebst ei­ni­ger Ent­de­ckun­gen, de­nen seit 2003 ein För­der­preis gilt. Der „Blick­ach­sen“-Titel be­zieht sich auf die Sicht­li­ni­en, die von dem Gar­ten­ar­chi­tek­ten Pe­ter Jo­seph Len­né bei der Gestal­tung des Bad Hom­bur­ger Kur­parks 1856 an­ge­legt wur­den. Der Park ist als ein­zi­ger von Len­nés Schöp­fun­gen un­ver­än­dert er­hal­ten und gilt mit 44 Hekt­ar als ei­ne der größ­ten und schöns­ten An­la­gen in Deutsch­land.

Die Skulp­tu­ren­schau hat sich seit dem Start 1997 dank wech­seln­der Ko­ope­ra­tio­nen Hin­gu­cker: der vier­ein­halb Me­ter ho­he Mäd­chen­kopf von Jau­me Plen­sa, der voll­plas­tisch oder flä­chig er­scheint. rasch in der Re­gi­on eta­bliert. Durch An­käu­fe von Wer­ken wird auch das Bad Hom­bur­ger Stadt­bild be­rei­chert. An den „Blick­ach­sen“be­tei­li­gen sich in die­sem Jahr die Frank­fur­ter Goe­the-Uni, das Klos­ter Eber­bach, Ge­mein­den wie Esch­born, Eppstein, Kron­berg und Neu-An­s­pach so­wie Bad Vilbel, das neu da­bei ist. Acht Or­te al­so, die zur Rund­rei­se ein­la­den, um et­wa 80 Wer­ke von 37 längst eta­blier­ten oder jun­gen Künst­lern zu se­hen. So ha­ben sich die „Blick­ach­sen“in­zwi­schen zur größ­ten eu­ro­päi­schen Frei­luft­schau ent­wi­ckelt.

Al­ler­dings bleibt Bad Homburg die „Keim­zel­le“, so Schef­fel. Im Kur­park ist „Isabella“der Hin­gu­cker, ein vier­ein­halb Me­ter ho­her guss­ei­ser­ner Mäd­chen­kopf. Jau­me Plen­sa hat den Kopf so ge­stal­tet, dass er beim Nä­her­kom­men voll­plas­tisch oder flä­chig er­scheint. Nicht weit ent­fernt spielt auch Al­f­red Ha­ber­point­ner mit der Ir­ri­ta­ti­on, sein „Kopf im Kopf “ver­schiebt sich beim Um­run­den. Aus ho­ri­zon­ta­len Schich­ten be­steht der äu­ße­re Kopf, aus ei­nem mas­si­ven Kern hin­ge­gen der in­ne­re. So än­dert sich mit der Per­spek­ti­ve auch das Aus­se­hen.

Die Wer­ke von Plen­sa und Ha­ber­point­ner sind ty­pisch für die Schau, die Parks und Bur­gen, Bahn­hofs- und Rat­haus­vor­platz, Ho­tel und Uni, Stadt­bi­blio­thek und Frei­licht­mu­se­um nutzt. Wich­tig ist der Dia­log mit der Na­tur, von der Idylle bis zur Ge­sell­schafts­kri­tik. Kon­kret geht es Schef­fel um das von Len­né Ge­schaf­fe­ne: „Der Leit­ge­dan­ke sind die Per­spek­ti­ve und der Perspektivenwechsel, al­so ei­ner­seits die Sicht­ver­bin­dung zwi­schen den ein­zel­nen Wer­ken und an­de­rer­seits der Dia­log mit den his­to­ri­schen Land­schafts­gär­ten oder der Ar­chi­tek­tur.“

Oh­ne­hin spa­ziert der ei­ne Be­su­cher ein­fach drauf­los und lässt die Kunst auf sich zu­kom­men, der an­de­re stu­diert zu­vor den La­ge­plan und zählt al­lein 17 Künst­ler aus Ös­ter­reich. Je­de „Blick­ach­sen“-Schau ko­ope­riert näm­lich mit ei­nem an­de­ren Part­ner­mu­se­um, das für neue Ide­en sorgt. An­fangs wa­ren es deutsche, seit 2005 sind es in­ter­na­tio­na­le In­sti­tu­te wie die Fon­da­ti­on Bey­e­ler oder der York­shire Sculp­tu­re Park. Jetzt ist das Mu­se­um Lia­u­nig in Kärn­ten dran.

„Blick­ach­sen 11“, Skulp­tu­ren in Frankfurt und Rhein-MainGe­biet, bis 1. Ok­to­ber, In­fos un­ter www. Blick­ach­sen.de

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