Auf­wa­chen, Twit­ter!

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur - Von Jo­han­nes Gie­wald j.gie­wald@noz.de

Twit­ter muss vor sei­ner ei­ge­nen Haus­tür keh­ren. Im buch­stäb­li­chen Sin­ne konn­te es dem Kon­zern da­mit nicht schnell ge­nug ge­hen, nach­dem Sa­ti­ri­ker Sha­hak Sh­a­pi­ra ih­nen Hass-Tweets vor die Ein­gangs­tür ih­res Bü­ros in Ham­burg ge­sprayt hat­te. Im so­zia­len Netz­werk, wo nie­der­ge­schrie­be­ner An­ti­se­mi­tis­mus und Frem­den­hass öf­fent­lich zu­gäng­lich ge­macht wer­den, ha­ben sie es of­fen­sicht­lich nicht so ei­lig. Ge­nau das schlägt ih­nen jetzt wie ein Bu­me­rang ent­ge­gen.

Wer nun „Van­da­lis­mus“und „un­er­laub­te Graf­fi­ti“schreit, der ver­sucht vom ei­gent­li­chen Pro­blem ab­zu­len­ken oder will ge­nau je­nes nicht er­ken­nen. Twit­ter nimmt das Lö­schen von Hass-Bot­schaf­ten nicht ernst ge­nug. Da­bei ver­bie­tet das Un­ter­neh­men „Hass schü­ren­des Ver­hal­ten“in fet­ter Schrift in den Re­geln. Sh­a­pi­ra hat ein ge­schick­tes Mit­tel für sei­ne Kri­tik ge­wählt. Ihm ging es nicht dar­um, das Ham­bur­ger Bü­ro mit Schmie­re­rei­en zu stig­ma­ti­sie­ren. Die Far­be war schon mit ein we­nig Was­ser zu be­sei­ti­gen.

Ihm ging es um die Do­ku­men­ta­ti­on. Er weiß, wie schnell sich solch ge­ziel­te Pro­vo­ka­ti­on im Netz ver­brei­tet. Dass das Vi­deo von der Ak­ti­on nun auch aus­ge­rech­net bei Twit­ter selbst Wel­len schlägt, lässt hof­fen, dass der Kon­zern das Pro­blem end­lich ernst nimmt.

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