Un­ent­deck­ter Schmer­z­aus­lö­ser

Sie­ben Fra­gen rund um das Ilio­sa­kral­ge­lenk

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Gesund Im August -

OS­NA­BRÜCK. Cir­ca 90 Pro­zent der Deut­schen ken­nen die­ses pla­gen­de Phä­no­men: Rü­cken­schmer­zen. Doch bei je­dem fünf­ten Be­trof­fe­nen blei­ben die Ur­sprün­ge der Beschwerden un­er­kannt, da die­se nicht im Rü­cken, son­dern im Ilio­sa­kral­ge­lenk (ISG) lie­gen. Prof. Dr. Jür­gen Harms, Fach­arzt für Or­tho­pä­die und Un­fall­chir­ur­gie und Ex­per­te für Wir­bel­säu­len­chir­ur­gie, klärt die wich­tigs­ten Fra­gen rund um das oft­mals un­ter­schätz­te Ge­lenk.

1. Wel­che Auf­ga­ben er­füllt das ISG? Das Ilio­sa­kral­ge­lenk ver­bin­det das Kreuz­mit dem Darm­bein und stellt ei­ne Art Brü­cke zwi­schen Wir­bel­säu­le und Bei­n­ach­se dar. Es bil­det die Schnitt­stel­le bei der Kraft­über­tra­gung zwi­schen Ober- und Un­ter­kör­per und trägt so­mit maß­geb­lich zur Sta­bi­li­tät des Kör­pers bei.

2. War­um bleibt das ISG als Schmer­z­aus­lö­ser häu­fig un­er­kannt? Bei Schmer­zen im un­te­ren Rü­cken ver­mu­ten Pa­ti­en­ten und Me­di­zi­ner meist ei­nen Band­schei­ben­vor­fall. Des­sen Sym­pto­me äh­neln sehr ei­ner ISG-Blo­cka­de, da­her kommt es häu­fig zu fal­schen Dia­gno­sen und in der Fol­ge zu feh­ler­haf­ten Be­hand­lun­gen.

3. Was sind die häu­figs­ten Ur­sa­chen für ISG-Beschwerden? Zer­run­gen, Ver­he­bun­gen, Fehl­trit­te oder Stür­ze auf das Ge­säß zäh­len zu den häu­figs­ten Aus­lö­sern. Solch ei­ne Unacht­sam­keit bringt das sta­bi­le Kor­sett aus Bän­dern, Seh­nen und Mus­keln aus dem Gleich­ge­wicht. Als Fol­ge ver­kan­tet sich das Ge­lenk und blo­ckiert schmerz­haft. Auch Be­cken­fehl­stel­lun­gen kön­nen lang­fris­tig zu Pro­ble­men füh­ren.

4. Gibt es Personen, die für das ISG-Syn­drom be­son­ders an­fäl­lig sind? Men­schen mit leich­ten Fehl­stel­lun­gen in der Hüf­te oder un­ter­schied­li­chen Bein­län­gen be­las­ten bei je­der Be­we­gung das ISG. Bei be­son­de­rer Be­an­spru­chung,

ken­nen das Phä­no­men: Rü­cken­schmer­zen. Doch bei je­dem 5. Be­trof­fe­nen blei­ben die Ur­sprün­ge der Beschwerden un­er­kannt, da die­se nicht im Rü­cken, son­dern im Ilio­sa­kral­ge­lenk (ISG) lie­gen. bei­spiels­wei­se beim Sport, ver­schie­ben sich plötz­lich die Ge­lenk­flä­chen und lö­sen Schmer­zen aus. Da­ne­ben stel­len Schwan­ge­re ei­ne Ri­si­ko­grup­pe dar. Wäh­rend und nach der Schwan­ger­schaft sor­gen be­stimm­te Hor­mo­ne für ei­ne Lo­cke­rung des Band­ap­pa­rats, was eben­so ei­ne Blo­cka­de der bei­den Ge­lenk­plat­ten her­vor­ru­fen kann. Dar­über hin­aus gel­ten auch äl­te­re Men­schen als be­son­ders ge­fähr­det, da sich al­ters­be­ding­te Ver­schleiß­er­schei­nun­gen, bei­spiels­wei­se Ar­thro­se, ne­ga­tiv auf das ISG aus­üben. Bei zie­hen­den Schmer­zen im un­te­ren Rü­cken gibt es vie­le po­ten­zi­el­le Ur­sa­chen. Neh­men die Beschwerden zu, so­bald sich Be­trof­fe­ne nach vorn beu­gen oder den Schnei­der­sitz ein­neh­men, kommt das ISG als Qu­el­le in­fra­ge. Spä­ter fal­len selbst ein­fachs­te Be­we­gungs­ab­läu­fe wie Trep­pen­stei­gen oder Schu­he an­zie­hen im­mer schwe­rer. Ei­ne rich­ti­ge Dia­gno­se er­hal­ten Pa­ti­en­ten je­doch nur beim Arzt. Die­ser führt ei­ne gründ­li­che Ana­mne­se durch und kann mit­hil­fe so­ge­nann­ter Pro­vo­ka­ti­ons­tests und ei­ner Schmerz­mit­tel­in­jek­ti­on di­rekt in das Ge­lenk die Ur­sa­che er­ken­nen.

6. Wie las­sen sich Schmer­zen im ISG be­han­deln? Zu­nächst kom­men kon­ser­va­ti­ve The­ra­pi­en zum Ein­satz. Soll­ten leich­te Schmerz­mit­tel, Wär­me­an­wen­dun­gen oder ei­ne In­fil­tra­ti­ons­the­ra­pie in Kom­bi­na­ti­on mit ei­ner Phy­sio­the­ra­pie zum Mus­kel­auf­bau kei­ner­lei Bes­se­run­gen her­vor­ru­fen, wird die Ra­dio­fre­quenz-Ther­mo­ko­agu­la­ti­on an­ge­wen­det. Die­se ver­ödet dau­er­stra­pa­zier­te Ner­ven. Erst wenn die­se Me­tho­den aus­ge­schöpft sind, grei­fen Me­di­zi­ner heut­zu­ta­ge auf mo­der­ne Drei­eck­sim­plan­ta­te zu­rück. Die so­ge­nann­ten iFu­se-Im­plan­ta­te ge­ben dem Ge­lenk neu­en Halt.

7. Wie hoch sind die Chan­cen auf ei­nen nor­ma­len All­tag nach der Ope­ra­ti­on? Frü­her grif­fen Ärz­te auf spe­zi­el­le Schraub­sys­te­me zu­rück, um das Ilio­sa­kral­ge­lenk zu sta­bi­li­sie­ren. Da die­se Me­tho­de in vie­len Fäl­len je­doch er­folg­los blieb, nutzt die mo­der­ne Me­di­zin die drei­ecki­gen iFu­se-Im­plan­ta­te. Die­se ver­wach­sen dank ei­ner spe­zi­el­len po­rö­sen Ober­flä­chen­be­schich­tung in­ner­halb von drei bis sechs Wo­chen mit dem um­lie­gen­den Kno­chen. Pa­ti­en­ten neh­men be­reits un­mit­tel­bar nach dem Ein­griff ers­te Er­fol­ge wahr und keh­ren bald dar­auf be­schwer­de­frei in ih­ren All­tag zu­rück.

So­wohl ge­setz­li­che als auch pri­va­te Kran­ken­kas­sen über­neh­men die Kos­ten für die­se Be­hand­lung.

Cir­ca 90 Pro­zent der Deut­schen 5. Wie kann ein ISG-Syn­drom fest­ge­stellt wer­den?

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.