Höchs­te Zeit für di­plo­ma­ti­sche Fi­nes­se

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite - Von Tho­mas Lud­wig t.lud­wig@noz.de

Do­nald Trump schafft es tat­säch­lich, die Welt in Angst zu ver­set­zen. Denn zu ei­ner Es­ka­la­ti­on ge­hö­ren im­mer zwei: ei­ner, der pro­vo­ziert, und ei­ner, der sich pro­vo­zie­ren lässt. Zwi­schen Nord­ko­rea und den USA läuft das tra­di­tio­nell rei­bungs­los. Bis­lang oh­ne erns­te Kon­se­quen­zen. Das könn­te sich nun än­dern. Mit sei­nem an alt­tes­ta­men­ta­ri­scher Rhe­to­rik an­ge­lehn­ten Fu­ror kon­ter­ka­riert der USPrä­si­dent die so­eben ge­gen­über Pjöng­jang de­mons­trier­te Ge­schlos­sen­heit im UN-Si­cher­heits­rat auf un­ver­ant­wort­li­che Wei-

se. Wer Er­war­tun­gen hö­her und hö­her schraubt, kommt ums Han­deln schließ­lich nicht um­hin. An­sons­ten droht der Glaub­wür­dig­keits­ver­lust – sie­he Trumps Vor­gän­ger Oba­ma und sei­ne ro­te Li­nie in Sy­ri­en. Zu­dem soll­te man nicht et­was das Wort re­den, das man nicht ernst­haft wol­len kann: ei­nen Atom­schlag näm­lich. Er wä­re ver­hee­rend. Ja, Nord­ko­rea tritt mar­tia­lisch auf. Pjöng­jangs Groß­machts­träu­me er­schöp­fen sich letzt­lich aber wohl dar­in, das Re­gime am Le­ben und in­ter­na­tio­na­le An­er­ken­nung zu er­hal­ten; es geht nicht dar­um, an­de­re Län­der zu über­fal­len. Ein mi­li­tä­ri­scher Al­lein­gang der USA ge­gen Dik­ta­tor Kim Jong Un zö­ge un­ab­seh­ba­re Krei­se. Die Sor­ge wächst, dass zwei Ha­sar­deu­re ge­ra­de­zu ver­se­hent­lich und leicht­fer­tig ein In­fer­no aus­lö­sen. Die Welt­ge­mein­schaft muss al­le di­plo­ma­ti­schen Fi­nes­sen nut­zen, das zu ver­hin­dern.

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