Wo Eu­ro­pa von Afri­ka ler­nen kann

Au­ßen­mi­nis­ter Ga­b­ri­el be­sucht zu­sam­men mit BAP-Sän­ger Nie­de­cken ein Flücht­lings­camp in Ugan­da

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Einblicke -

Von Micha­el Fi­scher

Au­ßen­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el hat schon ei­ni­ge Flücht­lings­la­ger die­ser Welt ge­se­hen. Aber so eins wie in Ugan­da noch nicht. Ges­tern Vor­mit­tag steht Ga­b­ri­el vor ei­nem Schul­ge­bäu­de im Rhi­no Camp, nicht weit von den Gren­zen zu den Bür­ger­kriegs­län­dern Kon­go und Süd­su­dan ent­fernt. Aus den Fens­tern win­ken fröh­li­che Flücht­lings­kin­der, die dem Hun­ger und Elend in ih­rer süd­su­da­ne­si­schen Hei­mat ent­kom­men sind.

Statt dicht ge­dräng­ter Zel­te oder Blech­bu­den ste­hen hier weit ver­streut Lehm­hüt­ten mit Stroh­dä­chern oder Back­stein­bau­ten. Da­zwi­schen be­fin­den sich Ge­mü­se­gär­ten, nir­gend­wo sieht man Zäu­ne, über­all ist es grün. Nie­mand nennt das Rhi­no Camp Flücht­lings­la­ger – weil sich die Men­schen hier frei be­we­gen kön­nen, weil sie ar­bei­ten kön­nen und Land zur Be­wirt­schaf­tung be­kom­men. Flücht­lings­sied­lung sagt man hier des­we­gen. Flücht­lin­ge wer­den al­so als Sied­ler an­ge­se­hen – zu­min­dest auf Zeit, so­lan­ge der Bür­ger­krieg in ih­rer Hei­mat wü­tet.

Ga­b­ri­el zeigt sich be­ein­druckt. „Es ist auch ein schö­nes Bei­spiel da­für, was Län­der, die viel är­mer sind als wir in Eu­ro­pa, leis­ten kön­nen“, sagt er an die Adres­se der­je­ni­gen EU-Staa­ten, die schon mit der Auf­nah­me von ein paar Hun­dert Flücht­lin­gen ein Pro­blem ha­ben. Ugan­da mit sei­nen 37 Mil­lio­nen Ein­woh­nern hat 1,3 Mil­lio­nen Flücht­lin­ge auf­ge­nom­men, so vie­le wie kein an­de­res afri­ka­ni­sches Land. Fast ei­ne Mil­li­on kom­men aus dem Nach­bar­land Süd­su­dan, wo Hun­ger und Bür­ger­krieg herr­schen. Im­mer noch flie­hen täg­lich et­wa 1000 wei­te­re Süd­su­da­ne­sen über die Gren­ze. 85 Pro­zent da­von Be­ein­druckt: Mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el (links) und Sän­ger Wolf­gang Nie­de­cken.

sind Frau­en und Kin­der. Aber auch im­mer mehr Män­ner kom­men. Wenn auch sie ih­ren Fa­mi­li­en ins Aus­land folg­ten, sei das ein Zei­chen da­für, dass die Hoff­nung auf Frie­den in ih­rem Land stirbt, sagt man in Ugan­da.

Das ost­afri­ka­ni­sche Land geht in ei­ner Art und Wei­se mit Flücht­lin­gen um, die welt­weit als vor­bild­lich gilt. Das Recht auf Ar­beit und die Land­be­wirt­schaf­tung ma­chen ei­nen Rie­sen­un­ter­schied für die In­te­gra­ti­on. Gu­drun Stall­kamp von der Welt­hun­ger­hil­fe kommt ins Schwär­men. „Ich fin­de das wirk­lich be­ein­dru­ckend. Es gibt hier ei­ne wahn­sin­nig of­fe­ne Ein­stel­lung, Flücht­lin­ge auf­zu­neh­men“, sagt sie. Das sieht auch Wolf­gang Nie­de­cken von der Rock­grup­pe BAP so, den Ga­b­ri­el mit auf die Rei­se ge­nom­men hat. Nie­de­cken hat sich vie­le Jah­re lang vor al­lem für ehe­ma­li­ge Kin­der­sol­da­ten in Ugan­da en­ga­giert. Das ers­te Mal war er 2004 hier, als noch ein Bür­ger­krieg in dem Land tob­te. Ge­nau die­se Er­fah­rung ist es nach An­sicht Nie­de­ckens, die jetzt zu der gro­ßen Hilfs­be­reit­schaft führt. „Die Leu­te hier wis­sen, was Bür­ger­krieg ist. Da herrscht ei­ne an­de­re Em­pa­thie­be­reit­schaft“, sagt er. Ga­b­ri­el be­fürch­tet, dass sich die Flücht­lings­kri­se aus dem Jahr 2015 wie­der­holt. „Wenn wir nichts ma­chen, dann wird Ita­li­en ir­gend­wann sei­ne Gren­zen öff­nen müs­sen, weil es ein­fach zu vie­le sind“, sagt er.

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