Sä­bel­ras­seln mit Atom­waf­fen

US-Prä­si­dent ge­rät in die Kri­tik – McCain: Trump nicht zum Han­deln be­reit

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Be­rich­te über Mi­ni-Atom­waf­fen – noz.de/politik noz.de/wirtschaft

Nord­ko­rea ist auf dem Weg zur Atom­macht – und die USA dro­hen we­nig ver­steckt mit Krieg. Die Sor­ge vor ei­ner un­ge­woll­ten Es­ka­la­ti­on wächst.

Knapp zwei Wo­chen nach Nord­ko­reas Test ei­ner In­ter­kon­ti­nen­tal­ra­ke­te, die das US-Fest­land er­rei­chen könn­te, heizt sich der Kon­flikt mit den USA wei­ter auf. US-Prä­si­dent Do­nald Trump droh­te, Nord­ko­reas Macht­ha­ber Kim Jong Un „mit Feu­er, Wut und Macht“zu be­geg­nen. Die po­li­ti­schen Eli­ten in Washington dis­tan­zier­ten sich von sei­nem „Wut­ge­schrei“.

Der re­pu­bli­ka­ni­sche USSe­na­tor John McCain re­agier­te ir­ri­tiert auf Trumps Äu­ße­rung. Es sei un­wahr­schein­lich, dass der Prä­si­dent in der La­ge sein wer­de, sei­nen Wor­ten Ta­ten fol­gen zu las­sen. „Die gro­ßen Füh­rer, die ich ken­ne, spre­chen kei­ne Dro­hun­gen aus, so­lan­ge sie nicht zum Han­deln be­reit sind. Und ich bin nicht si­cher, dass Prä­si­dent Trump zum Han­deln be­reit ist“, sag­te McCain dem US-Ra­dio­sen­der KTAR. Zugleich warn­te er da­vor, die Äu­ße­rung des Prä­si­den­ten all­zu ernst zu neh­men: „Das ist ty­pisch Trump. Er neigt zu Über­trei­bun­gen.“

Auf der Seite der op­po­si­tio­nel­len De­mo­kra­ten gab es we­ni­ger Ver­ständ­nis für Trumps Art der Kom­mu­ni­ka­ti­on. „Ge­gen­über Nord­ko­rea müs­sen wir hart und mit Be­dacht vor­ge­hen“, sag­te Se­na­tor Chuck Schu­mer in ei­ner Stel­lung­nah­me. „Un­be­son­ne­ne Rhe­to­rik ist kei­ne gu­te Stra­te­gie, um die Si­cher­heit Ame­ri­kas zu ge­währ­leis­ten.“Ähn­lich kom­men­tier­te laut CNN auch Se­na­to­rin Di­an­ne Fein­stein die La­ge. „Prä­si­dent Trump trägt mit sei­nen bom­bas­ti­schen Äu­ße­run­gen nicht zur Ent­span­nung der La­ge bei“, sag­te die Se­na­to­rin in ei­ner Stel­lung­nah­me.

Auch aus Deutsch­land kommt Kri­tik am US-Prä­si­den­ten. Der au­ßen­po­li­ti­sche Spre­cher der SPD-Bun­des­tags­frak­ti­on, Niels An­nen, sag­te un­se­rer Re­dak­ti­on, er sei „zu­tiefst be­sorgt über Trumps un­ver­ant­wort­li­che Äu­ße­run­gen. Da­mit gießt er zu­sätz­lich Öl in ei­nen Kon­flikt, der oh­ne­hin schon ge­fähr­lich ge­nug ist.

Nord­ko­rea wür­de auf ei­nen An­griff auf sein Ter­ri­to­ri­um vor­aus­sicht­lich mit ei­nem Ge­gen­schlag re­agie­ren, der ins­be­son­de­re für Süd­ko­rea un­ab­seh­ba­re Fol­gen hät­te.

Au­ßen­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el warn­te vor ei­nem Atom­krieg: Ei­ne sol­che Rhe­to­rik ma­che Sor­gen und Angst, „dass wir ähn­lich wie im Ers­ten Welt­krieg schlaf­wand­le­risch in ei­nen Krieg hin­ein­mar­schie­ren, bloß eben in die­sem Fall in ei­nen Krieg, der im Zwei­fel mit Atom­waf­fen ge­führt wird“, sag­te der SPD-Po­li­ti­ker am Mitt­woch im ugan­di­schen En­teb­be.

Die Ame­ri­ka­ner sind in der Beur­tei­lung der Hand­ha­be Nord­ko­reas durch den Ober­be­fehls­ha­ber ih­rer Ar­mee ge­spal­ten. 37 Pro­zent hal­ten Nord­ko­rea er­reicht neue Pha­se der Be­dro­hung: Kri­se drückt den Dax: Trumps Pol­tern ei­ner Um­fra­ge des Sen­ders CNN zu­fol­ge für rich­tig – in et­wa so vie­le, wie auch Trumps Amts­füh­rung ins­ge­samt po­si­tiv be­ur­tei­len. Mit der ex­tre­men Wort­wahl Trumps wächst al­ler­dings die Sor­ge, dass sich bei­de Kon­tra­hen­ten wei­ter auf­schau­keln.

Der ver­ba­le Schlag­ab­tausch ist der vor­läu­fi­ge Hö­he­punkt der Kri­se, die durch Nord­ko­reas Tests mit In­ter­kon­ti­nen­tal­ra­ke­ten es­ka­lier­te. Die Sor­ge über Pjöng­jangs Fort­schrit­te mit Nu­kle­ar­spreng­köp­fen wächst. Die USA und Ja­pan ge­hen da­von aus, dass Nord­ko­rea in­zwi­schen in der La­ge ist, Ra­ke­ten mit Mi­nia­tur-Atom­spreng­köp­fen zu be­stü­cken – auch In­ter­kon­ti­nen­tal­ra­ke­ten, die die USA er­rei­chen könn­ten.

Guams Gou­ver­neur Ed­die Cal­vo hat un­ter­des­sen ge­las­sen auf die War­nung Nord­ko­reas vor ei­nem Ra­ke­ten­an­griff auf den US-Au­ßen­pos­ten im Pa­zi­fik re­agiert. Guam sei „auf al­le Even­tua­li­tä­ten vor­be­rei­tet“, sag­te Cal­vo am Mitt­woch. Zum Schutz der In­sel sei­en dort „meh­re­re Ver­tei­di­gungs­ebe­nen“in­stal­liert. Auf der In­sel im West­pa­zi­fik sind rund 6000 USSol­da­ten sta­tio­niert. Ne­ben dem stra­te­gisch wich­ti­gen Luft­waf­fen­stütz­punkt An­der­sen gibt es auf Guam auch ei­ne US-Ma­ri­ne­ba­sis.

Und auch in Süd­ko­rea bleibt die Stim­mung ru­hig. Die Re­gie­rung in Seo­ul gab kei­ne Warn­mel­dung her­aus. Auch das öf­fent­li­che Le­ben in der be­son­ders von Nord­ko­reas Ar­til­le­rie be­droh­ten Haupt­stadt ging wie ge­wohnt sei­nen Gang. „Nord­ko­rea droht ja im­mer wie­der da­mit, aber am En­de ist nie et­was pas­siert“, sag­te die 26jäh­ri­ge Je­on Hae-in in Eui­jeong­bu, ei­nem Vo­r­ort von Seo­ul, nur rund 30 Ki­lo­me­ter von der Gren­ze zu Nord­ko­rea ent­fernt: „Bei Trump ist es ein biss­chen an­ders. Ihm wür­de ich al­les zu­trau­en.“

Es­ka­la­ti­on oder hei­ße Luft? In Süd­ko­rea ist die Stim­mung nach den ge­gen­sei­ti­gen Kriegs­dro­hun­gen der USA und Nord­ko­reas vor­erst noch ge­las­sen. Fo­to: AFP

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