Nach Mes­ser­at­ta­cke: Po­li­zei prüft Alt­fäl­le

In­nen­se­na­tor will Sys­tem der Früh­er­ken­nung ver­bes­sern – In­for­ma­ti­ons­aus­tausch fand nicht statt

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest -

Die Ham­bur­ger In­nen­be­hör­de und die Po­li­zei zie­hen aus der is­la­mis­ti­schen Mes­ser­at­ta­cke von Ham­burg-Barm­bek Kon­se­quen­zen. 400 Alt­fäl­le, bei de­nen es Hin­wei­se auf ei­ne Ra­di­ka­li­sie­rung von Mus­li­men ge­ge­ben hat, sol­len noch ein­mal auf mög­li­che Ge­fähr­dun­gen hin un­ter­sucht wer­den, wie das „Ham­bur­ger Abend­blatt“am Mitt­woch be­rich­te­te. „Wir wol­len das Sys­tem der Früh­er­ken­nung und Ri­si­ko­re­du­zie­rung schär­fen und ver­bes­sern“, sag­te Ham­burgs In­nen­se­na­tor An­dy Gro­te (SPD) dem Blatt.

Er wur­de am Mitt­woch zur Son­der­sit­zung des In­nen­aus­schus­ses der Bür­ger­schaft er­war­tet – eben­so wie Po­li­zei­prä­si­dent Ralf Mar­tin Mey­er und der Chef des Ham­bur­ger Ver­fas­sungs­schut­zes, Tors­ten Voß. Sie soll­ten von 16 Uhr an den ak­tu­el­len Sach­stand im Fall Barm­bek dar­le­gen.

In dem Stadt­teil hat­te am 28. Ju­li ein 26-jäh­ri­ger ab­ge­lehn­ter Asyl­be­wer­ber un­ver­mit­telt auf Men­schen ein­ge­sto­chen. Ein Mann starb. Sie­ben wei­te­re Men­schen wur­den ver­letzt. Die Er­mitt­lun­gen zum Fall des Pa­läs­ti­nen­sers lei­tet die Bun­des­an­walt­schaft in Karls­ru­he. Die Be­hör­de geht von ei­nem is­la­mis­ti­schen Hin­ter­grund aus.

Seit der Blut­tat wur­den Ver­säum­nis­se im Um­gang mit dem mut­maß­li­chen Tä­ter be­kannt, der in ei­ner Ham­bur­ger Flücht­lings­un­ter­kunft leb­te. Ei­ne Mit­ar­bei­te­rin der städ­ti­schen So­zi­al­ein­rich­tung soll En­de 2016 bei der Po­li­zei um ei­nen In­for­ma­ti­ons­aus­tausch über den auf­fäl­li­gen Be­woh­ner ge­be­ten ha­ben. Die­ser fand aber nie statt, wie aus ei­ner Ant­wort des Se­nats auf ei­ne Klei­ne An­fra­ge der CDU her­vor­geht. Da­nach bat auch die Be­ra­tungs­stel­le Le­ga­to um po­li­zei­li­che Un­ter­stüt­zung. War­um es nicht zu ei­ner be­hör­den­über­grei­fen­den Be­spre­chung (Fall­kon­fe­renz) kam, sei Teil ei­ner noch lau­fen­den „ver­wal­tungs­in­ter­nen Au­f­ar­bei­tung“.

Elf Wo­chen vor dem Mes­ser­an­griff war der 26-Jäh­ri­ge durch ei­nen Dieb­stahl po­li­zei­lich be­kannt ge­wor­den. Sei­ne Ab­schie­bung zu­rück nach Nor­we­gen war 2015 ge­schei­tert, weil das Bun­des­amt für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge (Bamf ) die Frist hier­für um ei­nen Tag ver­pass­te.

Um sol­che Pan­nen in Ham­burg künf­tig zu ver­hin­dern, soll beim Lan­des­kri­mi­nal­amt (LKA) ei­ne neue Vor­ge­hens­wei­se eta­bliert wer­den: Bei der LKA-Staats­schutz­ab­tei­lung wird ei­ne zen­tra­le Auf­nah­me­stel­le für Hin­wei­se ein­ge­rich­tet. Nach ei­ner Wo­che soll fest­ste­hen, ob es un­mit­tel­ba­ren Hand­lungs­be­darf gibt, ob es sich um ei­nen wei­ter zu ver­fol­gen­den Ver­dachts­fall han­delt oder ob ein is­la­mis­ti­scher Hin­ter­grund ver­neint wer­den kann. Nach drei Mo­na­ten soll je­der Fall er­neut be­wer­tet wer­den. In die­sem Zu­sam­men­hang wer­den al­le Hin­wei­se, die bei der Po­li­zei seit 1. Ja­nu­ar 2016 ein­ge­gan­gen sind, über­prüft.

Von den rund 780 beim Ham­bur­ger Ver­fas­sungs­schutz als Is­la­mis­ten ge­spei­cher­ten Per­so­nen stuft die Po­li­zei ak­tu­ell elf Per­so­nen als „Ge­fähr­der“ein.

In die­sem Su­per­markt er­eig­ne­te sich der Mes­ser­an­griff ei­nes 26-jäh­ri­gen Pa­läs­ti­nen­sers, bei dem ein Mensch starb.

Fo­to: dpa

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