Mi­nis­ter will De­mut von Au­to­bos­sen

Maas for­dert frei­wil­li­gen Ver­zicht auf Bo­ni – ACE: Bei Die­sel­prä­mie ab­war­ten

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft - Die­sel­stunk und Prä­mi­en­hype: mehr Be­rich­te auf noz.de/vw

Der Jus­tiz­mi­nis­ter möch­te von den Au­to­bos­sen im Hick­hack um den Die­selskan­dal ein Zei­chen der De­mut – und for­dert von ih­nen ei­nen frei­wil­li­gen Ver­zicht auf ih­re teil­wei­se mil­lio­nen­schwe­ren Bo­ni. Bun­des­jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas rät den deut­schen Au­to­ma­na­gern, die im Ab­gas­skan­dal Mil­lio­nen Die­sel­Fah­rer ge­täuscht ha­ben, zum frei­wil­li­gen Ver­zicht auf ih­re mil­lio­nen­schwe­ren Bo­nus­zah­lun­gen – als Zei­chen der De­mut.

„Die Ma­na­ger soll­ten in den kom­men­den Jah­ren auf ih­re Bo­ni ver­zich­ten. Das wä­re zu­min­dest ein klei­nes Zei­chen der De­mut und Ein­sicht“, sag­te der SPD-Po­li­ti­ker der „Pas­sau­er Neu­en Pres­se“(Mitt­woch­aus­ga­be). „Die Ma­na­ger ha­ben Mil­lio­nen Käu­fer in die Ir­re ge­führt, den Ruf ei­ner gan­zen Bran­che be­schä­digt und da­mit Hun­dert­tau­sen­de Ar­beits­plät­ze ge­fähr­det. Vie­le Leu­te wür­den ih­ren Job ver­lie­ren, wenn sie sol­che Feh­ler mach­ten wie die Au­to-Bos­se“, er­klär­te der Mi­nis­ter wei­ter.

Maas sieht auch Hand­lungs­be­darf in den Be­hör­den. „Beim Kraft­fahrt­bun­des­amt

soll­te künf­tig ver­stärkt auch der Ver­brau­cher­schutz ei­ne Rol­le spie­len.“Dort könn­te aus sei­ner Sicht so et­was wie ein Ver­brau­cher­bei­rat ein­ge­rich­tet wer­den, „da­mit dort von An­fang an die In­ter­es­sen der Kun­den nicht un­ter den Tisch fal­len“.

Nach An­sicht von Maas kann der Die­sel-Gip­fel von Re­gie­rung und In­dus­trie in der ver­gan­ge­nen Wo­che nur ein Zwi­schen­schritt ge­we­sen sein. „Für die Au­to­bran­che

be­ginnt jetzt die Be­wäh­rungs­zeit. Die Trick­se­rei muss ein En­de ha­ben.“Es dür­fe nicht al­lein bei dem an­ge­bo­te­nen Soft­ware-Up­date blei­ben. „Die Au­to­bau­er müs­sen ech­te An­rei­ze set­zen, da­mit die schmut­zi­gen Alt-Die­sel sau­be­rer wer­den oder ganz von der Stra­ße ver­schwin­den.“

Un­ter­des­sen hat die Deut­sche Um­welt­hil­fe we­gen un­zu­läs­si­ger Ab­gas­sys­te­me beim Kraft­fahrt­bun­des­amt (KBA) in Flens­burg ei­ne Geld­bu­ße in Hö­he von 110 Mil­lio­nen Eu­ro ge­gen den Au­to­bau­er Por­sche be­an­tragt. DUH-Bun­des­ge­schäfts­füh­rer Jür­gen Resch teil­te am Mitt­woch mit, die Um­welt­hil­fe wol­le da­mit ei­nen „Prä­ze­denz­fall“schaf­fen. Zu­vor hat­te das ARD-Po­li­tik­ma­ga­zin „Re­port Mainz“über den An­trag be­rich­tet. Ein Por­sche-Spre­cher in Stutt­gart woll­te sich da­zu nicht äu­ßern.

Die Um­tausch­prä­mi­en von Au­to­her­stel­lern für al­te Die­sel­fahr­zeu­ge sind un­ter­des­sen vor al­lem bei Um­welt­und Ver­brau­cher­ver­bän­den auf Kri­tik ge­sto­ßen. Es gibt aber auch Lob für die An­ge­bo­te. „Kauf­an­rei­ze für neue Die­sel, die auf der Stra­ße nur un­we­sent­lich sau­be­rer sind als äl­te­re Die­sel, bie­ten we­der ei­nen hand­fes­ten Vor­teil für die Um­welt noch für be­trof­fe­ne Ver­brau­cher“, sag­te Gre­gor Kol­be vom Bun­des­ver­band der Ver­brau­cher­zen­tra­len in Berlin. Er sprach von ei­ner „Un­sinns­prä­mie“. Der Ver­kehrs­club Deutsch­land (VCD) nann­te die An­ge­bo­te ei­ne „Ablass­prä­mie“, mit der sich die Au­to­bau­er vom Die­sel­be­trug frei­kau­fen woll­ten.

Der Au­to­club AvD be­grüß­te die Prä­mi­en als sinn­voll. Der Kon­kur­renz-Club ACE riet in­ter­es­sier­ten Ver­brau­chern zur Ge­duld. „Wer sei­nen äl­te­ren Die­sel um­tau­schen möch­te, der soll­te un­be­dingt bis Sep­tem­ber 2017 ab­war­ten – und zwar bis Fahr­zeu­ge mit der neu­en Ab­gas­norm Eu­ro 6d auf den Markt kom­men“, er­klär­te der ACE-Vor­sit­zen­de Ste­fan Heim­lich.

Fi­nan­zi­ell nicht schlecht aus­ge­stat­tet: schwä­bi­schen Au­to­bau­er Daim­ler (v. l.). der VW-Vor­stands­vor­sit­zen­de Mat­thi­as Mül­ler, BMW-Chef Ha­rald Krü­ger und sein Kol­le­ge Die­ter Zet­sche vom Fo­to: imago/Emmanuele Contini

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.