Re­gie­rung hat ein Kli­ma der Angst ge­schaf­fen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Dialog -

Zu den Ar­ti­keln „An­hän­ger fei­ern Amts­in­ha­ber vor Prä­si­dent­schafts­wahl in Ruan­da“(Aus­ga­be vom 4. Au­gust) so­wie „Wahl­sieg“(Aus­ga­be vom 7. Au­gust).

„Als Flücht­ling aus Ruan­da bin ich im­mer wie­der er­staunt, wel­che Wahr­neh­mung deut­sche Me­di­en von mei­nem Land ha­ben. So auch beim Le­sen des NOZ-Ar­ti­kels zur Wahl in Ruan­da, in dem steht, dass Prä­si­dent Paul Ka­ga­me gro­ße Po­pu­la­ri­tät im Land ge­nie­ße, er für Sta­bi­li­tät und Wirt­schafts­wachs­tum ge­sorgt ha­be und es durch ihn we­ni­ger Kor­rup­ti­on in Ruan­da gä­be. Tat­säch­lich hat die be­ste­hen­de Mi­li­tär­dik­ta­tur ein Kli­ma der Angst ge­schaf­fen, bei dem Dro­hun­gen, Ein­schüch­te­run­gen, Fol­te­run­gen und Ver­fol­gun­gen al­ler For­men von ge­hei­men Si­cher­heits­diens­ten an­ge­wandt wer­den, um Jour­na­lis­ten und Geg­ner auf der po­li­ti­schen Büh­ne zu be­sei­ti­gen. Die RPF, die Par­tei von Prä­si­dent Ka­ga­me, wird be­schul­digt, Hu­tu zu tö­ten, was be­son­ders im UNMap­ping-Be­richt 2010 be­stä­tigt wur­de. Dies er­in­nert auch an die schwe­ren Ver­bre­chen, die von der PPF um Paul Ka­ga­me be­gan­gen wur­den und die Hu­man Rights Watch do­ku­men­tiert hat.

Bis heu­te flie­hen noch im­mer un­zäh­li­ge Men­schen aus dem Land. In Ruan­da gibt es heu­te Ver­schlep­pun­gen und Er­mor­dung von Hu­tu- und Tut­si-Op­po­si­ti­ons­po­li­ti­kern, Jour­na­lis­ten oder ein­fach nur un­be­que­men Mit­bür­gern, die es wa­gen, die Re­gie­rung zu kri­ti­sie­ren.

Zur Sta­bi­li­tät und so­zio­öko­no­mi­schen Ent­wick­lung in Ruan­da lässt sich sa­gen, dass seit der Macht­über­nah­me Ka­ga­mes das Ni­veau der Ar­mut vor al­lem un­ter den Hu­tu- und Twa-Ge­mein­schaf­ten un­auf­halt­sam ge­stie­gen ist. Die meis­ten der ru­an­di­schen Fa­mi­li­en le­ben un­ter­halb der Ar­muts­gren­ze (57 Pro­zent). Die so­zia­le Un­gleich­heit hat den höchs­ten Stand in der ru­an­di­schen Ge­sell­schaft seit je­her er­reicht. [. . .] An­ge­sichts der Si­tua­ti­on der Furcht und der mi­li­tä­ri­schen Dik­ta­tur, die heu­te in Ruan­da herrscht, kann der Dik­ta­tor Ka­ga­me bis zum Jahr 2034 an der Macht blei­ben, wenn nichts un­ter­nom­men wird, um das Land zu ret­ten.“

Je­an Ma­rie V. Mina­ni Lin­gen

Der Prä­si­dent von Ruan­da, Paul Ka­ga­me, gibt wäh­rend der Prä­si­dent­schafts­wahl sei­ne Stim­me ab. Sei­ne Re­gie­rung ha­be ein Kli­ma der Angst ge­schaf­fen, so ein Le­ser. Fo­to: dpa

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