Nicht nur al­les Glanz

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport -

Lon­don ist ei­ne

Stadt vol­ler Le­ben und Lu­xus. Er gibt aber auch die an­de­re, be­denk­li­che Seite der Me­tro­po­le, wie Micha­el Jo­nas fest­ge­stellt hat.

In ei­ner Un­ter­füh­rung na­he der To­wer­bridge riecht es nach Urin. Die dre­cki­ge Ma­trat­ze, auf der ei­ni­ge ver­gam­mel­te Kla­mot­ten lie­gen, ist ver­waist. Nie­mand ist weit und breit zu se­hen. Ein städ­ti­scher An­ge­stell­ter fegt um die stin­ken­de La­ger­statt her­um und ver­zieht das Ge­sicht. Lon­don ist nicht nur Glanz und Gla­mour, Lon­don hat auch eben die­ses an­de­re Pro­blem.

Die Zahl der Men­schen, die auf der Stra­ße le­ben, hat sich ver­dop­pelt. 8000 sol­len es mitt­ler­wei­le sein. Die wirk­li­che Zahl wird noch deut­lich hö­her ge­schätzt. Denn die of­fi­zi­el­le Sta­tis­tik er­fasst nur die Men­schen, die dau­er­haft in Parks oder un­ter Brü­cken, in ver­las­se­nen Häu­sern oder La­ger­hal­len schla­fen.

Stei­gen­de Mie­ten drän­gen im­mer mehr Nied­rig­ver­die­ner und Ar­beits­lo­se in die­se Not­si­tua­tio­nen. Bür­ger­meis­ter Sa­diq Khan spricht von ei­ner Kri­se und will das Pro­blem ein­däm­men. „In ei­ner der welt­weit größ­ten Städ­te kön­nen wir uns nicht ein­fach zu­rück­leh­nen und nichts tun“, for­dert das be­lieb­te Stadt­ober­haupt Maß­nah­men. Aber wel­che nur?

Der Fo­kus soll vor al­lem auf jun­gen Men­schen lie­gen, die kei­ne Un­ter­kunft ha­ben. Ob­dach­lo­se hat­ten zwi­schen­zeit­lich so­gar Stadt­füh­run­gen in Zu­sam­men­ar­beit mit ei­ner ge­mein­nüt­zi­gen Or­ga­ni­sa­ti­on durch­ge­führt und die Stadt aus ih­rer Sicht er­klärt. Or­te, an de­nen Tou­ris­ten nor­ma­ler­wei­se vor­bei­lau­fen, hat­ten ei­ne neue Be­deu­tung ge­won­nen.

Auf der Vic­to­ria Street sitzt ein jun­ger Mann auf der Stra­ße und hält ei­nen Py­lon vor den Mund. Der weiß-ro­te ke­gel­för­mi­ge Ge­gen­stand, der im Stra­ßen­ver­kehr als Ab­sper­rung ein­ge­setzt wird, dient qua­si als Ver­stär­ker sei­ner kräch­zen­den Stim­me. Er johlt „Oh, when the saints go mar­ching in“. Die klei­ne Schach­tel ne­ben ihm bleibt leer. Nach fünf Mi­nu­ten zieht er von dan­nen. Ob er kei­ne Blei­be hat, kann ich nicht sa­gen. Er ist auf je­den Fall ei­ner die­ser Ge­stran­de­ten, die ih­ren Le­bens­un­ter­halt mit Bet­teln ver­die­nen. Nach­denk­lich ge­he ich wei­ter.

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