„Die brau­chen wir nicht“

Fuß­ball-Chao­ten aus der Ul­tra-Sze­ne hal­ten die Bun­des­li­ga in Atem

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport -

Kriegs­er­klä­run­gen an den DFB: Vor dem Start der neu­en Sai­son hal­ten Fuß­ball-Chao­ten die Bun­des­li­ga in Atem. Ver­ei­ne und Ver­bän­de su­chen nach Lö­sun­gen.

Kriegs­er­klä­run­gen, Schmäh­ge­sän­ge, Hass­pa­ro­len, da­zu Py­ro­ak­tio­nen und Aus­schrei­tun­gen: Die Bun­des­li­ga hat noch nicht be­gon­nen, da kocht die Pro­ble­ma­tik um Fuß­bal­lChao­ten aus der Ul­tra-Sze­ne wie­der hoch.

Die Vor­fäl­le beim Freund­schafts­spiel von Han­no­ver 96 in Burn­ley und die Re­ak­tio­nen des Ver­eins ste­hen stell­ver­tre­tend für vie­le Kon­flik­te. Prä­si­dent Mar­tin Kind sagt den Chao­ten den Kampf an, an­de­re sprin­gen ihm zur Seite. „Wir wer­den ver­su­chen, sie aus­zu­gren­zen. Die wol­len wir ei­gent­lich gar nicht, wir brau­chen sie nicht. Das wird un­ser Ziel sein, dar­an wer­den wir ar­bei­ten“, sag­te der 73-Jäh­ri­ge.

Zu­letzt hat­ten An­hän­ger des Auf­stei­gers für Schlag­zei­len ge­sorgt, in­dem sie beim Test­spiel beim eng­li­schen Erst­li­gis­ten FC Burn­ley ei­nen Spiel­ab­bruch pro­vo­zier­ten. Be­schimp­fun­gen übels­ter Art wa­ren zu hö­ren, Wurf­ge­schos­se und Sitz­scha­len flo­gen, ehe die 96-Chao­ten auf die En­g­län­der los­gin­gen. Mitt­ler­wei­le er­mit­telt der DFB, 96 stell­te Straf­an­zei­ge ge­gen un­be­kannt. Für das Heim­spiel ge­gen Schal­ke 04 am zwei­ten Spiel­tag droht den Nie­der­sach­sen ein Zu­schau­er-Teil­aus­schluss.

Mit dem Pro­blem ist Han­no­ver nicht al­lein. We­gen be­lei­di­gen­der Pla­ka­te beim Spiel ge­gen RB Leip­zig sperr­te der DFB An­fang des Jah­res die Süd­tri­bü­ne von Bo­rus­sia Dort­mund. Erst­mals in der Klub-His­to­rie fehl­te die „Gel­be Wand“. Ge­schäfts­füh­rer Hans-Joa­chim Watz­ke mahn­te: „Die Vor­stän­de der Ver­bän­de, al­so DFB und DFL, sind bei die­sem The­ma auch ge­for­dert – so wie wir Klub­Ver­ant­wort­li­chen.“

Kölns Ge­schäfts­füh­rer Jörg Schmadt­ke pflich­te­te

Watz­ke bei. „Die Ul­tra-Grup­pie­run­gen schei­nen sich zu for­mie­ren, dar­auf müs­sen wir na­tür­lich Ant­wor­ten fin­den. Da sind wir al­le ge­for­dert“, sag­te er, be­ton­te aber auch: „So, wie der DFB im Mo­ment vor­geht – mit Be­stra­fun­gen, auch in die­sen Hö­hen – wer­den wir die­ses Rad nicht stop­pen, son­dern es eher an­trei­ben und die Fron­ten ver­schär­fen.“

Auch die In­sti­tu­ti­on DFB wird im­mer häu­fi­ger of­fen an­ge­fein­det. In dem Song mit dem mar­tia­li­schen Ti­tel

„Krieg dem DFB“pran­gert der Rap­per M.I.K.I. ei­ne Ver­nach­läs­si­gung der Ba­sis durch ei­ne Kon­zen­tra­ti­on auf den fi­nan­zi­ell be­deut­sa­men Pro­fi­fuß­ball und an­geb­lich un­an­ge­brach­te Kol­lek­tivstra­fen für Fans we­gen Hoo­li­gan-Ak­tio­nen in den Sta­di­en an. Vie­le Pro­blem­fans füh­len sich an­ge­spro­chen und zur Nach­ah­mung auf­ge­ru­fen. So wa­ren schon gleich­lau­ten­de Schlacht­ge­sän­ge von Ul­tras von Dy­na­mo Dres­den zu hö­ren.

Dort­mun­der Fans sorg­ten

beim Po­kal­fi­na­le durch ein gro­ßes Trans­pa­rent mit der Auf­schrift „Krieg dem DFB“bun­des­weit für Auf­se­hen. „Wir müs­sen noch mehr über­le­gen, wie un­se­re Stra­fen die tat­säch­lich ver­ant­wort­li­chen Ge­walt­tä­ter tref­fen“, sag­te DFB-Präs­dent Rein­hard Gr­in­del.

Watz­ke schlägt vor, in ei­nen Dia­log zu tre­ten: „Auf ei­ner sach­li­chen Ebe­ne ste­hen wir als BVB im­mer zu Dis­kus­sio­nen mit al­len Grup­pen be­reit. Aber wir ha­ben Gren­zen. Wenn die über­schrit­ten wer­den, kann es kei­ne Ge­sprä­che mehr ge­ben.“

Kind warnt un­ter­des­sen vor ei­nem im­mer grö­ße­ren Ein­fluss der Ul­tras in der Li­ga. „In Mainz ist ein Kan­di­dat, den sie prä­fe­rie­ren, Vor­stands­vor­sit­zen­der ge­wor­den. Hier in Han­no­ver sind sie auch da­bei, sich im Ver­ein ein­zu­brin­gen“, sag­te er, und hofft, dass es nicht so weit kommt, „dass Leu­te die Mehr­hei­ten be­kom­men, die ei­nen Ver­ein in das En­de füh­ren wür­den.“

Zweit­li­gist 1. FC Hei­den­heim griff ge­gen Ul­tras der ei­ge­nen Fan­sze­ne ges­tern hart durch. Weil 13 Mit­glie­der der Grup­pie­rung „Fa­na­ti­co Boys“im Heim­spiel ge­gen Ar­mi­nia Bie­le­feld ein gro­ßes Ban­ner mit be­lei­di­gen­dem In­halt aus­ge­rollt hat­ten, wur­den sie mit ei­nem Sta­di­on­ver­bot be­legt. Der FCH war für das Fehl­ver­hal­ten sei­ner Fans mit ei­ner 5000-Eu­roS­tra­fe durch den DFB be­legt wor­den. Die­sen Be­trag for­dert der Klub in ei­nem be­reits ein­ge­lei­te­ten Zi­vil­ver­fah­ren von den tat­be­tei­lig­ten Per­so­nen ein. Sie­ben der 13 Ul­tras dür­fen ein Jahr lang we­der das Sta­di­on noch die „bei Heim­spie­len (und al­len an­de­ren Ver­an­stal­tun­gen) durch den Ver­ein ge­nutz­ten öf­fent­li­chen Flä­chen“be­tre­ten. Ge­gen zwei Per­so­nen wur­de ein sechs­mo­na­ti­ges Haus­ver­bot aus­ge­spro­chen, vier wei­te­re Per­so­nen er­hiel­ten ein zwölf­mo­na­ti­ges – zu­nächst zur Be­wäh­rung aus­ge­setz­tes – Haus­ver­bot. Ge­gen die zehn Ul­tras, die auch Mit­glied im Ver­ein sind, sei­en Aus­schluss­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet.

Auf das Trans­pa­rent hat­ten die Ul­tras die für die Sze­ne ty­pi­sche Hass­pa­ro­le für Po­li­zis­ten ge­schrie­ben: „All Cops are bas­tards“– „al­le Po­li­zis­ten sind Bas­tar­de“. Laut ei­nem Be­schluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts von 2016 ist die Wie­der­ga­be der Pa­ro­le im öf­fent­li­chen Raum nicht oh­ne Wei­te­res straf­bar. Da­für müs­se sich die Be­lei­di­gung auf ei­ne hin­rei­chend über­schau­ba­re und ab­ge­grenz­te Per­so­nen­grup­pe be­zie­hen.

Fo­tos: imago (Huebner (2), Hilse

Pro­tes­te, Pa­ro­len, Pro­vo­ka­tio­nen – Ul­tras be­stim­men das Bild in den Kur­ven. Der Kon­flikt mit Ver­ei­nen und Ver­bän­den soll auf die Spit­ze ge­trie­ben wer­den.

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