Land­schaft als Ge­dächt­nis des Krie­ges

Uwe Ap­pold zeigt im Erich-Ma­ria-Re­mar­que-Frie­dens­zen­trum Kunst­wer­ke zur Schlacht von Ver­dun

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional -

Der Zy­klus „14/18. Bil­der zur Schlacht um Ver­dun“von Uwe Ap­pold ist ab Frei­tag im Erich-Ma­ri­aRe­mar­que-Frie­dens­zen­trum zu se­hen. Mit im­po­san­ten Wer­ken er­in­nert der Künst­ler da­bei an die Grau­sam­keit des Ers­ten Welt­kriegs.

Von Yan­nick Rich­ter

Ob­wohl die an der Maas ge­le­ge­ne Stadt Ver­dun im Nord­os­ten Frank­reichs gera­de ein­mal knapp 20 000 Ein­woh­ner hat, ist sie ei­nem brei­ten Pu­bli­kum be­kannt. Die Um­ge­bung von Ver­dun ist als Schau­platz ei­ner der schreck­lichs­ten und ver­lust­reichs­ten Schlach­ten des Ers­ten Welt­kriegs in die Ge­schich­te ein­ge­gan­gen. In ei­nem Bil­der­zy­klus mit fünf groß­for­ma­ti­gen Kunst­wer­ken er­in­nert Uwe Ap­pold im Foy­er des Erich-Ma­ria-Re­mar­que-Frie­dens­zen­trums an die gan­ze Grau­sam­keit die­ses Er­eig­nis­ses.

Um sich selbst ein Bild von dem Ort zu ma­chen, an dem im Jah­re 1916 meh­re­re Hun­dert­tau­send fran­zö­si­sche und deut­sche Sol­da­ten ums Le­ben ka­men, reis­te Ap­pold 2013 zu den Schlacht­fel­dern bei Ver­dun. Ein Jahr spä­ter – 100 Jah­re nach Be­ginn des Ers­ten Welt­kriegs – prä­sen­tier­te er die 212 mal 144 Zen­ti­me­ter gro­ßen Wer­ke erst­mals der Öf­fent­lich­keit.

In­spi­riert von Ar­nold Zweigs Ro­man „Er­zie­hung von Ver­dun“ist da­bei ein ein­drucks­vol­ler Zy­klus ent­stan­den, dem der 75-Jäh­ri­ge mit ori­gi­na­len Ma­te­ria­len aus Ver­schüt­tet im Schüt­zen­gra­ben: Das Pa­tro­nen­täsch­chen ei­nes Sol­da­ten ist für den Be­ob­ach­ter zum Grei­fen nah.

Frank­reich glei­cher­ma­ßen Ex­tra­va­ganz und Au­then­ti­zi­tät ver­leiht.

Nach der Er­öff­nung heu­te Abend durch Bür­ger­meis­ter Burk­hard Jas­per und den Lei­ter des Re­mar­que-Zen­trums Tho­mas F. Schnei­der ist

die Aus­stel­lung „14/18. Bil­der zur Schlacht um Ver­dun“nun auch hier zu se­hen.

„Die Bil­der zei­gen die Land­schaft als Ge­dächt­nis des Krie­ges“, sagt Ap­pold. Je­des der fünf Bil­der stellt da­bei ein Kriegs­jahr dar: Im­po­sant: Ne­ben Acryl­far­ben nutz­te Ap­pold auch ori­gi­na­le Ma­te­ria­li­en aus Frank­reich.

1914 in gro­ßer Hö­he an­ge­fan­gen, nimmt der Künst­ler den Be­ob­ach­ter in fünf Schrit­ten mit, bis er letzt­end­lich 1918 un­ter der Er­de an­kommt.

Der ers­te Teil der Rei­he zeigt das da­ma­li­ge Schlacht­feld

an­hand ei­ner ak­tu­el­len Luft­bild­auf­nah­me aus ei­ner Hö­he von 1000 Me­tern. Ne­ben Acryl­far­be ar­bei­te­te Ap­pold da­für auch Er­de aus der „Ro­ten Zo­ne“, ei­nem Ge­biet in der ehe­ma­li­gen Kampf­re­gi­on, das bis heu­te nicht be­tret­bar ist, weil der Bo­den vol­ler Gra­na­ten, Gift­gas und un­be­stat­te­ter Sol­da­ten ist, ein.

Das zwei­te Bild ba­siert auf ei­ner Luft­bild­auf­nah­me von 1915. Aus et­wa 800 Me­ter Hö­he zeigt es das Fort de Douau­mont, das von ers­ten Tref­fern der deut­schen Ar­til­le­rie ge­kenn­zeich­net ist.

Auf dem drit­ten Bild – aus ei­ner Hö­he von 400 Me­tern – ist das Fort be­reits kom­plett durch­lö­chert, wäh­rend der vier­te Teil der Rei­he die völ­li­ge Zer­stö­rung des Dor­fes Fleu­ry dar­stellt. Der Be­ob­ach­ter be­fin­det sich mitt­ler­wei­le nur noch knapp über der Er­de und nimmt durch Ap­polds Ein­satz von Holz­stü­cken, Er­de und St­a­chel­draht den bra­chia­len Un­ter­gang spür­bar wahr.

Im Schluss­bild ist der Be­trach­ter un­ter der Er­de an­ge­kom­men. Zum En­de von Ap­polds Zy­klus ist ein ver­schüt­te­ter fran­zö­si­scher Sol­dat zu er­ah­nen. Klar zu er­ken­nen sind sein blau­er Man­tel und ein Pa­tro­nen­täsch­chen, wäh­rend der Schüt­zen­gra­ben un­ter ei­ner Ex­plo­si­on zu­sam­men­bricht. Die Grau­sam­keit des Krie­ges ver­deut­licht Ap­pold im letz­ten Bild sei­ner Rei­he mit dem Lei­den ei­nes ein­zel­nen Sol­da­ten, der für den Be­trach­ter zum Grei­fen nah ist. „Der Blick geht un­ter die Er­de. Wir wer­den Zeu­gen ei­ner Grab­le­gung“, fasst Ap­pold das Schluss­bild zu­sam­men.

„14/18. Bil­der zur Schlacht um Ver­dun“, Aus­stel­lung von Uwe Ap­pold, Erich-Ma­ria-Re­mar­que-Frie­dens­zen­trum (Markt 6): bis 8. Ok­to­ber, Di.–Fr. 10–13 Uhr und 15–17 Uhr, Sa. und So. 11–17 Uhr.

Fo­tos: Da­vid Ebe­ner

Er­in­nert an den Ers­ten Welt­krieg: Uwe Ap­pold mit dem Zy­klus „14/18. Bil­der zur Schlacht um Ver­dun“.

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