Im­mer mehr Paa­re wün­schen sich ei­ne freie Trau­ung

Hoch­zeits­red­ner re­gis­trie­ren Trend zu mehr In­di­vi­dua­li­tät bei der Ehe­schlie­ßung

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Freie Trau­un­gen lie­gen im Trend: Im­mer mehr Paa­re ent­schei­den sich für ei­ne Hoch­zeits­ze­re­mo­nie ab­seits kirch­li­cher Ri­ten – auch in Os­na­brück.

Iris Kram­pe ar­bei­tet seit 2010 als Hoch­zeits­red­ne­rin. In ih­rer An­fangs­zeit ha­be sie kaum An­fra­gen für ei­ne freie Trau­ung er­hal­ten, sagt sie im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on. Pro Jahr sei es viel­leicht mal ei­ne bis zwei Bu­chun­gen ge­we­sen. Das ha­be sich mitt­ler­wei­le mas­siv ver­än­dert. „Freie Trau­un­gen boo­men in Os­na­brück“, sagt die 47-Jäh­ri­ge und un­ter­mau­ert die­se The­se auch mit Zah­len: Rund 20-mal pro Jahr tritt sie nach ei­ge­nen An­ga­ben nun­mehr als Red­ne­rin bei frei­en Trau­un­gen für Os­na­brü­cker Paa­re auf. „In den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat sich der Be­darf kom­plett ver­än­dert. Je­des Jahr ist es mehr ge­wor­den“, be­rich­tet Kram­pe.

Bei ei­ner frei­en Trau­ung spielt es kei­ne Rol­le, wel­che Kon­fes­si­on die Part­ner ha­ben oder ob sie be­reits schon mal kirch­lich ver­hei­ra­tet wa­ren. Die Paa­re ent­schei­den völ­lig frei, wie die Trau­ung aus­se­hen und wo sie statt­fin­den soll, wer als Red­ner auf­tritt oder wel­che Ri­tua­le ei­ne Rol­le spie­len sol­len. Durch­ge­führt wer­den die­se Trau­un­gen von selbst­stän­di­gen Theo­lo­gen oder Hoch­zeits­red­nern.

Den Gang auf das Stan­des­amt kann ei­ne freie Trau­ung al­ler­dings nur er­gän­zen, nicht aber er­set­zen. Denn nur bei ei­nem Stan­des­be­am­ten kann ei­ne rechts­gül­ti­ge Ehe ge­schlos­sen wer­den.

Die Grün­de für die At­trak­ti­vi­tät von frei­en Trau­un­gen sei­en zahl­reich, sagt Iris Kram­pe. Ein we­sent­li­cher sei aber die In­di­vi­dua­li­tät. Fern­seh­for­ma­te, in de­nen pro­mi­nen­te Paa­re ih­re ei­ge­ne Hoch­zeit vor ei­nem Mil­lio­nen­pu­bli­kum

„Die freie Trau­ung lebt von der Ge­schich­te des Paa­res“ Iris Kram­pe, Hoch­zeits­red­ne­rin

ze­le­brie­ren, hät­ten die­sen An­spruch noch wei­ter ver­stärkt.

„Die freie Trau­ung lebt von der Ge­schich­te des Paa­res. Das Paar und sei­ne Lie­be ste­hen im Vor­der­grund – und das ist be­son­ders ro­man­tisch“, fin­det Kram­pe.

Die­ser Wunsch nach In­di­vi­dua­li­tät sei in den ver­gan­ge­nen Jah­ren vor al­lem aus den USA nach Eu­ro­pa im­por­tiert wor­den, er­gänzt Kram­pes Kol­le­gin, die Mel­ler Hoch­zeits­red­ne­rin Do­re­en Wer­ding. Auch sie re­gis­triert den Trend zu frei­en Trau­un­gen. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren hät­ten sich die An­fra­gen bei ihr mehr als ver­dop­pelt, be­rich­tet sie.

Ei­nen wei­te­ren Grund für den Boom sieht sie dar­in, dass sich im­mer mehr Men­schen von der In­sti­tu­ti­on Kir­che ent­frem­det ha­ben. „Vie­le sa­gen zwar, dass sie sehr wohl noch gläu­big sind, aber sie ha­ben kei­ne Ver­bin­dung mehr zur Kir­che oder ge­hen ein­fach nicht mehr zum Got­tes­dienst“, so Wer­ding, die auch Paa­re in Os­na­brück traut.

Die Ver­lieb­ten ha­ben im Üb­ri­gen auch bei der frei­en Trau­ung die Op­ti­on, re­li­giö­se Ele­men­te ein­flie­ßen zu las­sen, zum Bei­spiel, wenn der ei­ge­ne Tauf­spruch oder Für­bit­ten vor­ge­le­sen wer­den. Das kom­me durch­aus häu­fig vor, be­rich­ten Kram­pe und Wer­ding über­ein­stim­mend.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.