Das Ab­sur­de im All­täg­li­chen

Do­ku­men­ta­ti­on zum 75. Ge­burts­tag von Eve­lyn Ha­mann

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Medien / Fernsehen - Heu­te, 22 Uhr, NDR. Mehr er­fah­ren Sie auf noz.de/me­di­en

Wer an Eve­lyn Ha­mann denkt, hat zu­meist gleich Lo­ri­ot im Kopf. Doch die Schau­spie­le­rin hat nicht nur in sei­nen Sket­chen Frau­en bril­lant ver­kör­pert. Am 6. Au­gust wä­re Ha­mann 75 Jah­re alt ge­wor­den. Ei­nen Blick auf ihr Le­ben wirft der NDR nun in ei­ner se­hens­wer­ten Do­ku.

Von Ma­rie-Lui­se Braun

Als Eve­lyn Ha­mann in den 1980er-Jah­ren bei Wim Tho­el­ke in ei­ner Sen­dung von „Der gro­ße Preis“zu Gast war, ver­such­te er ei­nen char­man­ten Ge­sprächs­ein­stieg: „Sie sind ja ei­ne sehr schö­ne Frau . . .“, setz­te der Show­mas­ter an. Der Rest des Sat­zes ging im herz­li­chen Ge­läch­ter von Eve­lyn Ha­mann un­ter. Tho­el­ke wand sich pein­lich be­rührt. Es ist wohl auch ih­re Fä­hig­keit zur Selbst­iro­nie, die sie so be­liebt ge­macht hat.

Der NDR wirft jetzt aus An­lass ih­res 75. Ge­burts­tags und zehn Jah­re nach ih­rem Tod ei­nen Blick auf das Le­ben und die Ar­beit von Eve­lyn Ha­mann. So­weit es in Be­zug auf ihr Le­ben eben geht – denn Pri­va­tes be­hielt die ge­bür­ti­ge Ham­bur­ge­rin gern für sich: „Es ist mei­ne Kunst, wes­we­gen ich an­ge­spro­chen wer­de. Und das Tol­le ist, dass das Pu­bli­kum das schätzt“, sag­te sie ein­mal in ei­nem In­ter­view auf ei­ne Fra­ge in die­se Rich­tung.

Hier bie­tet auch die Do­ku­men­ta­ti­on des NDR kaum neue Ein­bli­cke. Of­fen­bar hal­ten sich auch en­ge Freun­de und Kol­le­gen lan­ge Jah­re nach dem Tod re­spekt­voll an den Wunsch der Schau­spie­le­rin nach Pri­vat­sphä­re. Le­dig­lich Hans-Walt­her Braun, mit dem Ha­mann von 1964 bis 1976 ver­hei­ra­tet war, äu­ßert sich über sei­ne Zeit mit ihr. Aber auch er hält sich weit­ge­hend zu­rück.

Den­noch kommt ih­re Per­sön­lich­keit au­ßer­halb der Rol­len, von de­nen ei­ni­ge ge­zeigt wer­den, zum Tra­gen: Zum ei­nen durch Aus­schnit­te aus Fern­seh-In­ter­views und Talk­shows, an de­nen Eve­lyn Ha­mann teil­ge­nom­men hat, zum an­de­ren er­zäh­len lang­jäh­ri­ge Weg­ge­fähr­ten vom Film von Eve­lyn Ha­manns Per­sön­lich­keit. Dar­un­ter der Pro­du­zent Mar­kus Tre­bitsch, der Re­gis­seur Ste­fan

Luk­s­chy und der Schau­spie­ler Ger­hard Gar­bers, der in der Se­rie „Adel­heid und ih­re Mör­der“lan­ge Jah­re ih­ren Ex-Ehe­mann ge­spielt hat.

Das ist über­wie­gend in­ter­es­sant und un­ter­halt­sam an­zu­hö­ren. War­um aber aus­ge­rech­net Hel­la von Sin­nen sich zu Film­aus­schnit­ten mit Eve­lyn Ha­mann äu­ßert, ist kaum zu er­klä­ren, vor al­lem dann, wenn sie Din­ge sagt, die der Zu­schau­er auch oh­ne ih­re Nach­hil­fe be­merkt, wie: „Da hört man, was für ei­ne glo­cken­rei­ne Stim­me sie hat und wie gut sie sin­gen kann, die Frau Ha­mann. Pri­ma!“und: Nein, schön sei Eve­lyn Ha­mann nicht, aber wan­del­bar sei ihr Ge­sicht ge­we­sen. Der Satz ist gera­de von ei­ner Frau, die sich dem Feminismus ver­schrie­ben hat, mehr als pein­lich.

Zu­mal von Sin­nen kei­nen Zu­sam­men­hang zum Le­ben von Ha­mann her­stellt. Ha­manns mar­kan­tes Äu­ße­res hat­te da­für ge­sorgt, dass ih­re Kar­rie­re nur schlep­pend in Gang kam, wie sie selbst in In­ter­views sag­te: „Ich war nun mal nicht der Pro­to­typ des Gret­chens, nicht im Min­des­ten hold und lieb­lich. Ich such­te ver­zwei­felt nach Rol­len.“

Wie es dann wei­ter­ging und wie die kon­ge­nia­le Zu­sam­men­ar­beit mit Vic­co von Bü­low (Lo­ri­ot) be­gann, wird in der Do­ku ge­zeigt, und auch wenn das nicht neu ist, wird es un­ter­halt­sam er­zählt. Es folg­ten Frau Hop­pen­stedt und das Jo­del­di­plom, Frau Din­kel im Ses­sel ih­res Chefs, Hil­de­gard und die Nu­del und wei­te­re Rol­len, die auch in der 100. Wie­der­ho­lung nicht lang­wei­lig wer­den. Vie­le Tex­te sind als Zi­ta­te in die All­tags­spra­che ein­ge­gan­gen, wie „Sa­gen sie jetzt nichts“oder „Sie ma­chen mich ganz ver­rückt“und „Ach“. Auch mit ei­nem ein­zi­gen Wort konn­te sie das Ab­sur­de im All­täg­li­chen her­aus­ar­bei­ten.

Auch wenn der Film am An­fang auf Ha­mann als „Lo­ri­ots ge­nia­le Part­ne­rin“hin­weist, wür­digt er auch ih­re an­de­ren Rol­len, mit de­nen sie im Fern­se­hen er­folg­reich war. Da­zu zählt „Adel­heid und ih­re Mör­der“, in der sie in sechs Staf­feln 65 Fol­gen lang da­bei zu se­hen war, wie sie als Se­kre­tä­rin an ih­rem Chef vor­bei Mord­fäl­le auf­klärt. Un­ver­ges­sen auch ihr Auf­tritt, mit dem sie „Schwarz­wald­kli­nik“adel­te. In der Hei­le-Welt-Se­rie um Pro­fes­sor Brink­mann durf­te sie von 1986 bis 1989 als zu­nächst stren­ge Haus­häl­te­rin Cars­ta Michae­lis lang­sam auf­tau­en, ihr Herz für Män­ner ent­de­cken – und auch so ih­re Wan­del­bar­keit be­wei­sen. So viel­fäl­tig wie bei Lo­ri­ot durf­te sie sich aber al­len­falls in der Rei­he „Ge­schich­ten aus dem Le­ben“prä­sen­tie­ren, in der sie von 1993 bis 2005 in die un­ter­schied­lichs­ten Rol­len schlüpf­te.

Eve­lyn Ha­mann – sie war tat­säch­lich fa­bel­haft. Star­ke Do­kus:

Fo­to: dpa

Ihr mar­kan­tes Äu­ße­res hat die Su­che nach Rol­len schwie­rig ge­macht, sag­te Schau­spie­le­rin Eve­lyn Ha­mann.

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