An­spruch oft nur schwer durch­setz­bar

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Leserbriefe -

Zum Ar­ti­kel „Hür­den hoch, aber über­wind­bar – 20-jäh­ri­ger Flücht­ling aus Eri­trea be­ginnt am 1. Au­gust Aus­bil­dung bei Stahlo­tec“(Aus­ga­be vom 29. Ju­li).

„Als Eh­ren­amt­li­che, die als Pa­tin­nen ver­su­chen, ei­nen Ge­flüch­te­ten zu un­ter­stüt­zen, kön­nen wir nur bei­pflich­ten: Den jun­gen Men­schen wird es ver­dammt schwer ge­macht, hier be­ruf­lich Fuß zu fas­sen.

Das Haupt­hin­der­nis ist, die Ar­beits­er­laub­nis von der Aus­län­der­be­hör­de zu er­lan­gen. Oft klapp­te es erst, wenn wir mit rechts­an­walt­li­cher Un­ter­stüt­zung der Aus­län­der­be­hör­de deut­lich ma­chen konn­ten, dass der Be­trof­fe­ne sehr wohl ein An­recht auf ei­nen Aus­bil­dungs­platz oder Ar­beits­platz hat. Oh­ne ein en­er­gi­sches Auf­tre­ten der Pa­tin bei der Aus­län­der­be­hör­de bleibt das Recht oft auf der Stre­cke – und das ist ein Skan­dal.

In dem Ar­ti­kel gibt der In­te­gra­ti­ons­mo­de­ra­tor der IHK, Herr Gün­gör­dü, an, dass ein ,ge­si­cher­ter Auf­ent­halts­sta­tus‘ Gr­und­vor­aus­set­zung für die Be­schäf­ti­gung be­zie­hungs­wei­se Aus­bil­dung ei­nes Ge­flüch­te­ten sei. Was ver­steht er un­ter ei­nem ,ge­si­cher­ten Auf­ent­halts­sta­tus‘ ? Wenn er da­mit die drei­jäh­ri­ge oder ein­jäh­ri­ge Auf­ent­halts­er­laub­nis meint, die ein Ge­flüch­te­ter nur er­hält, wenn sein Asyl­an­trag an­er­kannt wor­den ist, dann stimmt sei­ne Aus­sa­ge nicht. Denn auch Ge­flüch­te­te, die noch im Asyl­ver­fah­ren ste­hen und die ei­ne Auf­ent­halts­ge­stat­tung ha­ben, dür­fen schon nach drei Mo­na­ten ar­bei­ten be­zie­hungs­wei­se ei­ne Aus­bil­dung be­gin­nen. (Dies gilt al­ler­dings nur für Men­schen, die nicht aus ,si­che­ren Her­kunfts­län­dern‘ kom­men.) Auch die Per­so­nen, die Wi­der­spruch ge­gen ih­re Ab­leh­nung ein­ge­legt ha­ben, ste­hen wie­der im Asyl­ver­fah­ren. Ge­flüch­te­te, de­ren Asyl­an­trag ab­ge­lehnt wur­de, die aber ei­ne Dul­dung er­hal­ten ha­ben, weil es ein Ab­schie­be­hin­der­nis gibt, dür­fen auch ar­bei­ten oder ei­ne Aus­bil­dung be­gin­nen. Al­ler­dings gilt für bei­de Grup­pen bis zum 15. Mo­nat ih­res Auf­ent­halts in Deutsch­land, dass sie ei­nen be­stimm­ten Ar­beits­platz nur be­kom­men dür­fen, wenn es kei­nen an­de­ren Be­wer­ber gibt, der Vor­rang hät­te – sprich: der deut­scher Staats­bür­ger oder EUBür­ger ist. Die­se Vor­rang­prü­fung gilt nicht für Aus­bil­dun­gen. [. . .] Und es gibt Ar­beit­ge­ber, die nicht nur an ihr Nach­wuchs­pro­blem den­ken, son­dern auch sich freu­en, dass sie je­man­dem durch ei­nen Aus­bil­dungs­platz mög­li­cher­wei­se das Le­ben ret­ten kön­nen.“

Dr. Re­na­te Vest­ner-Heise Os­na­brück

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.