CDU in Nie­der­sach­sen im Auf­wind

Um­fra­ge sieht Par­tei vor­ne – Land­tag vor Selbst­auf­lö­sung – Streit um VW-An­tei­le Nach dem Ver­lust ih­rer Mehr­heit im Land­tag kön­nen SPD und Grü­ne der­zeit nicht dar­auf hof­fen, nach der Neu­wahl am 15. Ok­to­ber er­neut die Re­gie­rung zu stel­len. Aber auch für CDU

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Front Page - Von Dirk Fis­ser, Uwe West­dörp und Klaus Wie­sche­mey­er

Wä­re am Sonn­tag Land­tags­wahl, kä­me die SPD auf 32 Pro­zent der Stim­men (2013: 32,6 Pro­zent). Die Grü­nen lie­gen bei 9 Pro­zent (13,7). Das ist das Er­geb­nis ei­ner Um­fra­ge von In­fra­test di­map im Auf­trag des Nord­deut­schen Rund­funks, die am Don­ners­tag ver­öf­fent­licht wur­de.

Die CDU, die bei der Land­tags­wahl vor vier Jah­ren 36,0 Pro­zent er­reicht hat­te, wür­de mit 40 Pro­zent er­neut stärks­te Par­tei. Die wei­te­ren Wer­te: FDP 7 Pro­zent (9,9), Lin­ke 3 Pro­zent (3,1), AfD 6 Pro­zent (2013 nicht da­bei).

Ei­ne ausgeprägte Wech­sel­stim­mung im Land sei nicht fest­stell­bar, hieß es wei­ter. 42 Pro­zent der Wahl­be­rech­tig­ten be­für­wor­ten der Um­fra­ge zu­fol­ge zwar ei­ne SPD-ge­führ­te Lan­des­re­gie­rung, 41

Pro­zent sä­hen lie­ber die CDU an der Re­gie­rungs­spit­ze. Bei ei­ner Di­rekt­wahl wür­de Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil (SPD) laut NDR mit 45 Pro­zent deut­lich bes­ser ab­schnei­den als sein Her­aus­for­de­rer Bernd Al­t­hus­mann (CDU), der in der Um­fra­ge 34 Pro­zent er­reicht. Al­ler­dings büß­te Weil deut­lich an Po­pu­la­ri­tät ein.

Der Land­tag in Han­no­ver stell­te un­ter­des­sen die Wei­chen

für ei­ne vor­ge­zo­ge­ne Neu­wahl. Al­le Frak­tio­nen spra­chen sich am Don­ners­tag bei ei­ner Son­der­sit­zung des Lan­des­par­la­ments in Han­no­ver da­für aus, die Ab­stim­mung am 15. Ok­to­ber ab­zu­hal­ten. Da­für nö­tig ist ei­ne Auf­lö­sung des Land­tags, dar­über ab­stim­men wol­len die Ab­ge­ord­ne­ten am 21. Au­gust. Die Land­tags­de­bat­te wur­de do­mi­niert vom Wech­sel der frü­he­ren Grü­nen-Ab­ge­ord­ne­ten El­ke Twes­ten zur CDU. Mit dem Über­tritt hat­te Ro­tG­rün am ver­gan­ge­nen Frei­tag über­ra­schend ih­re Ein­Stim­men-Mehr­heit ver­lo­ren. Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil brand­mark­te den Wech­sel als „schäd­lich für die De­mo­kra­tie“.

Der Mi­nis­ter­prä­si­dent warn­te zu­dem da­vor, VW zum Wahl­kampf­the­ma zu ma­chen. Weil spiel­te da­mit auf die Be­rich­te über ei­ne mit dem Kon­zern ab­ge­stimm­te Re­gie­rungs­er­klä­rung an. Ei­ne Be­tei­li­gung des Lan­des Nie­der­sach­sen sei „für das Lan­des­wohl von größ­tem In­ter­es­se“, er­klär­te er.

Un­ter­des­sen geht die De­bat­te um den Um­gang mit VW auf Bun­des­ebe­ne un­ver­min­dert wei­ter: Grü­nen­Spit­zen­kan­di­da­tin Ka­trin Gö­ring-Eckardt hat FDP-Par­tei­chef Chris­ti­an Lind­ner in der De­bat­te um ei­ne Tren­nung von VW-Kon­zern und dem Land Nie­der­sach­sen „Schaum­schlä­ge­rei“vor­ge­wor­fen. Im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on sag­te die Frak­ti­ons­che­fin der Grü­nen im Bun­des­tag: „Die FDP in Nie­der­sach­sen steht wie ei­ne Bank hin­ter dem VW-Ge­setz und wird das wei­ter tun.“Der Bun­des­chef der Li­be­ra­len wis­se das, sin­ge aber trotz­dem das „Ho­he­lied der rei­nen Markt­wirt­schaft“. Gö­ring-Eckardt emp­fahl Lind­ner: „Auch Image­pfle­ge braucht ein biss­chen Rea­li­täts­sinn und Glaub­wür­dig­keit.“

Bei Volks­wa­gen ist un­ter­des­sen ei­ne Un­ter­schrif­ten­kam­pa­gne ge­gen den Miss­brauch des Kon­zerns als Wahl­kampf­in­stru­ment an­ge­lau­fen. Die IG Me­tall rief al­le 120 000 Be­schäf­tig­ten in Deutsch­land auf, sich in die Lis­ten ein­zu­tra­gen.

Was muss­te sich El­ke Twes­ten in den ver­gan­ge­nen Ta­gen nicht al­les an­hö­ren: So­gar von Ver­rat war die Re­de, nach­dem die Grü­nen-Ab­ge­ord­ne­te zur CDU ge­wech­selt war und da­mit die rot-grü­ne Mehr­heit im Land­tag ge­kippt hat­te. Ges­tern setz­te es wei­te­re Schel­te, als das Lan­des­par­la­ment Neu­wah­len vor­be­rei­te­te. Zu­dem stößt das Ver­hal­ten der Ab­ge­ord­ne­ten auch bei vie­len Wäh­lern auf Kri­tik, wie ei­ne Um­fra­ge zeigt.

Dass Twes­ten, die über die Lan­des­lis­te der Grü­nen ins Par­la­ment ge­wählt wor­den war, ihr Man­dat mit­ge­nom­men hat, fin­den 72 Pro­zent der Wahl­be­rech­tig­ten im Land nicht in Ord­nung. Das er­gab ei­ne Um­fra­ge von In­fra­test di­map im Auf­trag des NDR. Bei den An­hän­gern der Grü­nen ist die Kri­tik er­war­tungs­ge­mäß am stärks­ten ver­brei­tet. In die­ser Grup­pe plä­die­ren 93 Pro­zent auf „nicht rich­tig“. Bei den SPD-An­hän­gern fällt die Ab­leh­nung mit 91 Pro­zent kaum ge­rin­ger aus. Auch 57 Pro­zent der CDU-An­hän­ger leh­nen den Schritt ab. Die Da­ten wur­den am Di­ens­tag und Mitt­woch er­ho­ben – al­so we­ni­ge Ta­ge nach dem Wech­sel von Twes­ten zur CDU am ver­gan­ge­nen Frei­tag.

Und wem nutzt nun das Ver­hal­ten der Ab­ge­ord­ne­ten und das vor­zei­ti­ge En­de der Le­gis­la­tur­pe­ri­ode? Die Op­po­si­ti­on wer­de pro­fi­tie­ren, mei­nen 43 Pro­zent der Be­frag­ten. Elf Pro­zent nann­ten die bis­he­ri­ge rot-grü­ne Lan­des­re­gie­rung. 37 Pro­zent mein­ten in­des­sen, am En­de wer­de kei­ne von bei­den Sei­ten ei­nen Nut­zen ha­ben.

Zwar ist die CDU ak­tu­ell mit 40 Pro­zent die mit wei­tem Ab­stand stärks­te Par­tei. Ei­ne mehr­heit­li­che Wech­sel­stim­mung ist laut In­fra­test di­map aber nicht zu er­ken­nen. Eher macht sich ei­ne ge­wis­se Skep­sis so­wohl ge­gen­über SPD als auch ge­gen­über der CDU breit. Nur noch 42 Pro­zent (Ja­nu­ar 2013: 48 Pro­zent) wün­schen sich ei­ne Re­gie­rung un­ter SPD-Füh­rung. Für ei­ne CDUFüh­rung plä­die­ren 41 Pro­zent, (vor­her 44 ).

Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil (SPD) bleibt trotz der ak­tu­el­len Re­gie­rungs­kri­se ver­gleichs­wei­se be­liebt. Bei ei­ner Di­rekt­wahl wür­de er laut der Um­fra­ge mit 45 Pro­zent deut­lich bes­ser ab­schnei­den als sein Her­aus­for­de­rer Bernd Al­t­hus­mann von der CDU (34 Pro­zent). Weil kann zu­dem für sich gel­tend ma­chen, dass im­mer noch 53 Pro­zent der Be­frag­ten mit der Ar­beit der Lan­des­re­gie­rung zu­frie­den sind.

Dies gilt frei­lich nicht für die Ent­schei­dung, ei­ne Re­gie­rungs­er­klä­rung eng mit der VW-Zen­tra­le ab­zu­stim­men. Das be­zeich­nen 59 Pro­zent als „nicht rich­tig“.

Um­ringt von Me­di­en­ver­tre­tern im Land­tag: die neue CDU-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te El­ke Twes­ten (Mit­te, ne­ben Hans-Hein­rich Eh­len). Fo­to: dpa

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