Er­neut Lei­chen­tei­le in Ham­burg ent­deckt

Po­li­zei: Tä­ter ver­teil­te Lei­che von Pro­sti­tu­ier­ter über das Stadt­ge­biet Die­ser Fall lässt je­den schau­dern und wirft vie­le Fra­gen auf: Ges­tern sind er­neut Kör­per­tei­le der 48 Jah­re al­ten, ge­tö­te­ten Afri­ka­ne­rin in ei­nem Ka­nal im Wes­ten von Ham­burg auf­ge­tauch

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Front Page - Von Bar­ba­ra Glo­se­mey­er

Po­li­zei­tau­cher ha­ben wei­te­re Lei­chen­tei­le im Gold­bek­ka­nal in Ham­burg ge­fun­den. Die Wahr­schein­lich­keit ist hoch, dass es Kör­per­tei­le ei­ner ge­tö­te­ten Pro­sti­tu­ier­ten sind – und dass der Tä­ter sie ab­sicht­lich über die Stadt ver­teilt hat.

Die Frau stamm­te aus Äqua­to­ri­al­gui­nea an der West­küs­te Afri­kas und hat­te als Pro­sti­tu­ier­te auf dem Hansa­platz in St. Ge­org ge­ar­bei­tet. Seit dem 1. Au­gust war sie nicht mehr ge­se­hen wor­den. Ei­nen Hin­weis auf die Iden­ti­tät der To­ten hat­te die HVV-Abo­kar­te der Frau am ers­ten Fund­ort ge­ge­ben.

Die ers­ten Lei­chen­tei­le wa­ren am 3. Au­gust am Elbstrand an der Ham­bur­ger Stadt­gren­ze zu We­del auf­ge­taucht, die letz­ten ges­tern im Gold­bek­ka­nal. Zwi­schen dem ers­ten und vor­läu­fig letz­ten Fund­ort lie­gen mehr als 20 Ki­lo­me­ter. Die Po­li­zei geht des­halb da­von aus, dass der Tä­ter die Frau zer­stü­ckelt und die Kör­per­tei­le über die Ge­wäs­ser der Han­se­stadt ver­teilt hat. Es sei un­wahr­schein­lich, sag­te ein Po­li­zei­spre­cher, dass die Strö­mung die Lei­chen­tei­le bin­nen ei­ner Wo­che über das Stadt­ge­biet ver­teilt ha­be.

Auch ge­hen die Er­mitt­ler da­von aus, dass wei­te­re Kör­per­tei­le der Frau auf­tau­chen. Bis­lang wur­den sie­ben Tei­le an fünf Fund­or­ten in Ris­sen, Bill­brook, Win­ter­hu­de und Ham­mer­brook ge­fun­den. In den meis­ten Fäl­len hat­ten Spa­zier­gän­ger oder Ang­ler auf den Was­ser-Ober­flä­chen trei­ben­de Ge­gen­stän­de ent­deckt und die Po­li­zei alar­miert. Nach dem jüngs­ten Fund ges­tern Mit­tag im Gold­bek­ka­nal im Ham­bur­ger Os­ten such­ten Tau­cher nach wei­te­ren Lei­chen­tei­len in dem Ge­wäs­ser – und wur­den er­neut fün­dig.

Al­le ge­bor­ge­nen Kör­per­tei­le be­fin­den sich in der Ham­bur­ger Rechts­me­di­zin für wei­te­re Ana­ly­sen und Un­ter­su­chun­gen, die Hin­wei­se zur Tat­auf­klä­rung ge­ben kön­nen. So lässt sich an­hand der Lei­chen­tei­le et­wa das Tat­werk­zeug des Mör­ders und die Tat­zeit er­mit­teln.

Die Po­li­zei hält sich zum Stand der Er­mitt­lun­gen aus tak­ti­schen Grün­den be­deckt. Of­fi­zi­ell heißt es, die Mord­kom­mis­si­on er­mit­te­le in al­le Rich­tun­gen, die Er­mitt­ler hät­ten noch kei­ne hei­ße Spur zu dem Tä­ter. Auch zu ei­nem mög­li­chen Hin­ter­grund aus dem Rot­licht­mi­lieu äu­ßert sich die Po­li­zei nicht. Es wer­de fie­ber­haft nach Kon­tak­ten der Frau ge­sucht. Auch Ver­wand­te der Ge­tö­te­ten, die in Spa­ni­en le­ben, sei­en für Ver­neh­mun­gen be­reits in Ham­burg ge­we­sen.

Ähn­li­che Fäl­le er­eig­ne­ten sich nach Aus­kunft des Po­li­zei­spre­chers vor et­wa zehn Jah­ren das letz­te Mal in Ham­burg. Da­mals wur­de Lei­chen­tei­le ei­nes Chi­ne­sen im Als­ter­fleet ge­fun­den. Et­wa in die­sel­be Zeit fällt der Fund ei­nes Kof­fers mit Kör­per­tei­len in Ham­burg-Al­to­na. Bei­de Fäl­le wur­den nicht auf­ge­klärt.

Der Mord an der Pro­sti­tu­ier­ten dürf­te „äl­te­ren Se­mes­tern“den be­rüch­tig­ten Ham­bur­ger Se­ri­en­mör­der Fritz Hon­ka in Er­in­ne­rung ru­fen, der in den 70er-Jah­ren vier Frau­en aus dem Rot­licht­mi­lieu er­mor­de­te und ih­re Lei­chen zer­säg­te. Hon­ka wur­de nach sei­ner Ver­ur­tei­lung in die Psych­ia­trie ein­ge­wie­sen und 15 Jah­re weg­ge­sperrt. Nach sei­ner Frei­las­sung 1993 leb­te er un­be­hel­ligt und un­ter fal­schem Na­men in Sch­ar­beutz, bis er 1998 starb.

Spek­ta­ku­lä­re Kri­mi­nal­fäl­le: Be­rich­te auf noz.de/ver­misch­tes

Er­neut wur­den in Ham­burg Über­res­te der Er­mor­de­ten ent­deckt – dies­mal am Gold­bek­ka­nal. Fo­to: dpa

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