Lang­fris­tig den­ken

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Von Me­la­nie Hei­ke Schmidt

Au­ßen­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el ist zu Be­such im Süd­su­dan. Ei­ne lo­bens­wer­te Rei­se, denn das Land ist zer­mürbt von Ge­walt, Dür­re, Hun­ger und Krank­hei­ten. Die Men­schen flie­hen, vor al­lem in die über­for­der­ten Nach­bar­staa­ten, zu­neh­mend auch gen Eu­ro­pa. Ga­b­ri­els Be­such rückt die ver­zwei­fel­te La­ge der Men­schen wie­der ver­stärkt in den Fo­kus – ei­ne wich­ti­ge Ges­te. Auch sei­ne For­de­rung nach stär­ke­ren Be­mü­hun­gen um Frie­den im jüngs­ten Staat der Welt ist an­ge­mes­sen. Aber der Kon­flikt scheint so fest­ge­fah­ren, dass sie ver­mut­lich we­nig aus­rich­ten wird.

Be­son­ders per­fi­de: Ei­gent­lich ist der Süd­su­dan reich, denn er be­sitzt Erd­öl. Doch seit die Kämp­fe zwi­schen An­hän­gern des Prä­si­den­ten Sal­va Kiir und de­nen sei­nes Ex-Vi­zes Riek Machar aus­ge­bro­chen sind, wird kaum mehr Öl ge­för­dert. Das we­ni­ge, das fließt, bringt nichts ein. Das liegt am Nach­bar­land Su­dan, das für die Durch­lei­tung zum Meer hor­ren­de Ge­büh­ren ver­langt, hin­zu kommt der Öl­preis­ver­fall.

An­ge­sichts der fa­ta­len La­ge drängt sich die Fra­ge auf: Soll der Wes­ten sich über­haupt en­ga­gie­ren? Ja, das soll­te er. Men­schen, die hun­gern und Angst ha­ben, flie­hen. Wer die Spi­ra­le stop­pen will, muss ef­fek­tiv han­deln und lang­fris­tig den­ken. Ge­lingt es, in Afri­kas Kri­sen­staa­ten Per­spek­ti­ven zu schaf­fen, pro­fi­tiert da­von auch Eu­ro­pa – und da­mit Deutsch­land.

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