„Mit hal­ber Kraft kann ich nicht“

Vet­ter nach Su­per­wei­te WM-Fa­vo­rit – Al­le drei deut­schen Speer­wer­fer im Fi­na­le

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport - Von Michael Jo­nas Hö­her, schnel­ler, wei­ter: Mehr von der Leicht­ath­le­tik-WM le­sen Sie auf noz.de/sport

Um 19.10 Uhr Orts­zeit ging ein Rau­nen durchs Olym­pia­sta­di­on. Jo­han­nes Vet­ter hat­te mal eben mit 91,20 Me­tern ein­drucks­voll un­ter­mau­ert, dass er zu den bes­ten Speer­wer­fern der Welt zählt und ein ganz hei­ßer Me­dail­len­kan­di­dat ist. Auch Thomas Röh­ler und Andre­as Hoff­mann ste­hen im Fi­na­le.

„91 Me­ter sind ziem­lich geil. Die Form stimmt und ich bin ver­let­zungs­frei“, strahl­te der am Don­ners­tag­abend über­ra­gen­de Vet­ter. Mit sei­ner Wei­te in der ers­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­g­rup­pe blieb der 24-jäh­ri­ge Of­fen­bur­ger 3,24 Me­ter un­ter sei­ner Jah­res­welt­best­leis­tung und 8,20 Me­ter über der ge­for­der­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­wei­te. Ein Wurf, und lo­cker wei­ter. Das war ei­ne An­sa­ge des deut­schen Re­kord­hal­ters für den End­kampf am Sams­tag.

Wei­ter ha­ben in der Ge­schich­te der Welt­meis­ter­schaf­ten über­haupt nur drei Ath­le­ten ge­wor­fen. Jan Ze­lez­nys Meis­ter­schafts­re­kord (92,80) da­tiert aus dem Jahr 2001 bei der WM in Ed­mon­ton. Dem ge­bür­ti­gen Dresd­ner am nächs­ten in sei­ner Grup­pe kam der Fin­ne Te­ro Pit­ka­ma­ik, der es auf 85,97 Me­ter brach­te. Was für ei­ne Dif­fe­renz. Sport­sol­dat Vet­ter konn­te in sei­ner Wett­kampf­zo­ne ge­müt­lich spa­zie­ren ge­hen.

Nicht so sou­ve­rän qua­li­fi­zier­ten sich Olym­pia­sie­ger Thomas Röh­ler und Andre­as Hof­mann. Der für Je­na star­ten­de Röh­ler schaff­te im zwei­ten Ver­such mit 83,87 Me­ter die Qu­al­fi­ka­ti­ons­wei­te und sag­te da­nach: „Wir ha­ben al­les rich­tig ge­macht und sind zu dritt im Fi­na­le“. Hoff­mann warf 85,62 Me­ter. Bes­ter in die­ser Grup­pe war der Tsche­che Petr Fry­drych (86,22).

Vet­ter ge­noss den Au­gen­blick. „Ich hab schon beim Ein­wer­fen ge­merkt, dass das heu­te weit ge­hen kann. Mit hal­ber Kraft wer­fen kann ich nicht. Ich woll­te die 83 gleich im ers­ten Ver­such schaf­fen, dass es dann 91 ge­wor­den sind, nice to ha­ve. Aber am Sams­tag be­ginnt der Wett­kampf neu“, mein­te er und reich­te gleich ei­ne Be­grün­dung für sei­ne Stär­ke nach. „Wir ha­ben ei­ne Men­ge an mei­ner Tech­nik ge­ar­bei­tet und ge­än­dert. So kom­men auch die­se Leis­tungs­sprün­ge zu­stan­de. In den drei Jah­ren, in de­nen ich jetzt mit Bo­ris ar­bei­te, sind es knapp 15 Me­ter.“

Trai­ner Bo­ris Obergföll blick­te schon ein­mal vor­aus: „Die 91 Me­ter zäh­len am Sams­tag nichts mehr. Wir müs­sen schau­en, dass er dann wie­der so in die Gän­ge kommt.“Der 43-Jäh­ri­ge saß in der Coa­ching-Zo­ne di­rekt ne­ben den Laut­spre­chern. „Da ha­ben sich die Bri­ten rich­tig Mü­he ge­ge­ben. Ich kann mit mei­nen Ath­le­ten nicht kom­mu­ni­zie­ren, au­ßer ich wür­de die Ge­bär­den­spra­che be­herr­schen. Das ma­che ich aber lei­der nicht.“Obergföll füg­te hin­zu: „Aber das muss nicht schlecht sein. Ein be­kann­ter Sport­psy­cho­lo­ge hat ja mal ge­sagt, je we­ni­ger man von au­ßen coacht, des­to bes­ser für die Ath­le­ten.“Und die mach­ten das gut bis sehr gut

Die Do­mi­nanz der deut­schen Speer­wer­fer, die we­gen des gras­sie­ren­den Ma­genDarm-Vi­rus‘ vor­sorg­lich nicht in ei­nem of­fi­zi­el­len Ath­le­ten-Ho­tel un­ter­ge­bracht wur­den, ist so be­acht­lich, dass im Me­dail­len­kampf ei­gent­lich nichts schief­ge­hen kann, auch wenn der Traum von drei­mal Edel­me­tall ein har­tes Stück Ar­beit wer­den wird.

Aus­zah­len kann sich das spür­bar freund­schaft­li­che Ver­hält­nis des bä­ren­star­ken Tri­os wäh­rend des Wett­kamp­fes. „Wir ha­ben ge­gen­über der Kon­kur­renz ei­nen Vor­teil: Wir ha­ben im Fi­na­le zwei wei­te­re, die ein biss­chen un­ter­stüt­zen kön­nen und auch Si­cher­heit ge­ben“, hat­te Röh­ler vor dem Wett­kampf ge­sagt. Vet­ter er­gänz­te: „Wir ha­ben ei­nen gu­ten Team­spi­rit. Wir mo­ti­vie­ren uns un­ter­ein­an­der im Wett­kampf und ver­su­chen uns zu pus­hen.“Das hat schon mal gut ge­klappt.

Fo­to: im­a­go/Be­au­ti­ful Sports

Mit Schwung zur größ­ten Wei­te: Jo­han­nes Vet­ter schleu­dert gleich in sei­nem ers­ten Ver­such den Speer auf 91,20 Me­ter.

Fo­to: dpa

Ein­mal kurz durch­pus­ten: Thomas Röh­ler braucht zwei Ver­su­che für die Qua­li­fi­ka­ti­on.

Fo­to: im­a­go/Be­au­ti­ful Sports

An­fi­xie­ren, an­lau­fen und dann rein ins Fi­na­le: Auch Andre­as Hof­mann schafft die Qua­li­fi­ka­ti­on.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.