Ein Wi­kin­ger als Welt­meis­ter

War­holm fei­ert Gold, muss aber auf Gra­tu­la­tio­nen ver­zich­ten

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport - Von Michael Jo­nas

LON­DON. So ei­nen Ty­pen braucht die Leicht­ath­le­tik. Kars­ten War­holm ist nicht nur sen­sa­tio­nel­ler Welt­meis­ter über 400 Me­ter Hür­den, erst ist auch ein En­ter­tai­ner auf sym­pa­thi­sche Art. Mit dem Wi­kin­ger­helm ging er auf die Eh­ren­run­de. Was wie ei­ne Slap­stick­num­mer des Nor­we­gers wirk­te, war die er­fri­schen­de Ei­gen­in­sze­nie­rung ei­nes Man­nes, den nie­mand als Cham­pi­on auf der Rech­nung hat­te.

„Ich dan­ke dir, Lon­don, ich glau­be es wirk­lich nicht. Ich ha­be so hart ge­ar­bei­tet, aber ich weiß nicht, was ich ge­tan ha­be. Ich bin Welt­meis­ter, das ist ver­rückt“, ent­fuhr es dem eins­ti­gen Zehn­kämp­fer, der sich erst zu Be­ginn des Jah­res für die 400 m Hür­den ent­schie­den hat­te. „Ich hof­fe, dass die Leu­te in Nor­we­gen so glück­lich sind wie ich“, füg­te er hin­zu. Dass ihm zu­nächst kei­ner auf der Bahn gra­tu­lier­te, hat­te of­fen­bar sei­nen Grund in der An­wei­sung des Welt­ver­ban­des. We­gen des Kamp­fes ge­gen die Aus­brei­tung des hoch an­ste­cken­den No­ro­vi­rus wur­de den Ath­le­ten emp­foh­len, auf ge­gen­sei­ti­ge Umar­mun­gen und an­de­re kör­per­li­che Gra­tu­la­ti­ons­be­kun­dun­gen zu ver­zich­ten.

War­holm hol­te als ers­ter Nor­we­ger über­haupt in die­ser Dis­zi­plin ei­ne WM-Me­dail­le. Gold­me­dail­len hat­te die nor­we­gi­sche Leicht­ath­le­tik zu­letzt 2009 in Ber­lin ge­fei­ert, auf der Lauf­bahn gar vor drei Jahr­zehn­ten (In­grid Kris­ti­an­sen über 10000 Me­ter 1987 in Rom). Der 21-Jäh­ri­ge setz­te sich im Fi­na­le in 48,35 Se­kun­den vor dem Tür­ken Yas­ma­ni Co­pel­lo (48,49 Se­kun­den) durch. Bron­ze si­cher­te sich Olym­pia­sie­ger Ker­ron Cle­mont aus den USA (48,52 Se­kun­den).

Mit dem Sen­sa­ti­ons­sie­ger aus Ul­stein­vik hat die Leicht­aht­le­tik viel­leicht ei­nen neu­en Star. War­holms Lauf war so er­fri­schend wie sein Auf­tritt vor der in­ter­na­tio­na­len Pres­se. War­um er sich denn rück­lings in die Pfüt­zen ge­wor­fen ha­be, woll­ten die Re­por­ter wis­sen. „Ich bin jung, ich bin dumm – ich bin ein­fach drauf­los­ge­rannt“, kom­men­tier­te er sei­nen Lauf und sei­ne Ak­ti­on – den Wi­kin­ger­helm noch im­mer auf dem Kopf.

Er sag­te, dass er sich die Grund­la­gen für den Er­folg im Zehn­kampf ge­holt hät­te, dank­te sei­nem Trai­ner Leif Olav Al­ne und wand­te sich dann noch an den un­ter­le­ge­nen ge­bür­ti­gen Ku­ba­ner Co­pel­lo, der über Re­gen und die Käl­te wäh­rend des Ren­nens ge­klagt hat­te. „Du soll­test in mei­ner Hei­mat ins Trai­nings­la­ger ge­hen. Für mich war das heu­te ein ganz nor­ma­ler nor­we­gi­scher Som­mer­abend.“

Fo­to: AFP

Ein Horn als Kro­ne: Der Nor­we­ger Kars­ten War­holm fei­ert sei­nen WM-Ti­tel.

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