At­men, at­men

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport -

Knob­lauch,

Bier,

Mund­ge­ruch – die ge­ruchs­tech­ni­schen

Wahr­neh­mun­gen in der Tu­be brin­gen Michael Jo­nas an den Rand ei­nes Schwä­che­an­falls.

Et­wa al­le 100 Se­kun­den kommt ei­ne U-Bahn. In Lon­don ist die Tu­be ge­nann­te Un­ter­grund-Bahn das ef­fek­tivs­te Ver­kehrs­mit­tel. Fährt man in die Me­tro­po­le hin­ein, kommt ir­gend­wann der Zeit­punkt, da fühlt man sich wie in ei­ner Sar­di­nen­büch­se. Man kann sich nicht mehr be­we­gen. At­men, at­men, at­men – die­sen Tipp ei­nes Mon­teurs, der mir mei­ne An­span­nung an­sieht, be­fol­ge ich. Es bleibt ei­nem auch gar nichts an­de­res üb­rig. Schweiß, Zi­ga­ret­ten, der Odem von nicht ge­putz­ten Zäh­nen – all das und noch viel mehr nimmt man wahr in dem Ge­drän­ge. Man schaut in Ge­sich­ter – bär­ti­ge, ge­schmink­te, ver­träum­te, blick­lee­re mit blut­un­ter­lau­fe­nen Au­gen. Und man denkt an vie­les mehr – Wut­an­fäl­le, Mes­ser­at­ta­cken, Schüs­se; nein, las­sen wir das.

Nach fünf Sta­tio­nen ent­la­den sich die Wag­gons se­kun­den­schnell. End­sta­ti­on Strat­ford, wo das Olym­pia­sta­di­on liegt. Fährt man in die Vo­r­or­te, wird die Bahn von Sta­ti­on zu Sta­ti­on lee­rer. Sie ver­kehrt nun ober­ir­disch. Hier woh­nen, so ha­be ich den Ein­druck, die Spie­ßer in ih­ren Dop­pel­haus­hälf­ten. Der Lon­donHy­pe ver­liert sich in ei­ner wohl­tu­en­den Stil­le.

Ir­gend­wann führt der Weg doch wie­der in den Strom der Bie­nen­stö­cke aus Men­schen, die es nur ei­lig ha­ben. Ich be­fol­ge ei­ni­ge Tipps, wenn ich in die Tu­be ein­stei­ge. Ich stel­le mich nicht an den Rand ei­nes Wa­gens, dort, wo die Ab­tei­le ge­wölbt sind und man krumm­rü­ckig ste­hen muss. Um den un­an­ge­neh­men Düf­ten zu ent­ge­hen, stel­le ich mich – wenn es mög­lich ist – in die Nä­he von Tü­ren, die an je­der Sta­ti­on auf­ge­hen, ob je­mand aus­stei­gen will oder nicht.

Und, wenn es zu eng zu wer­den droht, war­te ich auf die nächs­te Bahn, die in ei­ni­gen Mi­nu­ten folgt. In To­kio ha­ben sie ex­tra Be­diens­te­te an­ge­stellt, die die Men­schen in die U-Bah­nen drü­cken. Dort ist es noch ex­tre­mer als hier in Lon­don. Ich freue mich auf mei­ne re­la­tiv ru­hi­ge Sta­ti­on Roy­al Vic­to­ria.

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