Os­na­brü­cker Mut­ter jetzt IS-Braut in Sy­ri­en?

Staats­an­walt­schaft er­mit­telt wie­der – Mit Kind ins Kriegs­ge­biet ge­reist – Zeu­gin gab neu­en Hin­weis

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück - Von Dirk Fis­ser Mehr ak­tu­el­le Nach­rich­ten, Hin­ter­grün­de und Ana­ly­sen le­sen Sie im In­ter­net auf noz.de

Man se­he sich im Pa­ra­dies wie­der, lau­te­te die letz­te Bot­schaft ei­ner jun­gen Os­na­brü­cke­rin an ih­ren Le­bens­ge­fähr­ten, be­vor sie samt Toch­ter in den Dschi­had reis­te. Da­nach ver­lor sich die Spur. Nun gibt es neue Hin­wei­se zum Ver­bleib.

Die Ge­ne­ral­staats­an­walt­schaft Cel­le hat die Er­mitt­lun­gen ge­gen ei­ne Mut­ter wie­der­auf­ge­nom­men, die 2015 samt vier­jäh­ri­ger Toch­ter von Os­na­brück aus in das IS-Ge­biet nach Sy­ri­en ge­reist sein soll – of­fen­bar, um sich dem Dschi­had an­zu­schlie­ßen.

Ein Spre­cher der für Ter­ror­ver­fah­ren zu­stän­di­gen Er­mitt­lungs­be­hör­de in Cel­le be­stä­tig­te, es hät­ten sich neue Hin­wei­se er­ge­ben. Ur­sprüng­lich hat­te der Ge­ne­ral­bun­des­an­walt die Ak­ten ge­schlos­sen. Die jun­ge Frau und das Kind gal­ten als ver­schol­len. Ei­ne Zeu­gin hat nun aber aus­ge­sagt, dass die Mut­ter noch am Le­ben sei. Sie soll sich als Ehe­frau ei­nes IS-Kämp­fers in der um­la­ger­ten sy­ri­schen Stadt Al-Rak­ka auf­hal­ten. Die Er­mitt­ler ge­hen da­von aus, dass die Toch­ter bei ihr ist. „Ge­si­cher­te Hin­wei­se gibt es da­für aber nicht.“

Wer die Zeu­gin sein soll, woll­te die Ge­ne­ral­staats­an­walt­schaft nicht sa­gen. Im Ju­li hat­ten ira­ki­sche Streit­kräf­te in Mos­sul vier mut­maß­lich

deut­sche Dschi­ha­dis­tin­nen fest­ge­nom­men – dar­un­ter wohl auch die 16jäh­ri­ge Lin­da W. aus Puls­nitz in Sach­sen. Ob sie die Hin­weis­ge­be­rin der Er­mitt­ler ist, bleibt un­klar. Auch ei­ne 50jäh­ri­ge Mut­ter und ih­re 21jäh­ri­ge Toch­ter aus Ba­denWürt­tem­berg wur­den fest­ge­nom­men. Zwi­schen­zeit­lich soll es aber auch Ak­ti­vi­tä­ten

auf dem Face­book-Pro­fil der Os­na­brü­cke­rin ge­ge­ben ha­ben. Zum Zeit­punkt ih­res Ver­schwin­dens war die Frau 26 Jah­re alt, ih­re Toch­ter vier. Ih­rem da­ma­li­gen Le­bens­ge­fähr­ten hin­ter­ließ sie ein Schrei­ben mit der Bot­schaft, dass man sich im Pa­ra­dies wie­der­se­hen wer­de. Die Frau soll zu­vor zum Is­lam kon­ver­tiert sein.

Laut Bun­des­kri­mi­nal­amt sind mehr als 940 Is­la­mis­ten aus Deutsch­land in Rich­tung Sy­ri­en oder Irak aus­ge­reist, um dort für den IS oder an­de­re Ter­ror­or­ga­ni­sa­tio­nen zu kämp­fen oder sie zu un­ter­stüt­zen. Ein Fünf­tel der Aus­ge­reis­ten sind dem­nach Frau­en. So­ge­nann­te IS-Bräu­te sol­len im mitt­ler­wei­le arg ge­schrumpf­ten Ka­li­fat der

Ter­ror­grup­pe mit Kämp­fern ver­hei­ra­tet wor­den sein. Der US-Nach­rich­ten­sen­der CNN zi­tier­te kürz­lich ei­ne In­do­ne­sie­rin, die aus dem IS-Ge­biet ge­flo­hen war, mit den Wor­ten: „Al­les, was sie wol­len, sind Frau­en und Sex. Es ist ekel­haft.“

Al-Rak­ka gilt als ei­ne der letz­ten IS-Hoch­bur­gen. Die Stadt ist von Trup­pen um­stellt, die Rück­er­obe­rung scheint nur noch ei­ne Fra­ge der Zeit. Das BKA teilt mit: „Mit schwin­den­den Er­fol­gen des so­ge­nann­ten IS ist da­mit zu rech­nen, dass zahl­rei­che Dschi­had-Rei­sen­de nach Eu­ro­pa, aber nicht zwin­gend in ih­re Hei­mat­län­der zu­rück­keh­ren.“Noch scheint der Rei­se­trend aber an­zu­hal­ten. Ak­tu­el­le Zah­len des Ver­fas­sungs­schut­zes zei­gen, dass die Zahl der aus­ge­reis­ten Is­la­mis­ten seit Ju­li 2016 von 840 auf nun­mehr 940 ge­stie­gen ist.

Von die­sen sol­len et­wa 145 Per­so­nen mitt­ler­wei­le in Sy­ri­en oder dem Irak ums Le­ben ge­kom­men sein. Et­wa ein Drit­tel der Is­la­mis­ten ist wie­der zu­rück in Deutsch­land, et­wa 70 von ih­nen sol­len sich ak­tiv an Kämp­fen be­tei­ligt oder ei­ne ent­spre­chen­de Aus­bil­dung ab­sol­viert ha­ben. Die Ver­fas­sungs­schüt­zer ge­hen der­zeit da­von aus, dass eher die Zahl der ge­tö­te­ten Is­la­mis­ten als die der nach Deutsch­land zu­rück­ge­kehr­ten stei­gen wird. Hin­ter­grund sind die stren­gen Grenz­kon­trol­len von Jor­da­ni­en oder der Tür­kei. Es sei der­zeit sehr schwer, dass Kriegs­ge­biet zu ver­las­sen.

Ge­ne­rell gilt: „Es steht zu be­fürch­ten, dass der so­ge­nann­te IS mit wei­te­ren Ge­biets­ver­lus­ten in Sy­ri­en und dem Irak sei­ne Be­mü­hun­gen, ver­hee­ren­de An­schlä­ge zu be­ge­hen, ver­stär­ken wird“, heißt es beim BKA.

Fo­to: dpa

Ei­ne weib­li­che Kampfb­ri­ga­de des IS: Das Bild stammt aus ei­nem Pro­pa­gan­da­vi­deo. Tat­säch­lich wer­den Frau­en vom IS an­ge­lockt, um mit Kämp­fern ver­hei­ra­tet zu wer­den. Ih­re Auf­ga­ben: Haus­halt füh­ren und Kin­der be­kom­men.

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