Wie könn­te die Zu­kunft der Eu­ro­päi­schen Uni­on aus­se­hen?

Hoch­ran­gi­ger EU-Be­am­ter beim Mit­tags­ge­spräch der Konrad-Ade­nau­er-Stif­tung

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Jahr­zehn­te­lang ver­hält­nis­mä­ßig un­um­strit­ten, ist die Eu­ro­päi­sche Uni­on zu­letzt zu­neh­mend un­ter Druck ge­ra­ten. Spä­tes­tens seit dem Br­ex­itBe­schluss in Groß­bri­tan­ni­en gibt es so­gar Stim­men, die ih­ren Fort­be­stand grund­sätz­lich in­fra­ge stel­len. Bei ei­nem Mit­tags­ge­spräch, zu dem das Bil­dungs­fo­rum We­ser-Ems der CDU-na­hen Konrad-Ade­nau­er-Stif­tung jetzt ins Ho­tel Wal­hal­la ein­ge­la­den hat­te, ging es des­halb um „Sze­na­ri­en für die Zu­kunft der EU“.

Die der­zei­ti­ge Dis­kus­si­on fin­de auch vor dem Hin­ter­grund statt, dass die au­ßen­po­li­ti­schen An­for­de­run­gen an die EU stär­ker ge­wor­den sei­en, wie Ma­thi­as Mid­del­berg als Vor­sit­zen­der der Lan­des­grup­pe Nie­der­sach­sen der CDU/CSU-Bun­des­tags­frak­ti­on be­ton­te: Ent­ge­gen frü­he­ren Pro­gno­sen sei die Welt zu­letzt eben nicht im­mer de­mo­kra­ti­scher und „west­li­cher“ge­wor­den. Aber auch in­ner­halb der EU müs­se ge­fragt wer­den, wie es et­wa um die Rechts­staat­lich­keit in Un­garn oder Po­len be­stellt sei.

Gast­red­ner der Ver­an­stal­tung war der stell­ver­tre­ten­de Lei­ter der EU-Ver­tre­tung in Ber­lin, Bern­hard Schnitt­ger. Der Po­li­tik­wis­sen­schaft­ler ist seit 1995 EU-Be­am­ter und darf so­mit als „loya­ler Eu­ro­pä­er“gel­ten. Er er­ör­ter­te die fünf Per­spek­ti­ven und Mög­lich­kei­ten der Ge­mein­schaft, die im März in ei­nem Weiß­buch der Kom­mis­si­on vor­ge­stellt wor­den sind.

Ne­ben ei­ner Fort­set­zung des bis­her ein­ge­schla­ge­nen We­ges, bei dem oft die Um­set­zung ge­mein­sa­mer The­men ein Man­ko sei, ste­he zwei­tens die Fo­kus­sie­rung auf die aus­schließ­lich wirt­schaft­li­che Dy­na­mik des Bin­nen­mark­tes im Raum. Drit­tens sei ein Eu­ro­pa der va­ria­blen Geo­me­trie und un­ter­schied­li­chen Eu­ro­pä­er“: Ge­schwin­dig­kei­ten denk­bar, so wie es be­reits mit dem nicht über­all in der EU an­ge­wen­de­ten Schen­gen-Ab­kom­men oder der nur teil­wei­se um­ge­setz­ten Wäh­rungs­uni­on in ei­ni­gen Be­rei­chen prak­ti­ziert wer­de. Als vier­te Mög­lich­keit nann­te Schnitt­ger die Re­du­zie­rung auf ei­ni­ge we­ni­ge Kern­be­rei­che wie Si­cher­heit, Mi­gra­ti­on und Ver­tei­di­gung, die dann aber um­so ef­fi­zi­en­ter um­ge­setzt wer­den müss­ten – oder, Op­ti­on fünf, ge­ra­de um­ge­kehrt ei­ne Aus­deh­nung der EU auf sämt­li­che Po­li­tik­be­rei­che in­klu­si­ve ei­ner zen­tra­len Ge­setz­ge­bung und Recht­spre­chung in ei­nem zu­sam­men­ge­wach­se­nen fö­de­ra­len Eu­ro­pa oh­ne Gren­zen.

In der an­schlie­ßen­den Dis­kus­si­on wur­de an­ge­sichts der drän­gen­den ak­tu­el­len Fra­gen auch Un­mut und Un­ver­ständ­nis dar­über ge­äu­ßert, dass über ei­ne mög­li­che Neu­aus­rich­tung der EU „im Wett­be­werb der Re­gio­nen“nun zwei Jah­re lang bis zu den nächs­ten Eu­ro­pa­wah­len im Ju­ni 2019 dis­ku­tiert wer­den sol­le. Dem hielt Schnitt­ger ent­ge­gen, dass es jen­seits von or­ga­ni­sa­to­ri­schen und in­sti­tu­tio­nel­len Fra­gen und über die schnel­le Um­set­zung von Maß­nah­men hin­aus auch dar­um ge­he, sich dar­über zu ver­stän­di­gen und ei­ne Über­ein­kunft dar­über zu fin­den, wo die zu­künf­ti­gen Stär­ken der EU zu se­hen sei­en. Das Weiß­buch der Kom­mis­si­on sei kein Lehr­buch, son­dern ein of­fe­ner Dis­kus­si­ons­bei­trag, um die­sen Pro­zess vor­an­zu­trei­ben.

„Loya­ler Schnitt­ger. Bern­hard Fo­to: Grün­del

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