„Das Thea­ter Os­na­brück ist un­ver­zicht­bar“

Die Sa­nie­rung des Gro­ßen Hau­ses ist das Haupt­the­ma bei der Be­grü­ßung zur Spiel­zeit 2017/18

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional - Von Ralf Dö­ring Mehr ak­tu­el­le Nach­rich­ten, Hin­ter­grün­de und Ana­ly­sen le­sen Sie im In­ter­net auf noz.de

Ins Thea­ter kehrt das Le­ben zu­rück: Am Don­ners­tag ha­ben Thea­ter­lei­tung, Auf­sichts­rat und der Ober­bür­ger­meis­ter das En­sem­ble be­grüßt. Wich­tigs­tes The­ma da­bei: die Sa­nie­rung des Thea­ters am Dom­hof.

Die An­fangs­eu­pho­rie ist greif­bar im Zu­schau­er­raum des Thea­ters am Dom­hof. An die­sem Don­ners­tag­mor­gen sit­zen die Thea­ter­leu­te selbst auf den ro­ten Ses­seln und hö­ren zu, was ih­nen auf der Büh­ne ge­bo­ten wird. Ver­kehr­te Welt? Nein, Thea­ter­ri­tu­al: Zu Be­ginn der Spiel­zeit be­grü­ßen Thea­ter­lei­tung, Auf­sichts­rat und Stadt­ver­wal­tung das En­sem­ble. Und be­geg­nen sich die Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen, wün­schen sie sich „ei­ne schö­ne neue Spiel­zeit“. Aus Thea­ter­sicht ist al­so Neu­jahrs­tag 2017/18.

Wie je­des Ri­tu­al kennt auch das der En­sem­ble­be­grü­ßung sei­ne wie­der­keh­ren­den Ele­men­te: In­ten­dant Ralf Wald­schmidt dankt sei­nen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern für die ver­gan­ge­ne, er­folg­rei­che Spiel­zeit und wünscht sich ei­ne min­des­tens eben­so er­folg­rei­che neue Sai­son. Er blickt vor­aus auf die „Spiel­trie­be“un­ter dem Ti­tel „Macht*Spiel*Ge­schlecht“oder auf das Aus­tausch­pro­jekt „Me­dea²“: Da­für ar­bei­tet das Thea­ter Os­na­brück mit dem Tea­tro Ave­n­i­da in Mo­sam­bik zu­sam­men, wes­halb die Pro­duk­ti­on vom Em­ma-Thea­ter nach Ma­pu­to, in die Haupt­stadt Mo­sam­biks, rei­sen wird.

Da­mit drängt das Thea­ter in die über­re­gio­na­le Wahr­neh­mung. Gleich­zei­tig be­tont Wald­schmidt den An­spruch, „Thea­ter für die Stadt und die Re­gi­on“zu ma­chen. „Wir sind ein we­sent­li­cher Teil der Stadt­ge­sell­schaft“, sagt er, ver­weist auf die ak­tu­el­len The­men wie Mi­gra­ti­on oder Ge­schlech­ter­rol­len. Das sei der po­li­ti­sche Aspekt des Thea­ters, sagt Wald­schmidt. Wo­mit er zu grund­le­gen­den Fra­gen über­lei­tet.

Auf ei­ne hat er so­gar ei­ne er­freu­li­che Ant­wort: Die Min­dest­ga­ge konn­te auf 2000 Eu­ro mo­nat­lich an­ge­ho­ben wer­den. Brut­to. Er dankt den Be­triebs­rä­ten für ihr Ver­hand­lungs­ge­schick, er dankt dem Auf­sichts­rat und den Ge­sell­schaf­tern der Städ­ti­schen Büh­nen Gm­bH, die das mit­ge­tra­gen ha­ben. Und er dankt dem Ober­bür­ger­meis­ter Wolf­gang Grie­sert, um dann das Groß­the­ma für die nächs­ten Jah­re an­zu­spre­chen: die Thea­ter­sa­nie­rung.

Das The­ma geis­tert schon seit ge­rau­mer Zeit als kul­tur­po­li­ti­scher Gott­sei­bei­uns durch die Gre­mi­en; da­bei war ein­mal von 15 Mil­lio­nen Eu­ro Bau­kos­ten die Re­de. Jetzt nen­nen we­der Wald­schmidt noch der kauf­män­ni­sche Di­rek­tor Mat­thi­as Köhn Zah­len. Im Herbst wol­le man die Rats­frak­tio­nen in­for­mie­ren, sagt Köhn; Wald­schmidt ap­pel­liert, „Schul­ter an Schul­ter“die Sa­nie­rung auf den Weg zu brin­gen.

Das adres­siert er un­ter an­de­rem an den Ober­bür­ger­meis­ter Grie­sert. Der be­kennt sich auch zur Kul­tur, ist gar „stolz“, zu­sam­men mit Po­li­tik und Ver­wal­tung die Kul­tur zu ei­nem der stra­te­gi­schen Zie­le der Stadt er­ho­ben zu ha­ben. „Das Thea­ter ist uns sehr viel wert“, sagt er, spricht al­ler­dings auch von „In­ves­ti­tio­nen in as­tro­no­mi­scher Grö­ßen­ord­nung“. Da­bei sei Os­na­brück „ei­ne ar­me Stadt“, die zu­dem noch für an­de­re kom­mu­na­le Auf­ga­ben auf­kom­men muss: den öf­fent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr, das Kli­ni­kum, den Flug­ha­fen. Als Mo­dell für die Thea­ter­sa­nie­rung nennt Grie­sert das Em­ma-Thea­ter: Da hat die Bür­ger­schaft Geld ge­spen­det, und die Stadt hat je­den ge­spen­de­ten Eu­ro ver­dop­pelt. „Das Mo­dell war er­folg­reich“, sagt Grie­sert und ver­fällt in ei­ne ge­ra­de­zu poe­ti­sche Me­ta­pher: „Viel­leicht fal­len uns Ster­ne und Schnup­pen auf die Büh­ne.“

Bri­git­te Ne­u­mann, Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­de des Thea­ters, gleich­zei­tig Grie­serts Par­tei­freun­din in der CDU, ge­nügt das nicht. Ihr sind die Städ­ti­schen Büh­nen ei­ne „un­ver­zicht­ba­re Ein­rich­tung in un­se­rer Stadt“, und zwar „mit al­len Spar­ten“. Dann ruft auch sie den ge­mein­sa­men Geist: Die Sa­nie­rung „wird ge­lin­gen, wenn al­le ih­ren Bei­trag leis­ten“. Gro­ße Wor­te, ei­nes Vor­spiels wahr­lich wür­dig. Jetzt müs­sen Ta­ten fol­gen: Die­sen Frei­tag hebt sich der Vor­hang zur ers­ten Vor­stel­lung des neu­en Thea­ter­jah­res. Toi, toi, toi.

Auf in die Spiel­zeit 2017/18: die neu­en Mit­ar­bei­ter im Thea­ter am Dom­hof zu­sam­men mit Ober­bür­ger­meis­ter Wolf­gang Grie­sert und der Thea­ter­lei­tung. Fo­to: Swa­ant­je Heh­mann

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