Mehr wol­kig als hei­ter

Chris­ti­an Falk spielt nach­denk­li­che Lie­der am Büd­chen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional - Von Mat­thi­as Liedt­ke

Im Rah­men der Som­mer-Kon­zert­rei­he „Li­ve im Grü­nen“prä­sen­tier­te Sin­ger/Song­wri­ter Chris­ti­an Falk aus Bre­men ge­mein­sam mit Friedemann Eich am E-Cel­lo auf der Ti­me­zo­neBüh­ne vor dem Büd­chen am Wes­ter­berg nicht nur trau­ri­ge Lie­der.

Dem son­ni­gen Wet­ter zum Trotz mach­te er al­ler­dings gleich mit dem ers­ten Song deut­lich, dass es in­halt­lich mehr Schat­ten als Licht ge­ben wird – auch wenn er da­für plä­dier­te, „al­le Mau­ern“hin­ter sich zu las­sen. Mu­si­ka­lisch gab es da­zu ein wun­der­vol­les Wech­sel­spiel zwi­schen hel­len und dunk­len Sai­ten: Falks Akus­tik­gi­tar­re und das Streich­in­stru­ment sei­nes kon­ge­nia­len Part­ners er­gänz­ten sich präch­tig. Für ein kraft­voll kräch­zen­des So­lo er­hielt der Cel­list gar Sze­nen­ap­plaus aus dem gut be­such­ten Bier­gar­ten. Als der Sän­ger „mehr Cel­lo“von der Ton­tech­nik for­der­te, war dies si­cher auch im Sin­ne des Pu­bli­kums. Denn die für das Gen­re un­ge­wöhn­li­che Be­set­zung ver­lieh dem Auf­tritt ei­ne ganz ei­ge­ne, be­son­de­re No­te.

Sei­ne al­ters­be­ding­te Sinn­kri­se ha­be er ge­löst, in­dem er Mu­si­ker wur­de, ver­riet der 29-Jäh­ri­ge, der sich nicht wei­ter über Zu­kunfts­per­spek­ti­ven den Kopf zer­bre­chen und lie­ber im „Hier und Jetzt“le­ben mag. „Mehr Plat­ti­tü­den hab ich nicht“, schob er so­gleich hin­ter­her, was er nach „Land un­ter“dann auch fast aus­nahms­los zu be­stä­ti­gen wuss­te. Da­bei dach­te er et­wa laut dar­über nach, ob er denn „wirk­lich ei­ne Wahl“ha­be, schrie sei­nen Un­mut über die „Ar­ro­ganz der Eu­ro­päi­schen Uni­on“hin­aus, the­ma­ti­sier­te mit „Salz­was­ser“die „un­er­träg­li­che Flücht­lings­si­tua­ti­on“, pran­ger­te mit „Ve­ga­ner Jä­ger“in die Däm­me­rung hin­ein die gut­men­scheln­de Dop­pel­mo­ral an, ver­ar­bei­te­te ei­nen per­sön­li­chen Tren­nungs­schmerz in „Dein Ge­ruch bleibt“oder wet­ter­te so­lo mit „Ei­ner von mir“ge­gen das Schub­la­den­den­ken.

Der „be­rufs­be­ding­ten“Me­lan­cho­lie kann Falk aber auch selbst et­was ent­ge­gen­set­zen, et­wa den bit­ter­sü­ßen Mit­sing-Gas­sen­hau­er über die im gol­de­nen Käfig ge­fan­ge­ne „Ame­lie“.

Fo­to: Eg­mont Sei­ler

Song­wri­ter Chris­ti­an Falk.

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