Mit ei­ner List dem Ver­ge­wal­ti­ger ent­kom­men

25-Jäh­ri­ge geht zum Schein auf Avan­cen ein – 31-Jäh­ri­ger er­hält Be­wäh­rungs­stra­fe

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Das Land­ge­richt Os­na­brück hat ei­nen 31-jäh­ri­gen Os­na­brü­cker in ei­nem Be­ru­fungs­ver­fah­ren we­gen ge­fähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung und se­xu­el­ler Nö­ti­gung zu ei­ner Be­wäh­rungs­stra­fe von zwei Jah­ren ver­ur­teilt. Der Mann hat­te im Ju­li 2015 nach ei­nem Be­such der Dis­ko­thek am Fürs­ten­au­er Weg ver­sucht, ei­ne heu­te 25jäh­ri­ge Frau zu ver­ge­wal­ti­gen.

Im ver­gan­ge­nen April ver­ur­teil­te das Amts­ge­richt Os­na­brück den Mann zu ei­ner Frei­heits­stra­fe von zwei Jah­ren und sechs Mo­na­ten, und da­mit oh­ne Be­wäh­rung. Die Be­weis­auf­nah­me sei sehr kom­plex ge­we­sen, und der Pro­zess ha­be sich über drei Ver­hand­lungs­ta­ge hin­ge­zo­gen, blick­te der Vor­sit­zen­de zu­rück. Ein In­diz, dass den Mann da­mals schwer be­las­tet ha­be, sei­en sei­ne DNASpu­ren am Hals, an den Lip­pen und an der Un­ter­wä­sche des Op­fers ge­we­sen. Die­se Spu­ren hät­ten ex­akt die Zeu­gen­aus­sa­ge der Frau un­ter­mau­ert. Das Amts­ge­richt hat­te dem­ent­spre­chend auch kei­nen Zwei­fel an der Schuld des An­ge­klag­ten ge­zeigt und sich für ei­ne Frei­heits­stra­fe oh­ne Be­wäh­rung ent­schie­den. Da­ge­gen leg­te der 31Jäh­ri­ge Be­ru­fung ein.

Die Tat er­eig­ne­te sich am 5. Ju­li 2015. Ge­gen 3 Uhr war die 25-Jäh­ri­ge, die in der Dis­co ge­we­sen war, auf dem Heim­weg. Den An­ge­klag­ten traf sie zu­fäl­lig. Er be­glei­te­te die Frau in Rich­tung Bram­stra­ße. In der Nä­he des Kaf­fee­hau­ses „Os­ter­haus“, an ei­ner dunk­len, schlecht ein­seh­ba­ren Stel­le, fiel der 31-Jäh­ri­ge plötz­lich über die jun­ge Frau her und würg­te sie. Mit den Wor­ten „Du tust jetzt, was ich sa­ge“, gab er ihr ge­gen ih­ren Wil­len ei­nen Zun­gen­kuss.

Die 25-Jäh­ri­ge wehr­te sich, wor­auf­hin ihr der An­ge­klag­te ei­nen Faust­schlag ins Ge­sicht ver­setz­te. Durch den Hieb knall­te sie mit dem Kopf auf den Geh­weg, ver­lor kurz­zei­tig das Be­wusst­sein und er­litt ei­nen Blut­er­guss und ei­ne Ge­hirn­er­schüt­te­rung. Der 31-Jäh­ri­ge be­grapsch­te die jun­ge Frau und woll­te sie zu se­xu­el­len Hand­lun­gen zwin­gen. Um der Si­tua­ti­on zu ent­ge­hen, wil­lig­te die 25-Jäh­ri­ge zum Schein ein. Al­ler­dings be­stand sie dar­auf, den dunk­len Be­reich zu ver­las­sen. So ge­lang es ihr, an der Har­ding­haus­stra­ße zwei Zeu­gen auf sich auf­merk­sam zu ma­chen. Der An­ge­klag­te floh mit sei­nem Fahr­rad, konn­te aber spä­ter er­mit­telt wer­den.

Vor dem Amts­ge­richt hat­te der An­ge­klag­te noch be­haup­tet, mit dem Vor­fall nichts zu tun zu ha­ben. Im ak­tu­el­len Pro­zess gab er al­les zu und be­schränk­te sei­ne Be­ru­fung auf die Rechts­fol­gen. Er ak­zep­tier­te al­so den Schuld­spruch des Amts­ge­richts, woll­te aber mil­der be­straft wer­den. Zu­gleich kam es zu ei­ner zi­vil­recht­li­chen Ver­stän­di­gung mit der als Ne­ben­klä­ge­rin auf­tre­ten­den 25-Jäh­ri­gen, der er ein Schmer­zens­geld in Hö­he von 4500 Eu­ro be­zah­len muss.

„An­de­re Per­son“

Staats­an­walt­schaft, Ne­ben­kla­ge und Ver­tei­di­gung for­der­ten über­ein­stim­mend ei­ne Be­wäh­rungs­stra­fe von zwei Jah­ren. „Heu­te sitzt hier ei­ne an­de­re Per­son mit ei­ner an­de­ren Ein­stel­lung“, ar­gu­men­tier­te der Ver­tei­di­ger. Sein Man­dant ha­be die Tat ge­stan­den und den „Wil­len, et­was gut­zu­ma­chen“. Seit dem Vor­fall ha­be sich er sich au­ßer­dem nichts mehr zu­schul­den kom­men las­sen.

Ähn­lich ar­gu­men­tier­te die Staats­an­walt­schaft: Der An­ge­klag­te ha­be Reue ge­zeigt, der Kam­mer ei­ne um­fang­rei­che Be­weis­auf­nah­me und dem Op­fer ei­ne er­neu­te Aus­sa­ge er­spart. Ge­gen den Mann spre­che aber, dass die 25-Jäh­ri­ge noch un­ter den psy­chi­schen Fol­gen der Tat lei­de. So ha­be sie un­ter an­de­rem ein post­trau­ma­ti­sches Be­las­tungs­syn­drom und Pa­nik­at­ta­cken. Zu­sätz­lich zum Schmer­zens­geld for­der­te die Staats­an­wäl­tin ei­ne Geld­auf­la­ge in Hö­he von 2400 Eu­ro, zu zah­len ein ei­ne ge­mein­nüt­zi­ge Ein­rich­tung.

„Sie hät­ten mei­ner Man­dan­tin ei­ni­ges er­spa­ren kön­nen“, be­ton­te die Ne­ben­kla­ge­ver­tre­te­rin und kri­ti­sier­te da­mit den An­ge­klag­ten, nicht schon in ers­ter In­stanz ge­stän­dig ge­we­sen zu sein.

Der Rich­ter ver­ur­teil­te den 31-Jäh­ri­gen schließ­lich zu ei­ner Be­wäh­rungs­stra­fe von zwei Jah­ren. „Nicht, weil wir ir­gend­wel­che Au­gen zu­drü­cken, son­dern weil wir ei­ne an­de­re La­ge ha­ben“, be­grün­de­te der Ju­rist das Ur­teil. „Man sieht, dass Sie das Un­recht Ih­rer Tat er­ken­nen.“Er un­ter­strich aber auch die Be­ein­träch­ti­gun­gen des Op­fers und die Bru­ta­li­tät, mit der der Mann vor­ge­gan­gen war. Zur Auf­la­ge mach­te er un­ter an­de­rem ei­ne Geld­zah­lung von 2400 Eu­ro an den Ver­ein Frau­en­not­ruf in Han­no­ver. „Sie sol­len auf Ih­rem Kon­to­aus­zug se­hen, was Sie im Ju­li 2015 für ei­nen Mist ge­baut ha­ben“, gab der Rich­ter dem 31-Jäh­ri­gen zu ver­ste­hen.

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