Im wil­den Gar­ten der Ma­le­rei

Wo Far­be noch un­ge­bremst wir­beln darf: Pa­pen­burg zeigt Wer­ke von Ans­gar Ski­ba

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur - Von Ste­fan Lüd­de­mann Im Far­b­rausch: Mehr Bil­der von Ans­gar Ski­ba fin­den Sie auf noz.de/kul­tur

Ex­pres­si­ve Ma­le­rei in wil­den Farb­strö­men – gibt es das heu­te noch? Ja. Ans­gar Ski­ba ver­wan­delt Na­tur­mo­ti­ve in flam­mend strah­len­de Ge­mäl­de. Das Pa­pen­bur­ger Gut Al­ten­kamp zeigt ei­ne Werk­schau des Düs­sel­dor­fer Künst­lers.

PA­PEN­BURG. Karg und kon­zep­tu­ell hat zeit­ge­nös­si­sche Kunst zu sein. Ans­gar Ski­ba aber malt Bil­der, die opu­lent und ge­ra­de­zu le­cker sind. Durch­dacht und sprö­de bie­tet sich vie­les dar, was heu­te das Kunst­ge­sche­hen be­stimmt. Ski­ba setzt da­ge­gen auf süf­fi­ge Sinn­lich­keit und sagt oh­ne Scheu von sich selbst: „Ich nei­ge da­zu, mich zu­zu­ma­len.“Kunst als Ener­gie und Ver­aus­ga­bung – geht das heu­te noch?

Die Fra­ge ver­weist auf die ver­steck­ten Re­geln ei­nes bis­wei­len sehr kopf­ge­steu­er­ten Kunst­be­trie­bes. Der Ma­ler Ans­gar Ski­ba wirkt in die­sem Kon­text mit sei­nen Gar­ten­mo­ti­ven und Na­tur­bil­dern auf den ers­ten Blick un­zeit­ge­mäß. Da­bei bringt er vie­le Fra­gen, die sich Kunst heu­te stel­len, auf den Punkt.

Das Pa­pen­bur­ger Aus­stel­lungs­zen­trum Gut Al­ten­kamp zeigt 80 Ge­mäl­de so­wie Zeich­nun­gen und Aqua­rel­le des in Düs­sel­dorf be­hei­ma­te­ten Ma­lers. 80 Bil­der – und auf je­dem Ge­mäl­de ex­plo­diert die mit den blo­ßen Hän­den auf­ge­tra­ge­ne Far­be in ei­nem ein­zi­gen Rausch der Ma­le­rei. Ob Tul­pen­blü­ten, Wald­win­kel oder Mee­res­strän­de: Bei Ans­gar Ski­ba ver­wan­delt sich je­des Mo­tiv in ein zün­geln­des Flam­men­ge­flecht aus vi­brie­ren­den Farb­strö­men. Da­bei hat sich Ski­bas Mal­wei­se über die Jah­re und über Hun­der­te Bil­der hin­weg an­schei­nend kaum ver­än­dert. Ek­s­ta­se als Rou­ti­ne?

Der in Dres­den ge­bo­re­ne Ma­ler hat zu­nächst in sei­ner Hei­mat­stadt und dann, nach der Aus­rei­se sei­ner Fa­mi­lie aus der DDR, ab 1983 wei­ter in Düs­sel­dorf stu­diert. Ski­ba be­zieht sich auf die Dresd­ner Mal­tra­di­ti­on eben­so wie auf sei­ne Düs­sel­dor­fer Leh­rer Michael Bu­the und Gott­hard Graub­ner. Kunst denkt er nicht von Kon­zep­ten her, son­dern von Ma­te­ri­al und Kör­per­lich­keit. Ski­ba macht aus je­dem sei­ner Bil­der selbst ei­nen Kör­per, der zu at­men und zu le­ben scheint. Der Ma­ler be­kennt sich zu künst­le­ri­schen Tra­di­tio­nen, die bis in den Ex­pres­sio­nis­mus und die Ro­man­tik rei­chen, und über­legt zur glei­chen Zeit, wie Ma­le­rei heu­te noch mög­lich sein kann. Ein neu­er Nai­ver – ge­nau das ist die­ser Künst­ler eben nicht.

Denn Ski­ba malt Wirk­lich­keit nicht ein­fach ab, er nimmt sie als An­lass für ei­ne Ma­le­rei, die ih­re ei­ge­nen Emo­tio­nen und Fan­ta­si­en er­zeugt. Und zu ih­rem ei­ge­nen Gleich­ge­wicht fin­det. Ski­ba sucht zwar Mo­ti­ve in der Na­tur auf, malt aber vor al­lem im Ate­lier. Je­der blü­hen­de Gar­ten, je­de an­rol­len­de Mee­res­wo­ge ver­wan­delt sich auf der Lein­wand am En­de in ein Kon­strukt der Kunst. Ans­gar Ski­ba ent­facht das Feu­er des ge­mal­ten Ge­fühls und bän­digt es zu­gleich zum sorg­fäl­tig aus­ba­lan­cier­ten Bild­ge­fü­ge. Zeit­ge­nös­si­sche Kunst ist oh­ne Re­fle­xi­on nicht zu ha­ben. Das gilt auch für Ans­gar Ski­ba, ei­nen Künst­ler, des­sen Werk auf den ers­ten Blick von nichts an­de­rem als un­ge­brems­tem Ge­fühl be­stimmt zu sein scheint.

Ski­ba schich­tet Far­be zu Ge­mäl­den von re­li­e­far­ti­ger Tie­fe auf. Je­des sei­ner Bil­der mel­det als Farb­kör­per sein ei­ge­nes, vi­ta­les Le­bens­recht an. Sol­che Kunst hat ihr Pu­bli­kum. Ski­bas Aus­stel­lungs­lis­te ist lang. Al­lein in Pa­pen­burg stellt er nun zum drit­ten Mal aus. 1993 prä­sen­tier­te er Tor­ten-Bil­der in der Ga­le­rie des Fo­rums Al­te Werft, 2001 war er mit Ge­mäl­den von Braut­klei­dern auf Gut Al­ten­kamp zur Stel­le. Ski­bas Kunst hat Be­rüh­rung mit ma­le­ri­schen Wer­ken von Cor­ne­li­us Völker, Klaus Fuss­mann und an­de­ren Künst­lern. Das gro­ße, wie in Nahaufnahme ge­fass­te Mo­tiv ver­ei­nigt die­se sehr un­ter­schied­li­chen Ma­ler eben­so wie ih­re Kunst, Wirk­lich­keit in vi­tal auf­ge­la­de­ner Ma­le­rei zu in­ten­si­vie­ren und ek­sta­tisch zu über­hö­hen.

Ski­ba malt Na­tur auf dem Schei­tel­punkt. Je­de sei­ner schwe­ren Blü­ten geht dem Ver­ge­hen ent­ge­gen, auf je­den sei­ner noch üp­pig prun­ken­den Gär­ten war­tet schon der Herbst. Bis heu­te malt Ski­ba, als gel­te es, der grau­en Tris­tesse der DDR zu ent­kom­men – dem „lang­wei­ligs­ten Land der da­ma­li­gen Welt“, wie er sagt.

Pa­pen­burg, Aus­stel­lungs­zen­trum Gut Al­ten­kamp: Ans­gar Ski­ba: Farb­fluss. Gär­ten und Mee­res­land­schaf­ten. Er­öff­nung: Sonn­tag, 13. Au­gust, 17 Uhr. Bis 22. Ok­to­ber. Di.–So. 10–17 Uhr. www.ans­gars­ki­ba.com

Fo­tos: Lea Be­cker

Mit der Hand an der Far­be: Der in Dres­den ge­bo­re­ne Ma­ler Ans­gar Ski­ba zeigt auf dem Pa­pen­bur­ger Gut Al­ten­kamp 80 sei­ner in­ten­siv leuch­ten­den Ge­mäl­de.

Mee­res­bil­der und ei­ne Frau im lan­gen ro­sa Kleid.

Gar­ten­bil­der für ei­ne schö­ne Som­mer­aus­stel­lung.

Ek­sta­tisch ge­malt: Ski­bas Farb­auf­trag im Nah­blick.

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