Land will wei­te­re Leh­rer ab­ord­nen

Ver­bän­de kri­ti­sie­ren Schul­cha­os

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Nie­der­sach­sen will zu­sätz­lich 170 Leh­rer an Grund­schu­len ab­ord­nen, um den Pflicht­un­ter­richt zu si­chern. Die Lan­des­re­gie­rung spricht von ei­nem nor­ma­len Vor­gang. Op­po­si­ti­on und El­tern­ver­tre­ter sind em­pört.

Von Klaus Wie­sche­mey­er

An­ge­sichts des Un­ter­richts­aus­falls an Nie­der­sach­sens Grund­schu­len plant das Land wei­te­re mas­si­ve Ab­ord­nun­gen von Leh­rern. Ein Ver­tre­ter des Kul­tus­mi­nis­te­ri­ums sprach von ge­plan­ten „170 Voll­zeit-Ein­hei­ten“, um 4823 feh­len­de Un­ter­richts­stun­den aus­zu­glei­chen. Seit An­fang des Schul­jah­res sei­en 55 Lehr­kräf­te an Grund­schu­len ge­schickt wor­den. Im Vor­jahr hat­te das Land le­dig­lich sechs Leh­rer zu Grund­schu­len ab­ge­ord­net. We­gen der un­glei­chen Ver­tei­lung der Un­ter­richts­ver­sor­gung zwi­schen den Schul­for­men muss­ten bis­lang 173 Gym­na­si­en und 53 Ge­samt­schu­len im Land St­un­den ab­ge­ben.

Kul­tus­mi­nis­te­rin Frau­ke Hei­li­gen­stadt (SPD) sprach am Frei­tag von ei­ner „gro­ßen Kraft­an­stren­gung“. Das Land fin­det der­zeit nicht ge­nug Be­wer­ber für frei wer­den­de Leh­rer­stel­len. Von 1814 für die­ses Schul­jahr aus­ge­schrie­be­nen Pos­ten sind bis­her 1573 be­setzt.

Der Prä­si­dent der Lan­des­schul­be­hör­de, Ulrich Demp­wolf, wies die Be­haup­tung, an Nie­der­sach­sens Schu­len herr­sche Durch­ein­an­der, zu­rück. „Wir sind weit weg von Cha­os“, sag­te er am Frei­tag im Kul­tus­aus­schuss des Land­tags. Ab­ord­nun­gen sei­en seit Jah­ren „gang und gä­be“. Auch Ve­rän­de­run­gen von Klas­sen und Per­so­nal­be­stän­den in den Fe­ri­en sei­en „All­tags­ge­schäft“. Nach Zah­len des Lan­des sind der­zeit mehr als 4000 Leh­rer mit fast 73 000 Wo­chen­stun­den an an­de­re Schu­len ab­ge­ord­net.

Die Op­po­si­ti­on warf Hei­li­gen­stadt Ver­sa­gen vor. Die Lan­des­re­gie­rung ha­be sich weit von der Rea­li­tät im Land ent­fernt, klag­te der CDU-Bil­dungs­ex­per­te Kai See­fried. Der FDP-Ab­ge­ord­ne­te Björn Förs­ter­ling warf Hei­li­gen­stadt vor, die Schu­len se­hen­den Au­ges ins Cha­os zu stür­zen. Be­reits im März sei klar ge­we­sen, dass ab Au­gust an Grund­schu­len mehr als 30 000 Un­ter­richts­wo­chen­stun­den fehl­ten, was rund 1095 Voll­zeit­stel­len ent­spre­che. „Gleich­wohl hat man nur 481 Stel­len aus­ge­schrie­ben“, klag­te Förs­ter­ling.

Der Ver­band der El­tern­rä­te an Gym­na­si­en ver­sprach der Lan­des­re­gie­rung an­ge­sichts der neu­en Ab­ord­nungs­an­kün­di­gun­gen ei­nen hei­ßen Herbst. „Wir wer­den ein Feu­er ent­fa­chen“, kün­dig­te Ge­schäfts­füh­re­rin Pe­tra Wie­den­roth an. Der Vor­sit­zen­de des Phi­lo­lo­gen­ver­bands, Horst Au­dritz, sprach von ei­ner „Zu­mu­tung“für die Schü­ler. Auch an­dert­halb Wo­chen nach Schul­jah­res­be­ginn sei­en St­un­den­plä­ne Ma­ku­la­tur, wenn es sie denn über­haupt ge­be. „Ein sol­ches Cha­os ha­be ich noch nie er­lebt“, kri­ti­sier­te Au­dritz.

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