Fi­pro­nil-Me­di­ka­men­te oh­ne Re­zept­pflicht?

Bund will Ver­ord­nung än­dern – 27 Tier­arz­nei­en mit um­strit­te­nem Wirk­stoff sol­len frei er­hält­lich sein

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

In im­mer mehr Län­dern Eu­ro­pas wird vor Fi­pro­nil-be­las­te­ten Ei­ern ge­warnt. Der­weil könn­ten Tier­arz­nei­en mit dem Wirk­stoff in Deutsch­land bald leich­ter zu er­hal­ten sein als bis­her.

Von Dirk Fis­ser

Die Bun­des­re­gie­rung will die Re­zept­pflicht für ei­ni­ge Fi­pro­nil-hal­ti­ge Tier­arz­nei­en auf­he­ben. Me­di­ka­men­te mit dem In­sek­ti­zid wä­ren dann künf­tig frei ver­käuf­lich in Apo­the­ken und im In­ter­net. Über ei­ne Än­de­rung der Arz­nei­mit­tel­ver­schrei­bungs­ord­nung auf Vor­schlag von Bun­des­ge­sund­heits­und Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um könn­te der Bun­des­rat noch im Sep­tem­ber ab­stim­men.

Fi­pro­nil war il­le­ga­ler­wei­se in Le­ge­hen­nen­stäl­len zum Ein­satz ge­kom­men. Mil­lio­nen be­las­te­te Eier ge­lang­ten in den Han­del. Im Heim­tier­be­reich ist der Fi­pro­nil-Ein­satz et­wa im Kampf ge­gen Läu­se und Ze­cken bei Hun­den und Kat­zen er­laubt.

Laut Bun­des­amt für Ver­brau­cher­schutz und Le­bens­mit­tel­si­cher­heit (BVL) sind der­zeit 71 Me­di­ka­men­te zu­ge­las­sen, die nur auf Fi­pro­nil ba­sie­ren. Die­se sind be­reits 2001 aus der Ver­schrei­bungs­pflicht ent­las­sen wor­den, die Apo­the­ken­pflicht hat Be­stand. Glei­ches soll jetzt auch mit 27 wei­te­ren zu­ge­las­se­nen Tier­arz­nei­mit­teln ge­sche­hen, in de­nen Fi­pro­nil mit dem Wirk­stoff Me­tho­pren kom­bi­niert wird. Bei­de dür­fen in der Nutz­tier­hal­tung nicht ver­wen­det wer­den. Für die 27 Me­di­ka­men­te muss­ten Ve­te­ri­nä­re bis­lang ein Re­zept aus­stel­len, be­vor die Tier­be­sit­zer die Pro­duk­te di­rekt beim Tier­arzt oder in der Apo­the­ke kau­fen konn­ten.

So ein Re­zept könn­te künf­tig weg­fal­len. Der Sach­ver­stän­di­gen-Aus­schuss für Ver­schrei­bungs­pflicht beim Bun­des­in­sti­tut für Arz­nei­mit­tel und Me­di­zin­pro­duk­te hat­te sich be­reits im Ja­nu­ar mit der Fra­ge be­schäf­tigt und mehr­heit­lich grü­nes Licht ge­ge­ben. Die Fach­leu­te ur­teil­ten: „Das Ri­si­ko für die Ge­sund­heit des be­han­deln­den Men­schen, des Tie­res oder der Um­welt durch die Ent­las­sung der Kom­bi­na­ti­on von Me­tho­pren und Fi­pro­nil aus der Ver­schrei­bungs­pflicht wird als ge­ring an­ge­se­hen.“Manfred Kietz­mann von der Tier­ärzt­li­chen Hoch­schu­le Han­no­ver war ei­ner der Ex­per­ten. Der Pro­fes­sor sagt: „Es spricht kein Ar­gu­ment da­ge­gen, die Kom­bi­na­ti­on von Fi­pro­nil und Me­tho­pren aus der Re­zept­pflicht zu ent­las­sen. Ich se­he kein Ge­fähr­dungs­po­ten­zi­al.“Schließ­lich sei­en Me­di­ka­men­te nur auf Fi­pro­nil-Ba­sis schon lan­ge re­zept­frei.

Nie­der­sach­sens Land­wirt­schafts­mi­nis­ter Chris­ti­an Mey­er (Grü­ne) wand­te sich strikt ge­gen die Frei­ga­be. „Es mag ja sein, dass ei­ne sol­che Initia­ti­ve schon län­ger be­ab­sich­tigt war. Aber da muss man doch jetzt schnellst­mög­lich die Reiß­lei­ne zie­hen und al­les Not­wen­di­ge ver­an­las­sen, dass die­ses Mit­tel vom Markt kommt“, sag­te Mey­er un­se­rer Re­dak­ti­on. „Ich blei­be da­bei: Fi­pro­nil muss eu­ro­pa­weit ver­bo­ten wer­den – für den Ver­brau­cher­schutz, für den Um­welt­schutz und zum Schutz der Tie­re.“Lan­des­um­welt­mi­nis­ter Ste­fan Wenzel (Grü­ne) hat­te zu­vor be­reits ge­for­dert, Fi­pro­nil-hal­ti­ge Me­di­ka­men­te gänz­lich vom Markt zu neh­men.

Die Dis­kus­si­on um den Wirk­stoff hat nach An­sicht des Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums kei­ne Re­le­vanz für die an­ste­hen­de Fi­pro­nilEnt­schei­dung im Bun­des­rat. Das Mi­nis­te­ri­um ver­weist auf An­fra­ge dar­auf, dass die Be­las­tung von Ei­ern auf „of­fen­kun­dig il­le­ga­le Prak­ti­ken“zu­rück­ge­he. Ei­ne Spre­che­rin be­tont, der Ein­satz in der Nutz­tier­hal­tung sei ge­ne­rell nicht er­laubt.

Das BVL teilt mit, in ei­ner ent­spre­chen­den Da­ten­bank ge­be es bis­lang kei­ne Ein­trä­ge über miss­bräuch­li­che Nut­zung von Fi­pro­nil-Pro­duk­ten bei Rin­dern, Schwei­nen oder Ge­flü­gel. Dies dürf­te sich in Kür­ze ver­mut­lich än­dern.

Ka­ri­ka­tur: Ger­hard Mes­ter

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