Kanz­le­rin mahnt: DDR-Un­recht nicht ver­ges­sen

Mer­kel be­sucht frü­he­res Sta­si-Ge­fäng­nis Ho­hen­schön­hau­sen – „Auch Links­ra­di­ka­lis­mus be­kämp­fen“

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Mehr Be­rich­te auf noz.de/mau­er­fall

Ar­no Dref­ke ist 83 Jah­re alt und hat sich in Scha­le ge­wor­fen für die Be­geg­nung mit der Kanz­le­rin: schwar­ze Ho­se, grau­es Sak­ko und wei­ßes Hemd. „Das ist schon ei­ne Wert­schät­zung für mich“, sagt der frü­he­re po­li­ti­sche Häft­ling. Als An­ge­la Mer­kel (CDU) das frü­he­re Un­ter­su­chungs­ge­fäng­nis der DDR-Staats­si­cher­heit durch das graue, schwe­re Roll­tor von einst be­tritt, nickt er. „Es ist rich­tig, dass die Kanz­le­rin kommt.“

Dref­ke war im Au­gust 1961 als Straf­ge­fan­ge­ner in Ho­hen­schön­hau­sen mit Kon­struk­ti­ons­un­ter­la­gen für den Bau der Ber­li­ner Mau­er be­fasst. Er war da­mals we­gen an­geb­li­cher mi­li­tä­ri­scher Spio­na­ge und „Boy­kott­het­ze“ver­ur­teilt wor­den. Heu­te in­for­miert er bei Füh­run­gen auch vie­le jun­ge Men­schen über das Un­recht und den Haft­all­tag.

Mer­kel zeigt sich bei ih­rem ers­ten öf­fent­li­chen Auf­tritt nach dem Ur­laub nah­bar, streicht dem drah­ti­gen Mann mit dem kur­zen grau­en Haar über den Arm. Ge­mein­sam ver­har­ren sie mit ge­senk­tem Kopf vor dem Ge­denk­stein für die Op­fer kom­mu­nis­ti­scher

Ge­walt­herr­schaft im In­nen­hof des eins­ti­gen Ge­fäng­nis­ses.

Kurz vor dem 56. Jah­res­tag des Mau­er­baus mahnt Mer­kel, das DDR-Un­recht nicht zu ver­ges­sen, um Frei­heit und De­mo­kra­tie schät­zen zu kön­nen. „Wir kön­nen nur ei­ne gu­te Zu­kunft gestal­ten, wenn wir uns der Ver­gan­gen­heit

an­neh­men.“Die Kanz­le­rin ver­si­chert, dass sich der Bund wei­ter en­ga­gie­re. Die Er­in­ne­rung an dem au­then­ti­schen Ort in Berlin müs­se wach­ge­hal­ten wer­den. Mer­kel lobt, dass die Ge­denk­stät­te auch Ar­beit ge­gen Links­ra­di­ka­lis­mus leis­te. „Das sind Er­schei­nungs­for­men von heu­te, die wir nicht ne­gie­ren kön­nen und um de­ren Be­kämp­fung wir uns küm­mern müs­sen.“

In der Ein­rich­tung sol­len bis zum Herbst 2019 für 8,8 Mil­lio­nen Eu­ro his­to­ri­sche Ober­flä­chen im In­ne­ren wie Fuß­bö­den und Wän­de denk­mal­ge­recht sa­niert wer­den. Mer­kel schaut sich den grau­en Be­ton­hof mit so­ge­nann­ten Frei­gang­zel­len an. Oben sind noch im­mer St­a­chel­draht und Git­ter ge­spannt. Häft­lin­ge konn­ten in den Zel­len oh­ne Dach ein klei­nes Stück­chen Him­mel se­hen, soll­ten aber kei­nen Kon­takt zu an­de­ren ha­ben.

Ed­da Sper­ling nutzt die Ge­le­gen­heit, schüt­telt Mer­kel die Hand und sagt: „Wir ha­ben ganz vie­le Pro­ble­me.“Es geht um die Ren­ten von eins­ti­gen Häft­lin­gen, die frei­ge­kauft wur­den oder in den Wes­ten aus­rei­sen konn­ten. Ent­ge­gen ur­sprüng­li­cher Ver­spre­chen sei die­se Grup­pe nun mas­siv be­nach­tei­ligt bei der Al­ters­si­che­rung, sagt Sper­ling und wird von Mer­kel er­mu­tigt: „Schrei­ben Sie mir noch mal.“

In dem Sta­si-Ge­fäng­nis wa­ren von 1951 bis 1989 mehr als 11 000 Men­schen ein­ge­sperrt. Auch Op­po­si­tio­nel­le wie Bär­bel Boh­ley, Jür­gen Fuchs oder Freya Klier wa­ren in Ho­hen­schön­hau­sen in­haf­tiert. Iro­nie der Ge­schich­te: Nach der Wen­de war Ex-Sta­si-Chef Erich Miel­ke dort vor­über­ge­hend un­ter­ge­bracht.

Was von der DDR üb­rig blieb:

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