Kriegs­rhe­to­rik und Di­plo­ma­tie

Nord­ko­rea-Kon­flikt: Trump droht of­fen mit Mi­li­tär­schlag – Ap­pel­le für Ver­hand­lun­gen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

Hoch­tra­ben­de Wor­te, har­te For­mu­lie­run­gen: Im Nord­ko­rea-Kon­flikt wol­len die USA und die kom­mu­nis­ti­sche Füh­rung in Pjöng­jang Stär­ke be­wei­sen. Hin­ter den Ku­lis­sen scheint aber die Zeit der Di­plo­ma­ten ge­kom­men. Nach dem hef­ti­gen Krieg der Wor­te ist im Atom­kon­flikt zwi­schen Nord­ko­rea und den USA of­fen­bar die Zeit der Di­plo­ma­ten an­ge­bro­chen. „Die US-Be­mü­hun­gen sind von der Di­plo­ma­tie ge­trie­ben. Sie zei­ti­gen di­plo­ma­ti­sche Er­geb­nis­se“, sag­te Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Ja­mes Mat­tis. Die Mög­lich­keit ei­nes Krie­ges mit Nord­ko­rea be­zeich­ne­te der frü­he­re Ge­ne­ral als „ka­ta­stro­phal“.

Im Ge­gen­satz zu den eher be­son­ne­nen Wor­ten von Mat­tis setz­te Prä­si­dent Do­nald Trump wei­ter auf krie­ge­ri­sche Rhe­to­rik. Am Frei­tag er­klär­te Trump auf Twit­ter: „Mi­li­tä­ri­sche Lö­sun­gen sind nun voll ein­satz­fä­hig, ge­la­den und ent­si­chert, soll­te Nord­ko­rea un­klug han­deln. Hof­fent­lich fin­det Kim Jong Un ei­nen an­de­ren Weg.“Tags zu­vor hat­te er be­reits er­klärt, das US-Atom­waf­fen­ar­se­nal sei „in Tipp­topp-Ver­fas­sung“. Nord­ko­rea ha­be al­len Grund, „sehr ner­vös“zu sein.

Trump kün­dig­te auch an, die US-Ra­ke­ten­ab­wehr auf­zu­sto­cken. Er wer­de da­für ei­nen si­gni­fi­kan­ten Mil­li­ar­den­be­trag be­reit­stel­len. Der Prä­si­dent räum­te je­doch ein, grund­sätz­lich zu Ver­hand­lun­gen be­reit zu sein.

Der Kon­flikt schau­kelt sich seit Ta­gen hoch. Nord­ko­rea droht mit ei­nem An­griff auf das US-Au­ßen­ge­biet Guam

im Pa­zi­fik, wo die USA ei­nen Luft­waf­fen­stütz­punkt mit 6000 Sol­da­ten un­ter­hal­ten. Al­ler­dings hal­ten Ex­per­ten ei­ne Aus­füh­rung für un­wahr­schein­lich. Trump hat­te

an­ge­kün­digt, Pro­vo­ka­tio­nen mit „Feu­er und Wut“be­ant­wor­ten zu wol­len.

Am Frei­tag hieß es aus Pjöng­jang, die USA müss­ten mit ei­ner „schand­vol­len Nie­der­la­ge“

rech­nen, soll­ten sie auf „ex­tre­me mi­li­tä­ri­sche Aben­teu­er“so­wie Sank­tio­nen und Druck be­ste­hen. Die amt­li­che nord­ko­rea­ni­sche Nach­rich­ten­agen­tur KCNA schrieb: „Trump bringt die La­ge auf der ko­rea­ni­schen Halb­in­sel an den Rand ei­nes Atom­kriegs.“

Po­li­ti­ker aus al­ler Welt ru­fen des­halb zur Mä­ßi­gung auf. „Es­ka­la­ti­on der Spra­che hal­te ich für die fal­sche Ant­wort“, sag­te Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel. Zu­dem rief sie da­zu auf, die Be­mü­hun­gen um ei­ne fried­li­che Lö­sung zu ver­stär­ken. „Ich se­he auch kei­ne mi­li­tä­ri­sche Lö­sung die­ses Kon­flikts.“

SPD-Chef Mar­tin Schulz brach­te ei­ne di­plo­ma­ti­sche Lö­sung nach dem Vor­bild des Atom­de­als mit dem Iran ins Ge­spräch. „Vi­el­leicht kann man mit ei­ner ver­gleich­ba­ren Vor­ge­hens­wei­se die nu­klea­re Rüs­tungs­be­gren­zung in Nord­ko­rea er­rei­chen“, sag­te der Kanz­ler­kan­di­dat der So­zi­al­de­mo­kra­ten.

Auch Russ­land mahnt Ver­nunft auf bei­den Sei­ten an. „Falls es zu ei­ner Schlacht kommt, soll­te der­je­ni­ge, der stär­ker und schlau­er ist, den ers­ten Schritt weg von der ge­fähr­li­chen Li­nie ma­chen“, sag­te Au­ßen­mi­nis­ter Ser­gej La­w­row am Frei­tag.

Wie Trump be­tont auch Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Mat­tis, dass das US-Mi­li­tär be­reit sei, um ei­nem be­waff­ne­ten Kon­flikt zu be­geg­nen. Mi­li­tär­ex­per­ten ge­hen je­doch da­von aus, dass die USA kei­nes­falls in ei­nen Krieg ge­zo­gen wer­den wol­len. Selbst wenn Nord­ko­rea ei­ne Ra­ke­te in die Ge­wäs­ser vor der US-Pa­zi­fik­in­sel Guam ab­feu­ern soll­te, wird kei­ne mi­li­tä­ri­sche Re­ak­ti­on der USA er­war­tet. Auch vor ei­nem Ab­schuss ei­nes nord­ko­rea­ni­schen Flug­kör­pers könn­ten die US-Streit­kräf­te zu­rück­schre­cken, um die tech­nisch heik­le Ra­ke­ten­ab­wehr nicht ei­nem mög­li­chen Ver­sa­gen aus­zu­set­zen.

Wehr­haf­ter Au­ßen­pos­ten der USA: Ei­ne Tou­ris­tin po­siert ne­ben ei­ner Mi­nia­tur­aus­ga­be der Frei­heits­sta­tue an der Küs­te der von Nord­ko­rea be­droh­ten Pa­zi­fik­in­sel Guam. Fo­to: AFP

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