Be­vor die Angst ins Haus ein­zieht

Prä­ven­ti­ons­ar­beit ge­gen Ein­brü­che – Po­li­zei will Op­fern hel­fen und Bür­ger sen­si­bi­li­sie­ren

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Westfälische Tagespost - Fra­gen zur Ein­bruchs­si­cher­heit

Nach meh­re­ren Ein­brü­chen sind auf den Stra­ßen im Kreis St­ein­furt Prä­ven­ti­ons­teams der Kreis­po­li­zei­be­hör­de un­ter­wegs. Ver­gan­ge­nen Don­ners­tag auch erst­mals in Lot­te.

Von Kat­ja St­ein­kamp

Es klin­gelt. Mar­tin Schul­te vom Be­zirks­dienst Lot­te und Rolf Lo­haus von der Tech­ni­schen Be­ra­tungs­stel­le der Po­li­zei ste­hen vor ei­nem Mehr­fa­mi­li­en­haus in Wer­sen, als ei­ne Frau öff­net. Man sieht ihr die Er­leich­te­rung an. „Kom­men Sie rein“, sagt sie zu den Po­li­zei­be­am­ten. „Ich bin froh, dass sie da sind.“

Sie er­zählt den Po­li­zis­ten, dass sie die ers­ten Näch­te nach dem Ein­bruch bei ih­ren Nach­barn nicht ha­be schla­fen kön­nen. „Ich ha­be Angst, dass die auch zu mir kom­men“, er­klärt die Frau. Rolf Lo­haus be­ru­higt sie. Der Tech­ni­sche Be­ra­ter er­klärt ihr, wie sie sich ver­hal­ten sol­le, da­mit ein Ein­bruch ver­mie­den wer­den kann: „Las­sen Sie die Ja­lou­si­en tags­über oben, und ar­bei­ten Sie mit Licht. Das schreckt den Ein­bre­cher ab.“So wür­den Tä­ter den­ken, es sei je­mand zu Hau­se. Au­ßer­dem sol­le man Un­be­kann­te am Haus oder in der Um­ge­bung an­spre­chen. Meis­tens wür­den die­se sich dann schon ver­zie­hen, so Lo­haus. Die Frau ist sicht­bar be­ru­higt und sagt den Be­am­ten, sie füh­le sich jetzt um ei­ni­ges bes­ser. In Zu­kunft wol­le sie wei­ter dar­auf ach­ten, was in der Nach­bar­schaft pas­siert.

Wö­chent­lich un­ter­wegs

Ein­mal in der Wo­che sol­len Prä­ven­ti­ons­teams in den

Ge­bie­ten, in de­nen ver­mehrt ein­ge­bro­chen wird, Strei­fe fah­ren, um die Bür­ger zu sen­si­bi­li­sie­ren. Das Ziel der Prä­ven­ti­ons­teams: die Auf­merk­sam­keit der Bür­ger er­hö­hen, die Be­woh­ner in den Brenn­punk­ten in­ten­siv auf­klä­ren und un­ter­stüt­zen so­wie In­for­ma­tio­nen über mög­li­che tä­ter­be­zo­ge­ne Be­schrei­bun­gen sam­meln.

Der zwei­te Brenn­punkt an

dem Tag liegt in ei­nem Bau­ge­biet in Ha­len. Schul­te und Lo­haus be­su­chen ein Haus, in dem er­folg­los ver­sucht wur­de ein­zu­bre­chen. Seit ei­nem In­for­ma­ti­ons­abend der Po­li­zei ver­gan­ge­nes Jahr über Ein­bruchs­si­cher­heit ha­be die Fa­mi­lie Schlös­ser an Tü­ren und Fens­tern an­ge­bracht. So­mit sei­en die Ein­bre­cher nicht ins Haus hin­ein­ge­kom­men. „Es ist gut zu

wis­sen, dass die Po­li­zei jetzt hier in der Ge­gend rum­fährt“, sagt der Haus­ei­gen­tü­mer. Au­ßer­dem fän­de er es gut, wenn er mehr In­for­ma­tio­nen be­kä­me, wie er sich vor Tä­tern noch bes­ser schüt­zen kön­ne. Lo­haus macht dar­auf­hin ei­nen Ter­min für ei­ne per­sön­li­che Be­ra­tung mit ihm aus: „Wir ge­hen dann zu­sam­men durch das Haus, und ich zei­ge Ih­nen, wo noch Schwach­stel­len sind und was wir dort un­ter­neh­men kön­nen“, er­klärt der Be­ra­ter. In die­sem Fall kön­ne die Fa­mi­lie so­gar ei­ne Po­li­zei­pla­ket­te an das Haus an­brin­gen las­sen. Die­se kenn­zeich­net, dass das Haus – Tü­ren, Fens­ter und Kel­ler­schäch­te – ein­bruchs­si­cher ist. Au­ßer­dem müs­sen vor­schrifts­ge­mäß Rauch­mel­der an­ge­bracht und die Haus­num­mer deut­lich an der Au­ßen­fas­sa­de zu se­hen sein. Wei­ter­hin muss ein Te­le­fon oder Han­dy am Bett be­reit ste­hen, um im Not­fall di­rekt Hil­fe ho­len zu kön­nen. Mög­li­cher­wei­se wür­de so ei­ne Pla­ket­te Ein­bre­cher ab­hal­ten, ins Haus ein­zu­drin­gen.

Wenn die Angst ein­zieht

In Alt-Lot­te war­tet schon ein Paar auf die Be­am­ten. Sie hät­ten in der Zei­tung ge­le­sen, dass ein Prä­ven­ti­ons­team ab so­fort Strei­fe fah­re. „Wir zei­gen Ih­nen ger­ne, wie die Tä­ter bei mei­ner Le­bens­ge­fähr­tin ein­ge­bro­chen sind“, sagt der Mann und führt die Po­li­zis­ten in den Haus­wirt­schafts­raum. Ob­wohl die Ja­lou­sie hier run­ter­ge­fah­ren war, konn­ten die Tä­ter mü­he­los in das Haus ein­drin­gen und den wert­vol­len Schmuck der Da­me mit­neh­men. Das Paar ha­be seit­dem ein ko­mi­sches Ge­fühl. „Die ers­ten Tage nach dem Ein­bruch muss­te ich erst ein­mal neu ler­nen, hier al­lei­ne im Haus zu sein, da­mit ich nicht im­mer Angst ha­be, wenn mein Le­bens­ge­fähr­te mal nicht da ist“, er­klärt die Frau. Sie fin­de es gut, dass die Be­am­ten kä­men und sie be­rie­ten, wie sie sich bes­ser schüt­zen kön­ne. Au­ßer­dem sei es schön, sich den Schock von der See­le spre­chen zu kön­nen.

Wach­sa­me Bür­ger

Auch Lot­tes Bür­ger­meis­ter Rai­ner Lam­mers be­grüßt die Kam­pa­gne: „Es ist wich­tig, dass die Bür­ger die Au­gen of­fen hal­ten. Al­le Nach­barn soll­ten sich ab­spre­chen und sich ge­gen­sei­tig über Vor­komm­nis­se in­for­mie­ren.“Die Ak­ti­on der Po­li­zei sei im In­ter­es­se al­ler Bür­ger und sehr er­folg­ver­spre­chend, meint Lam­mers.

be­ant­wor­tet für die Po­li­zei­li­che Be­ra­tungs­stel­le Kri­mi­nal­prä­ven­ti­on „Sa­fe & Co.“in Rhei­ne Be­ra­ter Rolf Lo­haus, Tel. 0 59 71/9 38 59 16, Mo­bil: 01 60/7 15 46 96; E-Mail: rolf.lo­haus@po­li­zei.nrw.de

Si­cher le­ben: Mehr zum The­ma er­fah­ren Sie auch im In­ter­net auf noz.de/si­cher-le­ben

Im Ein­satz für mehr Si­cher­heit: Rolf Lo­haus (l.) und Mar­tin Schul­te wa­ren als Prä­ven­ti­ons­team un­ter­wegs. Fo­to: Kat­ja St­ein­kamp

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